Art for Europe

Kontinent der Kunst

Von Sintra bis Belem – Kunst und Kultur in Portugal

Wie im letzten Reisebericht über Lissabon versprochen, geht es diesmal, im letzten Teil der Reiseberichte über diesen schönen Flecken in Europa, im Schwerpunkt um die Kunst und Kultur. Man hat in den letzten Reiseberichten schon gemerkt, dass vor allem auch Lissabon für mich nicht zu den absoluten Highlights auf dem Gebiet der Kunst und Kultur in Europa zählt. Man muss hierbei natürlich auch immer berücksichtigen, dass nicht jede europäische Stadt und auch nicht jede europäische Hauptstadt hier ganz vorne mitspielen kann und muss. Ebenfalls muss man festhalten, dass es auch noch mehr als diese beiden Bereiche gibt, die den Charme einer europäischen Metropole ausmachen aber vor allem geht es hier auch um meinen Blick und da fällt zum Beispiel eines der größten Highlights der Stadt, was die Museen angeht, durch. Vorab sei schon einmal soviel verraten, jeder kunst-und kulturbegeisterte Besucher der Stadt, sollte zwei Dinge nicht versäumen. Das ist zum einen der Stadtteil Belem aber auch das etwas außerhalb gelegene kleine Örtchen Sintra, wo wir auch beginnen wollen.

Sintra-Mehr Westen geht fast nicht

Sintra ist eine kleine aber sehr feine Stadt, etwas weniger als 30 Kilometer westlich, außerhalb Lissabons gelegen und war uns vor allem wegen einem wichtigen Museum für Moderne Kunst, wo auch schon Größen wie Roy Lichtenstein (1923-1997) 01-sintra-skulpturen-6930.jpgausgestellt haben, empfohlen worden. Aber hier gibt es noch viel mehr zu sehen und zu erleben. Denn außer das wir eine sehr schöne Skulpturenausstellung vorfanden, die uns fast den ganzen Weg von Bahnhof bis in die Altstadt begleitete, ist es ein wirklich wundervoll verwunschener Ort, was an diesem Tag noch besonders dadurch unterstrichen wurde, dass die Wolken so tief hingen, dass die Gipfel des umliegenden Gebirges nur zu erahnen waren. 02-sintra-wolken-6924.jpgDie Altstadt selbst ist ein Traum, überzogen mit wichtigen Palästen des portugiesischen Königshauses aus den verschiedenen Epochen und wunderschönen netten kleinen Gassen mit tollen Cafes und Bistros. Ein weiteres Highlight, welches Sintra zu bieten hat, ist das Cabo da Roca, denn dies ist der westlichste Punkt Europas, sofern man vom Festland spricht. Nachdem ich schon dort war, wo sich die Nordsee mit der Ostsee verbinden und auch schon den östlichsten Punkt der iberischen Halbinsel aufgesucht habe, ist so etwas natürlich auch noch einmal ein ganz entscheidender Wegepunkt in Europa. Nun ging es aber wieder zurück zum Bahnhof, um von dort weiter in die Neustadt von Sintra zu gelangen und die, muss ich einräumen, fand ich ziemlich verbaut. Da sieht man, was man alles tut, um wichtige Museen nicht zu versäumen.

Bei dem Museum für Modern Kunst in Sintra selbst, kann man nicht gerade behaupten, dass es irgendwie verbaut sei, dies gilt wirklich nur für das Umfeld. Während unseres Besuches fand eine Ausstellung über indische Kunst statt. Nun muss ich gestehen, dass ich kein wirklicher Kunstexperte für den Bereich Indien bin aber es war trotzdem außerordentlich spannend und sehr interessant. 03-sintra-gandhi-6990.jpgIn der unteren Ebene dieses Museums drehte sich alles um den großen Mahatma Gandhi (1869-1948). Es waren viele photographische Dokumente über diesen großartigen Mann zu sehen aber auch die wenigen Utensilien die ihn in seinem Leben begleiteten, wie zum Beispiel seine Brillen auf die er nie verzichten wollte. Es waren aber auch zeitgeschichtliche Dokumente ausgestellt, wie zum Beispiel ein Brief, den er am 23. Juli 1939 an Adolf Hitler (1889-1945) geschickt hatte. Die ganze Ausstellung über ihn war durch Zitate untermalt, die großflächige an die Wände geschrieben bzw. projiziert wurden, was einem sein Leben und Wirken natürlich auch noch einmal etwas näher brachte. Auf der nächsten Ebene fand sich sehr viel an indischer Photokunst, was nun nicht wirklich meinen künstlerischen Nerv traf aber es waren auch Arbeiten von dem im Jahr 1943 in 04-sintra-floss-7007.jpgIndien geborenen Künstler Vivan Sundaram zusehen und seine Arbeiten begeisterten mich wirklich. Denn was man mit dem Abfall unserer Konsumgesellschaft alles schaffen kann, zeigte er nicht nur mit seinem riesigen Floß aus leeren Plastikflaschen, mit welchem er auch wirklich schon auf dem Wasser unterwegs war, wie eine seiner Videoinstallationen zeigte. Alles in allem war es ein abtauchen in einen für mich recht fremden Kulturraum, wie ich dachte. Das dem aber nicht so sein muss, zeigte sich hier wieder einmal, denn die Sprache der Kunst ist so global, dass ich dass Meiste letztendlich doch nicht wirklich fremd fand.

Belem-Kunst und Kultur direkt am Tejo

War dieser gerade beschriebene Teil der Berardo Kollektion schon nicht uninteressant, sollte uns ein weiterer Teil dieser spannende Sammlung auch noch zu einem späteren Zeitpunkt in Lissabon begegnen. Denn es stand auch noch ein Besuch in Belem, einem schönen kleinen Stadtteil am Ufer des Tejos, auf dem Programm. Ganz hier in der Nähe findet man übrigens auch das bedeutendste Museum der Stadt, denn kein Museum in dieser europäischen Metropole zählt mehr Besucher. Da überrascht es auch nicht, dass dieses Kutschenmuseum seit Februar diesen Jahres auch noch einmal erweitert wird. 05-belem-kloster-7043.jpgWie zu Beginn dieses Reiseberichtes schon erwähnt, ist dies allerdings sogar nicht meine Kragenweite und da dieses Museum auch so schon ausreichend bekannt ist, soll diese kurze Erwähnung auch ausreichen. Fährt man mit der Straßenbahn nach Belem, hält man direkt vor dem Hieronymus Kloster, welches auch zu einem der wichtigsten und vor allem auch vom großen Erdbeben von 1755 verschonten Gebäudekomplexen der Stadt gehört. Nachdem man sich hier umgeschaut hat, sollte man in jeden Fall das gegenüberliegende Centro Cultural de Belem (CCB), 06-belem-ccb-7098.jpgdas riesige Kulturzentrum Belems besuchen. Nicht nur das es rein architektonisch schon ein Knaller ist, findet man hier auch grandiose Kunst in dem Museum Coleccao Berardo, welches, wie bereits erwähnt, der gleichen Sammlung, wie die in Sintra angehört. Auch hier steht die Kunst und Kultur ohne Hindernisse jedem zur Verfügung, denn Eintritt bezahlt man hier nicht. Dieses Museum gehört für mich zu einem der künstlerischen und kulturellen Highlights der Stadt und sollte daher bei einem Besuch unbedingt mit auf der Route stehen.

Zwei Ausstellungen in dieser großartigen Location faszinierten mich ganz besonders. Zum einen ist hier die Retrospektive auf das Schaffen des 1953 geborenen New Yorker Künstlers Robert Longo zu erwähnen, 07-belem-death-star-robert-longo-7129.jpgder auch hier mit seinen faszinierenden Werken brillieren konnte aber auch die ebenfalls in New York lebende und arbeitende Judith Barry. Barry wurde 1954 in Columbus im Bundesstaat Ohio geboren und überzeugte hier vor allem mit ihren einzigartigen Videoinstallationen, die auch auf mich sehr inspirierend wirkten. Nach soviel großartiger Kunst, Kultur aber auch Architektur sollte man, wie wir es auch taten, entspannt hinunter an das Ufer des Tejos gehen und trifft dort auf den Torre de Belem. Dieser über 30 Meter hohe Turm aus dem Jahr 1521 gehört zu einem der Wahrzeichen der Stadt. 08-torre-de-belem-7190.jpgHier an der Mündung des Tejos kann man dann am Yachthafen von Belem entlang schlendern und gelangt so zum Padrao dos Descobrimentos, was übersetzt soviel bedeutet wie Denkmal der Entdeckungen. Es wurde im Jahr 1960 zum 500. Geburtstag von Heinrich dem Seefahrer (1394-1460) errichtet und zeigt 33 der wichtigsten Persönlichkeiten dieser Epoche, eben von Heinrich dem Seefahrer bis zu dem, in dieser Stadt natürlich allgegenwärtigen, großen Entdecker Vasco da Gama (1469-1524). Dieser wundervolle Platz bietet aber noch einen wunderschönen Blick auf zwei weitere Highlights, welche viele Menschen mit dieser wunderschönen Stadt verbinden, wobei eines dieser Wahrzeichen, nämlich der Christo-Rei, eine 28 Meter hohe Christus-Statue auf einem 75 Meter hohen Sockel, in der Gemeinde Pragal im Kreis Almada liegt und damit gar nicht mehr zu Lissabon gehört. Das zweite Wahrzeichen die Ponte 25 de Abril verbindet Lissabon mit Almada und ist nach der Tsing-Ma-Brücke in Hongkong, die zweitlängste Hängebrücke mit kombiniertem Straßen-und Eisenbahnverkehr der Welt.

An diesem so besonderen Platz sollen diese Reiseberichte über Portugal und Lissabon 09-belem-brucke-christo-rei-7214.jpgnun auch ein Ende finden und zum Schluss sei noch gesagt, dass es in Lissabon selbst aber natürlich gerade auch im Rest Portugals noch einiges mehr zu entdecken gibt. Wenn Ihr noch Highlights kennt, die in diesen Reiseberichten nicht erwähnt sind, könnt Ihr diese gerne als Kommentar hinzufügen. Außerdem werde ich mit Sicherheit an diesen schönen Flecken Europas noch einmal zurückkehren und dann werde ich bestimmt auch besseres Wetter haben und meine Kamera wird dann auch eine Neue sein, so dass ich die ganze Zeit einen Zoom zur Verfügung habe und dann gibt es auch an dieser Stelle noch mehr zu lesen und zu sehen.

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Bisher 4 Kommetare

  1. 12. April 2010

    | 05:12

    Wie im letzten Reisebericht über Lissabon versprochen, geht es diesmal, Teil der Reiseberichte diesen schönen Flecken in Europa, Schwerpunkt um…

  2. 13. April 2010

    | 12:00

    Von Sintra bis Belem – Kunst und Kultur in Portugal…

    Der Künstler und Wahlkölner Thorsten Hülsberg war zuletzt in Portugal und beschreibt in diesem Re…

  3. 21. Juni 2010

    | 15:00

    [...] hat nicht nur den westlichsten Punkt der iberischen Halbinsel, sondern gleich auch noch den westlichsten Punkt, wenn man sich auf das europäische Festland bezieht. Das Klima, auf das Kernland bezogen, ist [...]

  4. 30. Juni 2010

    | 07:31

    [...] Als Entschuldigung gab es danach den iberischen Klassiker Spanien gegen Portugal. Hier geriet Portugal dann auch gleich zum ersten Mal bei diesem Turnier in Rückstand und kassierte den ersten [...]

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