Art for Europe

Kontinent der Kunst

Verzweifelte Passagen-Walter Benjamin

Nachdem wir, wie im letzten Bericht erläutert, schon eine ganze Menge im spanisch- französischen Grenzgebiet erlebt hatten, stand mir und meiner Begleiterin für dieses Tourstück Sigi, noch ein großes Kunstwerk bevor. Es sollte atemberaubend und einfach nur bewegend werden. Als ich nach diesem Tourstück, dies Mal leider zwangsweise, wieder ein Mal in Deutschland war, verarbeitete ich all dies auch direkt auf Grundlage meiner vor Ort gemachten Photographien, in einer Werkreihe mit dem Titel `Verzweifelte Passagen-Walter Benjamin`. Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen über dieses besondere Erlebnis dieser Touretappe zu berichten.

Dani Karavan

Wir waren noch einige Tage an der Costa Brava unterwegs gewesen, hatten das Kloster `San Pedro de Rhoda` im Nebel besucht, waren am östlichsten Punkt der iberischen Halbinsel `Cap Creus` und mit Cadaques noch in einer weiteren Dali-Stadt. Hier entstand das folgende Photo, welches über ein Jahr später, in der Nähe von Bremen, sogar einen dalis-tuer-preistraeger.jpgPreis erhielt. Also man kann nicht behaupten, dass wir wenig erlebt hätten oder ich wenig Material gesammelt hätte aber trotzdem sollte der bewegenste Teil dieser Etappe der Tour noch kommen und es ist bis heute eines der beeindruckensten Erlebnisse geblieben. Es geht um das Werk `Passagen` des 1930 in Israel geborenen Bildhauers Dani Karavan, welches man in Port Bou, dem kleinen spanischen Grenzort direkt am Mittelmeer, findet. Der Werktitel, der wie man sieht auch schweren Einfluss auf meine Werkreihe genommen hat, ist in Ahnlehnung an das `Passagen Werk` des deutschen Philosophen und Schriftstellers Walter Benjamin entstanden. Walter Benjamin nahm sich in Port Bou 1940 mit Morphium das Leben. Er war auf der Flucht und hatte Angst der Gestapo in die Hände zu fallen.

Das `Walter Benjamin Memorial`, wie man die `Passagen` auch bezeichnet, ist eines der bekanntesten Werke von Dani Karavan, der es in unmittelbarer Nähe zu dem Grab von Walter Benjamin entstehen ließ. Es ist ein tunnelartiger, stählender Treppenabgang durch die Klippen oberhalb der Bucht von Port Bou. Man zählt 71 Stufen bis man das Ende dani-karavans-passagen.jpgerreicht hat. Nicht nur das Werk Karavans selbst beeindruckte mich sehr stark, sondern auch die Verzweiflung dieser Geschichte. Die Verzweiflung dieses Künstlers, wobei der Ansatz meiner Werkreihe weniger ein politischer oder historischer ist, als viel mehr ein emotionaler. Ich machte von jeder dieser Stufen aus eine Photographie in jeweils wechselnden Blickwinkeln und Schärfen und versuchte so das festzuhalten, was man wohl in der absoluten Verzweiflung empfindet. So entstanden 73 außergewöhnliche Werke, die ich seit ihrem entstehen Anfang 2005 noch nicht veröffentlicht habe und dies nun exklusiv auf meiner offiziellen Website nachgeholt habe. Es wäre ein sehr schöner Rahmen gewesen, diese Werkreihe zur Zeit in Berlin zu präsentieren, wo noch bis zum 1. Juni im Martin Gropius Bau die aktuelle Werkschau von Dani Karavan zu sehen ist aber leider fehlte mir durch meine Reisetätigkeit, die Zeit mich um eine adäquate Ausstellungsmöglichkeit für diese ganz besondere Werkreihe zu kümmern.

Die Verzweiflung eines Künstlers

Natürlich entstand auch zu dieser Werkreihe, wie zu den meisten meiner Werkreihen, ein passender Begleittext aus dem die folgende Passage stammt.

`Jeder Künstler kennt verzweifelte Passagen seines Lebens, seines Schaffens und seiner Emotionen und immer wieder führt diese Verzweiflung in den Tod. Walter Benjamin nahm sich 1940, in dem kleinen spanischen Grenzort Port Bou, mit Morphium das Leben. Dies tat er aus der Verzweiflung heraus in die Hände der Gestapo zu fallen. Andere Künstler verzweifeln an wesentlich banaleren Begebenheiten, wobei man eigentlich die Begriffe Banalität und Verzweiflung nicht zusammenfügen sollte, denn die Verzweiflung eines jeden Individuums ist niemals banal, auch wenn es oftmals für Außenstehende den Anschein haben mag. `

Nach dieser beeindruckenden Erfahrung, wurde auch immer klarer, dass ich Barcelona verzweifelte-passagen-30-schritt.jpgnicht mehr, wie eigentlich geplant, erreichen sollte. Dafür habe ich es nun fast drei Jahre später geschafft. Damals war allerdings die Haut auf meinem Brustkorb so stark entzündet und die Schmerzen wurden auch immer unerträglicher, so dass Sigi alleine weitereisen musste und ich zurück nach Deutschland trampte. Ich ging damals noch davon aus, dass es eine Folge meines Zusammenstosses mit dem Stahlträger bei Paul war. Später in Deutschland, sollte sich allerdings herausstellen, dass es sich um eine durch einen Virus verursachte Nervenbahnentzündung des Rückenmarks handelte, die ich zum Glück recht schnell in den Griff bekam. Bevor ich allerdings endgültig mit netten Menschen ganz schnell zurück in Deutschland war und unterwegs noch ein tolles Rezept von Diego erhielt, stand eine ordentliche Portion Dali auf dem Programm, von der ich Euch demnächst berichte.

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