Art for Europe

Kontinent der Kunst

Strand gut und Sandgut

Nun bin ich seit gut einer Woche wieder in Deutschland und ich muss schon anmerken, dass ich den Sand und das Meer, aber vor allem auch die Weite schon wieder sehr vermisse. Aber immer schön der Reihe nach. Ich war gerade erst für gut eine Woche auf Vlieland. Dieses wunderschöne niederländische Eiland nennt man auch `Sahara des Nordens`, was daran liegt, dass es sich hierbei um die größte zusammenhängende Sandfläche Nordeuropas handelt. Genau dieses Detail war natürlich auch eines, warum ich nun schon zum vierten Mal dort war. Es war wieder eine einzige große Photosafari und es entstanden fast 1.500 Photos. Ein Schwerpunkt für mich war einmal mehr das Sammeln von Strandgut mit der Kamera und dies hat natürlich einen tieferen Sinn, deshalb möchte ich diesen Reisebericht auch dazu nutzen, den Sinn dieser Art meiner Photokunst zu erläutern. Da man diese schöne Insel nicht mit dem Auto besuchen darf, blieb der Wagen wieder in Harlingen zurück und die 90 Minuten Fährfahrt von dort bis auf die Insel nutzte ich dafür mich der 40-Jahre-Jubiläumsausgabe des Kunstkompasses zu kümmern und dies stimmte mich doch direkt noch optimistischer.

40 Jahre Kunstkompass

Pünktlich zur ART COLOGNE erschien der Kunstkompass als Sonderheft im manager magazin. Dieses Kunstranking, welches zum erstenmal 1970 erschienen ist und durchaus als umstritten bezeichnet werden darf, listest nach einem 01-vlieland-landschaft-0330.jpgkomplexen Punktesystem einmal im Jahr die erfolgreichsten, lebenden, internationalen Künstler auf. Unter den Top Ten befinden sich in diesem Jahr fünf deutsche Künstler und mit Gerhard Richter werden sie auch in diesem Jahr, wie auch schon im Vorjahr, wieder von einem deutschen Künstler angeführt. Die weiteren Plätze belegen vier amerikanische Künstler und der Däne Olafur Eliasson. Was mich nun an all dem so optimistisch stimmt ist, dass das Durchschnittsalter in den Top Ten doch immerhin bei knapp über 66 Jahren liegt. Dies bedeutet ich habe noch einige Jahre Zeit um dort hinzu gelangen. 02-vliehors-express-0940.jpgGut, kommen wir von den Zukunftsplänen zur Gegenwart und damit zum Besuch auf Vlieland. Natürlich kann man hier hervorragende Landschaftsbilder entstehen lassen und die Weite, gerade auch draußen in den Vliehors, die natürlich auch diesmal wieder mit der Unterstützung des MAN-Trucks von Maarten auf dem Plan stand, ist einfach nur berauschend. Es war auch diesmal wieder einfach nur atemberaubend und ich weiß auch diesmal wieder, dass ich nicht das letzte Mal dort gewesen sein werde.

Die gesamte Zeit über war das Wetter einfach nur richtig gut. Dies bedeutet, es ging ziemlich wenig Wind, die Sonne schien und es war eigentlich die ganze Zeit über trocken. 03-geniales-wetter-0382.jpgSo kam es, dass es natürlich jeden Tag raus an den Strand ging, um Photos als Grundlage für meine Photokunst entstehen zu lassen. Nicht das es hier zu irgendwelchen Missverständnissen kommt, es sind Traumstrände und es ist auch alles sehr sauber und dies gilt vor allem auch für die wundervollen Strände im Westen der Insel. Auf Grund der rauen See hier draußen, werden aber natürlich auch immer wieder Berge an Strandgut angeschwemmt. Dieses Strandgut war schon einmal vor einigen Jahren Thema einer meiner Werkreihen. Hier wird deutlich, was die Kehrseite unserer Konsumgesellschaft ist. 04-vlieland-strandgut-1-0546.jpgWir erfahren dies gerade in aller größter Härte im Golf von Mexiko, wo auch durch unsere Konsumgesellschaft ein unvorstellbar großes Naturparadies durch Öl verseucht wird. Da ist das, was man hier am Strand von Vlieland findet, eigentlich gar nichts gegen, zeigt aber doch auch, dass es ein Umdenken auch im Kontext zur Umwelt geben muss. Deshalb widmet sich meine aktuelle Arbeit eben auch dem guten Strand von Vlieland mit viel Sandgut, welches Geschichten aus der ganzen Welt erzählt.

Spuren lesen

Im Verhältnis gab es diesmal relativ wenig S(tr)andgut zu finden, was wohl auch mit der eher ruhigen See zu erklären war. 05-vlieland-strandgut-2-0609.jpgTrotzdem ist es spannend, was man alles findet und wenn man dafür offen ist, zeigen sich Geschichten, die man meint erkennen zu können. Ob das was man sich vorstellt wirklich realistisch ist, bleibt ein Geheimnis des Meeres, welches all dies hier anspült. Mit Sicherheit ist hier einiges unbeabsichtigt gelandet und gar nicht als Müll entsorgt worden aber man merkt auch, dass wohl viele Menschen das Meer leider für einen großen Mülleimer halten und auch hier muss umgedacht werden. Während ich mit Kamera und Equipment bewaffnet den Strand entlang lief und die Spuren unserer Konsumgesellschaft wahrnahm und diese mit der Kamera festhielt, entstanden auch meist direkt die Werktitel, denn mir erzählen diese Fundstücke Geschichten, vielleicht sind es Märchen, vielleicht sind es Realitäten, man wird es wohl kaum klären können. 06-vlieland-strandgut-3-0620.jpgMit dieser Art meiner Kunst möchte ich aber vor allem dazu aufrufen, den Meeren dieser Welt mehr Achtung zu schenken und letztendlich gilt dies nicht nur für die Meere dieser Welt, sondern für die gesamten Natur. Wie auch schon mit meiner Werkreihe `Theodore` möchte ich den Alltag festhalten, um auf die großen Probleme des alltäglichen Lebens hinzuweisen.

Alles auf dieser Welt ist in den verschiedensten Techniken gemalt, fotografiert, installiert und digitalisiert. Durch diese Informationsflut übersieht man aber manchmal die Mahnzeichen unserer Zeit, die einem überall begegnen. 07-vlieland-strandgut-4-0655.jpgAn meinen Arbeiten ist nichts installiert. Dies bedeutet, ich halte die Dinge einfach so fest, wie ich sie vorfinde. Dies zeigt, ich verewige letztendlich das, was eine Vielzahl an Menschen jeden Tag übersieht oder gar ignoriert. Die Zeichen kann man überall sehen, man muss sie nur auch wahrnehmen. Ich möchte die Menschen dafür sensibilisieren mit ihrem Umfeld, mit ihrer Umwelt sorgsamer umzugehen. Somit stellen die Werkreihen, für die ich auf dieser wundervollen Insel die Photos geschossen habe, auch ein Mahnmal gegen die Gleichgültigkeit, die sich auf diesem Planet auch immer weiter ausbreitet, dar. Ein Niederländer erklärte mir auch, dass Vlieland bei den deutschen Touristen nicht so beliebt sei, da man eben sein Auto nicht mitnehmen dürfte und auch dies ist ein spannender Aspekt, denn wenn man es sich genau betrachtet, braucht man hier auch nicht im Ansatz ein Auto. 08-vlieland-nationalfeiertag-1229.jpgNachdem sich dieser Reisebericht im Schwerpunkt meiner künstlerischen Arbeit gewidmet hat, geht es beim nächsten Mal um noch etwas anderes, denn bei Art for Europe steht neben der Kunst, vor allem auch die Kultur im Mittelpunkt und auch kulturell war es ein wirkliches Erlebnis, denn ich durfte zum ersten Mal den Koninginnedag in den Niederlanden miterleben und dies war definitiv ein weiteres Highlight dieses Tourabschnitts.

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Bisher 3 Kommetare

  1. 11. Mai 2010

    | 12:10

    Strand gut und Sandgut…

    Was der Künstler und Wahlkölner Thorsten Hülsberg auf seiner letzten Etappe auf Vlieland so erleb…

  2. 20. Juni 2010

    | 12:11

    [...] von 41.528 Quadratkilometern und steht unter dem Einfluss gemäßigtem Seeklimas. In den Niederlanden leben knapp 16,5 Millionen Menschen und davon knapp 800.000 in der Hauptstadt Amsterdam. Eine [...]

  3. 3. Juli 2010

    | 14:45

    [...] Brasilien 2:1, was natürlich weiterhin die Option des Knallerendspiels Deutschland gegen die Niederlande im Finale offen [...]

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