Art for Europe

Kontinent der Kunst

Spaltet die Armut auch die Kultur?

Der Bankrott der westlichen Welt rückt immer nähre bzw. ist eigentlich schon längst eingetreten. Dieser Fakt hat natürlich auch Auswirkungen auf den Bereich der Kultur. So kann man schon seit Jahren verfolgen, wie Galerien, Theater, Bibliotheken und viele andere kulturell wichtige Einrichtungen geschlossen werden. Ein Grund dafür, der immer wieder benannt wird, ist Geldmangel, auch an dieser Stelle, dass man lieber die Wirtschaft finanziell mit Milliarden Euros unterstützt, verschweigt man dann natürlich gerne. Wer nun aber meint, dass die Wirtschaft, die dank der verschiedensten konjunkturellen Maßnahmen wieder aufblüht, wenn man dem politischen Berlin noch glauben mag, ihr kulturelles Engagement auch nur im Ansatz wieder an das Niveau längst vergangener Zeit anpasst hääte, wird schnell feststellen, dass dem ganz und gar nicht so ist. Dieser massive Rückzug von Kapital im Bereich der Kultur, wie natürlich auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen, ist auch ein Grund dafür, warum das ehemalige Land der Dichter und Denker immer mehr zum Land der Leergutsammler mutiert. Die Frage, die man sich in diesem Kontext nun natürlich zwingend stellen sollte ist, wie viel Kapital braucht Kultur und sollte man hier dem allgemeinen Trend des globalisierten Raubtierkapitalismus hinterher rennen oder sich nicht viel lieber der Kreativität zuwenden?

Gibt es den Kampf der Kulturen wirklich?
Tausende von Kilometern bin ich seit 2004 über diesen Kontinent, meinen Heimatkontinent, gereist und konnte mir ein sehr gutes Bild dessen machen, was sich im künstlerischen und kulturellen Bereich in Europa so tut und natürlich auch, wo Deutschland steht. 01-reisen-villefranche.jpgSpricht man in diesen Tagen vom Bereich der Kultur, ist man auch immer ganz schnell beim Thema Kampf der Kulturen und diesen muss ich sagen, habe ich noch nicht so wahrgenommen, wie er oft propagiert wird. Es mag natürlich einen Kampf der christlich geprägten, westlichen Welt mit der islamischen Welt geben, hierbei geht es aber nur oberflächlich, um so etwas, wie einen Kampf der Kulturen und wenn man nur ein wenig an der Oberfläche kratzt, stellt man fest, dass es hier in der Hauptsache um ökonomische und nicht um kulturelle Belange geht. Der einzige Kampf der im Bereich der Kulturen tatsächlich stattfindet, ist der, dass man, gerade auch in Deutschland, versucht diesen Bereich finanziell auszutrocknen und ihn in einen marktwirtschaftlichen Bestandteil wandeln will. Hier ist nun natürlich jeder Kulturschaffende gefordert, dieses Spiel einfach nicht mitzuspielen und seine Denkweise auch anzupassen. Man hat in der heutigen Zeit, von Deutschland sucht den Superstar (DSDS) bis hin zu Fotowettbewerben bei denen die Künstler ihre Bildrechte an den Veranstalter zur werbetechnischen Vermarktung abtreten sollen, das Gefühl, dass es nur noch um den reinen Kommerz geht und die Kreativität dabei völlig auf der Strecke bleibt.

Es ist mittlerweile in vielen kulturellen Bereichen eine wahre Materialschlacht entbrannt. An dieser Stelle hat sich auch eine gewisse Verschiebung ergeben, denn mittlerweile kommt scheinbar oftmals zu erst das Material und dies muss scheinbar immer häufiger einfach nur noch teuer sein und dann beginnt ein mehr oder weniger kreativer Prozess. 02-material-vlieland.jpgEigentlich sollte es doch eher so sein, dass eine große Idee da ist, was natürlich schon Kreativität bedeutet und man dann versucht diese mit den vorhandenen Mitteln umzusetzen. Gerade im Bereich der bildenden Kunst gilt, dass man Material eigentlich an jeder Ecke findet, was man allerdings scheinbar immer seltener findet, ist eben Kreativität. Viele Kunststudenten versuchen mittlerweile nur noch ihre Professoren möglichst künstlerisch nahe zu kommen, um nicht gleich von kopieren zu sprechen, was in einer gewissen Art auch so gewünscht ist, denn so haben die etablierten Galerien ihren permanenten Nachschub, der die Kundschaft auch nicht allzu sehr fordert. Es geht eben auch hier immer mehr um die Regeln eines Marktes. Ich sprach eben meine Reise durch Europa an und hier war es sehr interessant festzustellen, dass es scheinbar in ärmeren Ländern ein höheres Maß an Kreativität gibt, als in den reicheren Ländern, denn hier scheint man sich noch auf andere, wesentlichere Faktoren zu konzentrieren. Man sieht, wie wichtig es im Namen der Kultur ist, diesen Kampf anzunehmen und sich wieder mehr auf Inhalte, als auf Material zu konzentrieren. Denn teure Farbe hat noch nie einen wirklich großen Maler ausgemacht.

Kann man von Kunst leben?
Eine Frage, die ich in meinem Leben schon so oft gehört habe, dass ich mittlerweile nur darüber lachen kann, dies gilt natürlich speziell auch in der aktuellen ökonomischen Situation der westlichen Welt. Interessanterweise kommt diese Frage sehr häufig von Menschen, die in den nächsten 20 bis 30 Jahren noch ihre Wohnung bzw. ihr Reiheneckhaus abbezahlen dürfen, da es bis dahin, genauso wie die finanzierte Küche und das finanzierte Auto, 03-mein-auto-meine-schulden.jpgder Bank gehört. Es ist schon interessant, wenn solch Menschen wissen wollen, wie man, wovon leben kann, denn sie hätte ohne Bank oftmals gar nichts. Noch interessanter ist natürlich die Tatsache, dass diese Diskussion immer vor der Auseinandersetzung mit der Kunst kommt, sofern diese überhaupt stattfindet. Enden tun diese Gespräche meist mit großen Lob für die betrachtete Kunst und der Feststellung, dass man in der Wohnung leider keinen Platz mehr hat. Viele Kollegen kommen mit diesen Gesprächen nicht wirklich gut klar, dabei sollte man nie vergessen, dass Kunst und Kultur eigentlich immer eher eine Sache der Berufung, als die eines Berufes sein sollte. Nun gibt es Kollegen, die meinen sie könnten besser vorankommen, wenn sie ihre Werke möglichst preiswert anbieten, was natürlich in einer freien Marktwirtschaft jedem Anbieter einer Ware freigestellt ist und in diesem Fall muss man wohl mehr von Waren, als von Kunst sprechen und man muss auch berücksichtigen, dass hier genauso Märkte zerstört werden, wie es Preiskämpfe in anderen Bereichen der Wirtschaft auch tun. Persönlich vertrete ich die Meinung, dass Menschen, die nur etwas Passendes, für kleines Geld, zum Sofa suchen, bei einer schwedischen Möbelkaufhauskette besser aufgehoben sind, als bei einem Künstler.

Man sollte sich natürlich als Künstler auch die Frage stellen, ob man sich wirklich mit den Schweden auf eine Stufe begeben möchte und wenn, ob man dann noch überzeugt davon sein kann, sich Künstler zu nennen. Es gibt aber auch die andere Seite und auch diese habe ich in meiner künstlerischen Laufbahn oft genug erlebt. 04-herz-blick.jpgEs ist die Rede vom großen Funkeln in den Augen des Betrachters, welches direkt aus dem Herzen kommt und dies ist wesentlich wertvoller als jedes bedruckte Stück Papier der Bundesdruckerei. Nun verhält es sich bei meiner Kunst natürlich auch so, dass sie nicht immer zwingend dekorativ ist, wie man mir immer wieder attestiert und was ich immer wieder gerne als Lob entgegennehme. Ich bin kein Künstler der für Sofas malt, ich habe Botschaften, die ich mit meinen Werken transportieren möchte, wenn diese dann am Ende des Tages noch zu den gestalterischen Wohnungsplänen von irgendwem passen, ist dies natürlich ein positiver Nebeneffekt, den auch ich nicht ablehne. Es gibt natürlich auch großartige Künstler, die mit völliger Überzeugung sehr dekorativ arbeiten und bei denen auch nicht immer eine überschwere Information transportiert werden muss und auch diese Arbeiten schätze ich sehr, da sie eben mit voller Überzeugung geschaffen werden und dies ist natürlich sehr wichtig. Wo ich die größten Probleme mit habe, sind die Menschen, die ihre mangelnde Kreativität versuchen mit möglichst viel, teurem Material und für das was sie machen, völlig überdimensionierten Aktionen, zu übermalen. So zeigt sich, dass steigende Armut in Deutschland im Bereich der Kultur gar nicht so sehr spaltet, sondern eher zu einer Konzentration auf das Wesentlich führt und dies ist doch eine gute Aussicht für den kulturellen Bereich in Deutschland.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter

Schade, bislang hatte noch keiner eine Meinung

Auch Deine Meinung zur Kunst ist wichtig