Art for Europe

Kontinent der Kunst

Sardinien-Die Insel der Kurven und Nattern

Nachdem ich, wie beschrieben, aus der Steiermark und Kärnten zurück war und auch Jonathan Meese in Remagen getroffen hatte, ging es auch schon direkt von meiner Wahlheimat Köln aus weiter nach Sardinien. Aus Zeitgründen nutzten wir auch Mal wieder ein Flugzeug und einen Mietwagen. Der Flug war wieder sehr speziell aber das waren die letzten Flüge eigentlich alle, in sofern werde ich zu diesem Thema irgendwann ein Mal einen eigenen Bericht verfassen. War der Mietwagen, den wir vor einem Jahr in Schottland bekommen hatten noch eine Katastrophe, war das Auto dies Mal genial für die Gegebenheiten die uns erwarten sollten. Wir landeten am frühen Morgen in Olbia, einer im Nordwesten der Insel gelegenen kleinen Stadt. Von hieraus fuhren wir ganz hinauf in den Norden nach Santa Teresa de Gallura, wo wir für die nächsten zwei Wochen ein kleines Häuschen mit Blick auf das Mittelmeer und nach Korsika haben sollten. Man merkt schon im Gegensatz zu meinen Stationen in Österreich, war Britta, die bislang schon an einigen Etappen teilgenommen hat, auch auf dieser Etappe wieder mit dabei. Was uns direkt auf dem Weg von Olbia nach Santa Teresa de Gallura klar wurde, war das es kurvenreichen zwei Wochen werden sollten.

Einfach nur entspannen

Nun reise ich schon seit fast fünf Jahren durch Europa und dokumentiere Kunst und Kultur und ich muss sagen, es gibt wirklich nichts besseres. Allerdings hat all dies mit Urlaub und Entspannen eigentlich gar nichts zu tun und dies sollte mir auf Sardinien auch noch ein Mal sehr deutlich werden. Da war ich nun an der Nordspitze dieser traumhaften Insel, nur knapp über zehn Kilometer von Korsika und damit von Frankreich entfernt. Während ich das erste Mal für einige Photographien am 01-sardinien-bucht-4364.jpgStrand entlang spazierte, wurde mir klar, dass ich seit fast zwanzig Jahren nicht mehr im Mittelmeer war. Gut ein Grund dafür war, dass ich sehr viel Zeit meines Lebens vor diesem Projekt am Atlantik verbracht habe aber ein Grund war auch, dass mir in den letzten fünf Jahren oftmals die Zeit und die Ruhe für so etwas fehlten. Glücklicherweise waren die Ziele auf Sardinien so überschaubar, dass ich ganz spontan entschied, doch auch einen gewissen Teil dieser Etappe zum Erholen und Entspannen zu nutzen. Denn in diesem Jahr stand schon wirklich viel auf dem Programm und mir war klar, dass es auch nach Sardinien rasant weitergehen sollte und somit konnte ich auch die vielen Stunden am Strand und im Meer sehr genießen. Natürlich bedeutet dies jetzt nicht, dass ich in diesem zwei Wochen gar nichts getan hätte, immerhin entstanden auch hier wieder weit über 1.500 Photographien und natürlich sollten wir auch diese Insel noch ein wenig besser kennen lernen.

Santa Teresa de Gallura ist ein kleiner aber wirklich schöner Ort, ganz in der Nordspitze der Insel. Von unserem Haus aus brauchten wir knappe fünf Minuten mit dem Auto, um in den schönen Ortskern zu gelangen. Der Flair der einem hier überall begegnete war wundervoll und natürlich waren wir mehr als nur ein Mal hier und auch dieser Ort bot wieder großartige Motive für meine Arbeit und es gibt wohl nichts schöneres, als bei hochsommerlichen Temperaturen draußen Motive mit der Kamera einzufangen und danach entspannt bei einem Espresso den Menschen am 02-santa-teresa-4598.jpgMarktplatz zu zusehen. Für mich fühlte es sich aber zum Teil schon fast surreal an, denn gerade auch dieser Ort war so bezaubernd, dass man das Gefühl hatte, gar nicht in der Wirklichkeit zu sein. Nun war dies auch mein erster Besuch in Italien im Rahmen dieses Projektes und auch zuvor hatte ich bislang nur zu Beginn dieses Jahrtausends Rom besucht, vielleicht kam dies bei meiner Wahrnehmung noch erschwerend hinzu. Die Menschen die hier leben und mit denen wir natürlich auch immer wieder zu tun hatten, sind sehr hilfsbereit und aus der Tiefe ihres Herzens heraus liebenswürdig, wobei ich natürlich festhalten möchte, dass mir eigentlich kaum unfreundliche Menschen auf meiner bisherigen Reise durch Europa begegnet sind. Nachdem wir nun einige Tage hier oben im Norden verbracht hatten, sollte unsere erste größere Tour anstehen. Unser Ziel war das Künstlerdorf Orgosolo.

Kork und brennende Müllcontainer

Wir starteten voller Spannung erst ein Mal in das gut 90 Kilometer entfernte Tempio Pausania, eine Kleinstadt mit gut 14.000 Einwohner. Aber schon diese 90 Kilometer machten mir klar, dass fahren hier doch anspruchsvoll ist, denn es fühlte sich so an, als würden wir nur Kurven fahren und dies sollte auch bis zum endgültigen Ziel in Orgosolo so bleiben. Tempio Pausania war eine erste große Enttäuschung, denn keiner konnte dieser Stadt etwas abgewinnen, so dass wir uns direkt wieder auf den Weg machten, um zum Lago del Coghinas zu gelangen, einem recht großen Stausee. Mitten auf der riesigen Stahlbrücke, die über diesen Stausee führt, hielt ich an um einige Aufnahmen zu machen, stellte allerdings fest, dass es etwa genauso unspannend war, wie die Landschaft durch die wir bislang gefahren waren. Es fehlte irgendwie die besondere Note. Der Aufenthalt auf dieser Brücke wurde etwas länger als geplant, da uns Hunderte netter 03-lago-del-coghinas-3457.jpgBiker überholten und wir uns erst danach wieder einreihten. Nach diesem witzigen Erlebnis, ging es weiter in Richtung Nuoro. Nuoro hat mit über 35.000 Einwohner noch ein Mal mehr als das doppelte an Einwohner, wie das 140 Kilometer entfernte Tempio Pausania, ist aber auch noch ein Mal etwa doppelt so hässlich. Hatte sich nachdem Lago del Coghinas die Landschaft sehr zum Positiven gewandelt, da wir plötzlich nur noch durch wundervolle Korkwälder fuhren, wo uns auch ständig Nattern, wie aber auch Kühe auf der Fahrbahn begegneten, begrüßte uns Nuoro schon aus der Ferne mit Hochhäusern und Baukränen. Die Beschilderung in dieser Stadt ist einfach nur grausam, sorgt aber dafür, dass man sich länger als gewollt in ihr aufhält, bis man in die richtige Richtung wieder hinausfindet.

Nun steuerten wir die letzten 20 Kilometer, vorbei an weiteren Nattern, aber auch vorbei an brennenden Müllcontainer Mitten im Niemandsland, auf Orgosolo zu. Ein kleines Bergdorf in der Nähe des Gebirgszug Sopramonte, welches ein Mal ein berüchtigtes Banditendorf war und auch bekannt für eine besondere Art des politischen Widerstandes ist. Hier findet man eine große Anzahl an politischen Wandgemälden. Allerdings kam der Flair der von hier ausgehen sollte nicht wirklich rüber. Es sind schöne Wandmalereien vorhanden, gar keine Frage aber man hat das Gefühl, dass der eigentlich 04-orgosolo-3469.jpgSpirit vergangener Jahre und Jahrzehnte diesen Ort verlassen hat. Geblieben ist die Erinnerung an eine gewisse Epoche und natürlich ein touristisch vermarktbares Ziel. Eine Regenfront die sich am Sopramonte einregnete, läutete dann das Ende dieser Etappe ein, denn gesehen hatten wir wirklich genug. Zurück fuhren wir, nachdem wir uns erneut in Nuoro verfahren hatten, von dort aus über eine gut ausgebaute Schnellstrasse nach Olbia und dann zurück nach Santa Teresa de Gallura, denn für die Hinfahrt von gut 250 Kilometern hatten wir fast fünf Stunden gebraucht. Zurück brauchten wir nur noch gut drei Stunden. Froh wieder in unserem Häuschen am Meer zu sein und etwas enttäuscht von Inselinneren, lag trotzdem eine sehr spannende Etappe hinter uns und Highlights, wie zum Beispiel die Westküste und eine ganz besondere Halbinsel sollten noch vor uns liegen aber das erfahrt Ihr im nächsten Teil dieser Reiseberichte.

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