Art for Europe

Kontinent der Kunst

Rosenstolz und die Ehre

Letzte Woche konnte man wieder sehen, wie PR auf höchstem Niveau funktioniert und dies auch im Bereich der Kultur. Es stand einmal mehr die Verleihung der Bambis in Wiesbaden an. Dieser Medienpreis des Burda Verlags ging in diesem Jahr, als Integrationspreis, an den sehr umstrittenen deutschen Popstar Bushido. Der Sänger der immer wieder mit Gewalt, Sexismus und Texten gegen Homosexuelle auffiel, hat sich natürlich geändert, war ein Tenor den man immer wieder hören konnte und da jeder eine zweite Chance verdiene, habe auch er ein Recht diesen Preis zu erhalten. Man muss sich natürlich überlegen, dass man bei Bushido von einer gut aufgestellten und durchdachten Marke spricht und diese wurde mit diesem Preis natürlich hervorragend gefördert. Ob er sich wirklich im Kern geändert hat oder nicht, mag ich nicht beurteilen, da ich ihn persönlich nicht kenne und nur eine gut funktionierende Strategie erkennen kann, die nicht nur ihm hilft. Man muss feststellen, dass dieser Skandal vor allem auch dem Burda Verlag und dem Bambi selbst nutzte, denn lang war man nicht mehr soweit oben in den Schlagzeilen, wie es nun durch die Verleihung dieses Preises der Fall ist. Auch hier scheint man eine gut durchdachte Strategie zu erkennen. Natürlich wurde, nachdem bekannt war, dass Bushido den Preis erhalten sollte, zum Beispiel bei Facebook zum Boykott des Burda Verlags aufgerufen aber dies dürfte im Vergleich der PR, die nun läuft, kaum ins Gewicht fallen. Im Gesamten ist es erschreckend, dass solche Marktregeln, wie man sie aus  dem Bereich der Wirtschaft kennt, mittlerweile schon so sehr im Bereich der Kultur angelangt bzw. etabliert sind.

Halbherzigkeiten von Rosenstolz
Auch Rosenstolz erhielt in diesem Jahr einen Bambi und kritisiert auch gleich auf der Bühne die Preisvergabe an Bushido. Natürlich schwimmt man so gleich auch auf der PR-Welle mit, profitiert also von dem, was man eigentlich kritisiert und dies alles ohne tatsächliche Konsequenzen. Man hätte den Preis ablehnen können oder die Kritik äußern können und den Saal verlassen können. Es hätte viele Möglichkeiten für Rosenstolz gegeben hier ein wirkliches Zeichen zu setzen, dies blieb aber aus, was den Verdacht zulässt, dass man gerne einfach nur ein Teil einer wundervollen Inszenierung war. Bushido nahm all dies übrigens ganz gelassen hin, was natürlich auch verständlich ist, dürfte er doch nach dem Burda Verlag oder viel mehr dem Bambi der zweite ganz große Sieger dieser Veranstaltung gewesen sein, da sich so noch mehr Menschen mit ihm und seinen Produkten auseinandersetzen werden. Er erreicht so Menschen, die er zuvor wahrscheinlich niemals erreicht hätte, was auch wieder ein klares Indiz für perfekte PR ist. Natürlich gilt dies auch für Rosenstolz und es wirkt fast so, als wären danach alle noch hoch zufrieden über einen gelungenen Abend, gemeinsam auf ein paar Kaltgetränke ausgegangen. Es ist eben die große Welt des Entertainments und mit genau solchen Aktionen sinkt natürlich auch jeglicher Anspruch eines kulturellen Hintergrunds. Hier zählt wohl nur noch Unterhaltung und Kommerz, was natürlich in einem gewissen Maß auch ein Spiegelbild der heutigen Gesellschaft ist. Bei all dem war ich dann aber doch noch überrascht, dass es scheinbar Menschen gibt, die all dies wirklich getroffen hat, was natürlich irgendwie auch ein wenig die Frage nach einer gewissen Naivität aufkommen lässt.

Heino ganz konsequent
Es ist über 20 Jahre her, da erhielt der deutsche Volkssänger Heino, den man auch immer wieder in die rechte Ecke stellte, im Jahr 1990 den Bambi. Dieser schmückt nun sein Cafe, wobei man sagen musste, dass er dies tat, denn Heino war so erbost über den Preis für Bushido, dass er seinen Bambi per Post an den Burda Verlag zurückschickte, da er nicht mit einer Person, wie eben Bushido, auf einer Stufe stehen möchte. Natürlich gelten auch hier die Vorwürfe im Rahmen der Mitnutzung der PR-Welle, gerade auch wenn er all dies über die BILD kommuniziert aber es gibt einen maßgeblichen unterschied, er handelt. Ich hätte nie gedacht einmal so über Heino zu schreiben aber es ist schon beachtlich, dass es zum Beispiel Rosenstolz nicht schaffen durch Handlungen zu überzeugen, sondern es dafür erst einen Heino braucht. Im Gesamten muss man wohl festhalten, dass es gerade im Bereich der Kultur sinnvoll wäre die meisten der Menschen, die hier erwähnten wurden, einfach zu ignorieren und sie als reinen Teil des Entertainments anzusehen. Es sagt aber auch viel über den Burda Verlag aus, dass er einen solchen Preis an Bushido vergibt und man kann sich nun überlegen, was schlimmer wäre, dass dies alles nur im Rahmen einer PR-Strategie stattgefunden hat, was natürlich massiv negativ im Kontext der Glaubwürdigkeit der ganzen Veranstaltung zu verbuchen wäre oder der Preis tatsächlich so gemeint war, was dann aus den bekannten Gründen mit Sicherheit auch kein gutes Licht auf den Verlag werfen würde.

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Schade, bislang hatte noch keiner eine Meinung

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