Art for Europe

Kontinent der Kunst

Rauch vor den Toren Kölns

Noch bis zum 30.03.2008 ist, nur einen Steinwurf von Köln entfernt, im Brühler Max Ernst Museum die Ausstellung `Para` von Neo Rauch zu sehen. Meinen ersten Kontakt mit dem Werk des deutschen Ausnahmekünstlers Rauch, hatte ich im Museum der bildenden Künste Leipzig, welches ich während meiner Tour zur Dokumentation von Kunst und Kultur in Europa auch schon einige Male besucht hatte. Von daher bot sich ein Besuch dieser ganz besonderen Werkschau im Rheinland natürlich an. Ich kann nur sagen, dass meine Erwartung in keiner Weise enttäuscht wurden.

Leipzig-New York-Brühl

Der 1960 in Leipzig geborene Künstler, zeigt mit `Para` dreizehn Werke die extra für 01-rauch-totale.jpgdiesen Zyklus entstanden sind. Exklusiv für diese einzige Station nach dem Metropolitan Museum of Art in New York, werden hier sechs weitere aufregende Leihgaben gezeigt. Außerdem gibt es neben den meist großformatigen Werken, acht Kreidelithografien die im Kontext zu Botho Strauß `Der Mittler` stehen. Man sieht in diesen Arbeiten, die natürlich völlig andersartig und dadurch auf den ersten Blick auch etwas fremd für Rauch erscheinen mögen, doch die enge Bindung sowohl zu Rauchs Gesamtwerk, wie auch zu den Kalendergeschichten aus dem Prosaband von Botho Strauß mit dem Titel `Mikado`. Natürlich dominieren in dieser Ausstellung klar die großformatigen Ölgemälde des etwas medienscheuen Künstlers, der mittlerweile auf der ganzen Welt so bekannt ist, dass man sogar in China unter anderem Bilder findet, die denen Rauchs sehr ähnlich sind und als `Original` Neo Rach verkauft werden.

Rauch, der an der Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Arno Rink in Leipzig studierte und später dort auch seine Nachfolge antrat, ist schwer einzuordnen. Wahrscheinlich geht dies noch immer am besten über seinen Vornamen Neo. Denn auch hier sprechen wir von etwas Neuem. Es geht in die Richtung Dalis und ist ihm in einer gewissen Weise doch auch wieder fremd. Die Werke haben allesamt etwas collagenhaftes, was natürlich nicht technisch, sondern inhaltlich zu sehen ist, somit könnte man ihn fast als einen 02-max-ernst-museum.jpgNeo-Motherwell bezeichnen oder man versucht es erst gar nicht mit irgendwelchen künstlerischen Schubladen, sondern belässt es, wie man es hier und da in der Kunst öfters tun sollte, ganz freiheitlich dabei, dass es Neo Rauch ist. Natürlich könnte ich Abhandlungen über jedes der in Brühl präsentierten Werke schreiben, da sie nicht zu letzt auch immer wieder viel Freiraum zum philosophieren bieten. Da dies den Rahmen dieses Artikels gänzlich sprengen würde, möchte ich mich auf einige Höhepunkte dieser Ausstellung beschränken. Es sei der Ordnung halber erwähnt, dass dies natürlich meine Ausstellungshöhepunkt sind aber Eure eigenen könnt Ihr bis zum 30.03.2008 im Max Ernst Museum in Brühl selber erfahren.

Von Bomben und Fischfleisch

In `Vorort` von 2007, eines dieser großen Ölgemälde, sieht man die Menschen (Menschheit), wie sie mit Farbenwehenden Fahnen gegen eine Eintönigkeit, die Stück für 03-rauch-vorort.jpgStück alles aufzufressen scheint, kämpfen. Dabei scheint das schlimmste noch bevorzustehen, denn die alles bedrohende Bombe liegt kalt, wartend darauf zu zuschlagen im Bild. Das größte Bild der Ausstellung `Die Fuge` ebenfalls von 2007 zeigt Rauchs Können komprimiert auf ein Werk und dies ohne das es komprimiert wirkt. Ein wahrhaftiges Meisterwerk. Der in Ketten gelegte Mensch fällt einem als bald ins Auge ohne das man weiß, ob er aus der Erde kommt und in Ketten entsteht oder von ihr aufgesogen quasi vernichtet wird, aber somit auch von den Ketten erlöst würde. Da sind die siamesischen Zwillinge deren Farbgebung der Trikolore sehr nahe kommt. Ein weiterer Bezug zu Frankreich ergibt sich dadurch, dass ihre Gesamtform, wie der Grundriss unseres Nachbarlands anmutet. Wer meint, dass dies schon Fragestellungen genug für ein Werk seien, wird sehr schnell eines besseren belehrt. Denn was macht der Fisch unter dem Fleischteller und wie will eine Feuerwehr ganz ohne Wasser den bedrohlich, kurz vorm Ausbruch anmutenden Vulkan löschen? Viele Fragen die dieses Werk aufwirft und die Antwort ist das Werk selbst in seiner Gesamtheit.

Sehr spannend ist auch das Werk `Das Unreine` von 2004. Denn hier scheint das Unreine etwas klar in einem Bild im Bild definiertes zu sein. Es wirkt wie sauber sezierte und in 04-rauch-unreine.jpgeinem Bild verewigte innere Organe. Dies passt auch wieder zur Umgebung, die einem Monsterschlachthaus bzw. der Küche eines Gasthofs der komischen Speisen zugehörig scheint. Man muss dazu erklären das Monster, Fabelwesen, Menschtierverbindungen, wie sie auch sehr gut im Werk `Puls` von 2005, wo eine Ratte gar ganz mit dem Bild zu verschmelzen scheint, einen genauso großen wiederkehrenden Bildfaktor darstellt, wie das Andreaskreuz. Zurück zu `Das Unreine`, neben der gerade beschriebenen Szenerie fällt umgehend der rechte Bildbereich auf, wo oben auf einer Treppe zwei traurige, gar schwermütige Kinder sitzen und die Szenerie, die scheinbar erst durch die die Treppe hinunterlaufende Farbe entsteht, betrachten. Wird hier ein trauriger Kindheitstraum real? `Die Flamme` auch von 2007 ist ein ganz winziges Detail in dieser Leinwandarbeit aber ein sehr bedeutendes. Bin ich gebürtiger Rheinländer und war niemals in der DDR, so stammt Neo Rauch aus Leipzig und damit aus der DDR und er ist seiner Heimat sehr verbunden. Dies zeigt diese winzige Flamme. Denn wer ein Mal nach Bitterfeld, ganz in der Nähe von Leipzig kommt, sollte auf den Bitterfelder Bogen steigen und in Richtung Stadt sehen und sich dann 20 bis 30 Jahre zurückversetzt fühlen. Dann versteht man wohl die Gefangenschaft des Künstlers in seinem Werk. Was sehr schön durch das fixiert sein an ein, aus dem Farbkasten entspringendes, Andreaskreuz aus Brettern zu erkennen ist.

Para

Natürlich kann ich diesen Artikel nicht beenden ohne über das Werk, welches dem Zyklus seinen Namen gab und das zweitgrößte Werk dieser Ausstellung darstellt, auch wenn 05-rauch-para.jpgsolche Fakten eigentlich im Gesamtkontext dieser Ausstellung völlig bedeutungslos sind, geschrieben zu haben. `Para` zeigt zwei Musiker die in der Grundform, des eben angesprochenen Andreaskreuzes, voneinander abgewandt, doch eine Art Einigkeit ergeben. Diese scheinbare im Bild dargestellte Multiple Persönlichkeitsstörung, die auch noch ein Mal durch die völlig unterschiedlichen Instrumente mit denen sie sich jeweils beschäftigen, dargestellt wird, begeistert einfach nur. Sie scheinen neben einer verschlossenen Bühne zu stehen und ihnen gegenüber eines dieser Fabelwesen, eine Art geflügelte Echse, die über einen Amboss auf dem ein Hammer steht, scheinbar bereit um eine neue Welt zu schmieden, wacht und sich dabei wohl `Para`, diese viel sagende altgriechische Präposition durch den Kopf gehen lässt, die eben so vielfach einsetzbar ist, wie es Verknüpfungsmöglichkeiten der hier gezeigten Werke bzw. Werkbestandteile gibt.

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Schade, bislang hatte noch keiner eine Meinung

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