Art for Europe

Kontinent der Kunst

Prag vs. Budapest – Der ultimative Städtevergleich

Wie fleißige Leser dieser Dokumentation wissen, war ich vor nicht allzu langer Zeit in Budapest und hatte dort eine beeindruckende und tolle Zeit. Es war wohl wieder ein Hinweis darauf, dass ich wohl doch ein Fable für den Osten dieses Kontinents habe. Dies bestätigte mir zu letzt auch noch ein Musiker, mit dem ich mich wegen einer Projektbesprechung in Köln getroffen hatte. Natürlich beginnt man sich nach solchen Feststellungen so seine Gedanken zu machen. Schwärme ich wirklich so viel für den Osten? Einige Zeit später traf ich mich mit einer befreundeten Künstlerin, Natascha Sonnenschein und wir kamen auch wieder auf dieses Thema und ich kam zu der Feststellung, dass mein Herz wohl irgendwo im Osten Europas schlägt, allerdings meine Seele wohl irgendwo im Süden pocht. Denn die Strände Frankreichs und Spaniens sind für mich auch elementar. Dies liegt daran, dass ich das Meer, das Wasser und die Sonne brauche. Ich bin eben ein Reisender zwischen den Welten. All diese philosophischen Auseinandersetzungen machte mir aber auch klar, dass ich noch den ultimativen Städtevergleich zwischen Prag und Budapest schreiben wollte, da diese Städte, die ich beide schon während meiner Tour besuchte, einiges gemeinsam haben. Und hier ist er nun, der ultimative Städtevergleich zwischen Prag und Budapest.

Zwei Hauptstädte im Vergleich

Prag ist die Hauptstadt der Tschechischen Republik und hat etwas mehr als 1,2 Millionen Einwohner und liegt an der Moldau. Eines, wenn nicht 01-prag-totale.jpgdas Wahrzeichen der Stadt ist die Karlsbrücke mit ihren Plastiken. Sie zählt zu einer der ältesten Steinbrücken in ganz Europa. Außer dieser Brücke, verbinden weitere 14 Brücken die Stadt. Damals reiste ich mit dem Zug von Bremen über Hamburg und Dresden an und hatte, wie so oft wahnsinniges Glück mit der Unterkunft. Das von mir gebuchte Hostel war ausgebucht aber der tschechische Buchungsservice war so nett, mich in ein etwa 60 qm großes Dachapartment, direkt in der Altstadt an der Karlsbrücke zu buchen und dies für einen minimalsten Mehrpreis. Natürlich war diese Lage perfekt, auch wenn man in dieser Stadt so oder so alles problemlos mit der Metro erreichen kann. Hier gibt es, genau wie in Budapest, diese für den Osten so typischen Metros, die man nur über ultrasteile und schnelle Rolltreppen erreicht und in der Bahn selbst immer einen Geschwindigkeitsrausch bekommt. Zu letzt in Budapest hatte ich allerdings das Gefühl, dass die Bahnen nicht mehr ganz so schnell, wie noch damals kurz nachdem Mauerfall, als ich das erste Mal in der Stadt war, fuhren. Dafür muss man erwähnen, dass die Metro von Budapest die zweitälteste nach der in London ist. Nun gut, verlassen wir an dieser Stelle die Metro und befassen uns mit der ungarischen Hauptstadt. Sie hat etwa 1,7 Millionen Einwohner und ist somit die neuntgrößte Stadt innerhalb der EU. Sie wird, wie auch Prag, von einem großen europäischen Strom geteilt und zwar von der Donau, verbunden wird sie durch sieben Brücken und auch hier gilt, genau wie in Prag, dass die bekannteste, die 02-budapest-totale.jpgKettenbrücken, neben dem Parlament, der Fischerbastei und der alten Markthalle, zu einem Wahrzeichen der Stadt gehört. Man sieht schon recht schnell, dass diese beiden bedeutenden europäischen Hauptstädte einige Gemeinsamkeiten haben. Dies gilt übrigens auch für den Bereich der Unterkunft, denn auch in Budapest war das Glück, wie so oft auf dieser Reise, die nun schon seit 2004 andauert, auf meiner Seite. In Budapest hatte ich ein Hostel direkt in der Innenstadt zwischen der Haupteinkaufsstraße und dem Parlament. Auch dies war ein richtiges  Schnäppchen. Bis hierher muss man wohl sagen, hat in diesem ultimativen Vergleich keiner die Nase vorne, denn Prag hat mehr Brücken, dafür hat Budapest mehr Einwohner, also erst ein Mal Gleichstand.

Brücken und Altstädte

Wo wir gerade von Brücken sprechen, ist dies natürlich auch ein spannender Punkt, um diese beiden Städte zu vergleichen. Da ist die Karlsbrücke mit ihren bewundernswerten 30 Plastiken, die allerdings nicht alle Originale sind, denn seit 1965 03-prag-karlsbruecke.jpgwerden sie nach und nach gegen Kopien ausgetauscht und man findet die Originale im Nationalmuseum. Sie ist 516 Meter lang und Baubeginn war im Jahr 1357. Wesentlich jünger ist da die Kettenbrücke in Budapest, die erst 1849 eingeweiht wurde, allerdings war sie damals die erste Donaubrücke unterhalb von Regensburg. Diese Brücke über die Donau ist im Vergleich nur 375 Meter lang. Wenn man den Vergleich der Brückenlängen ein Mal außen vorlässt, geht dieser Vergleich wohl unentschieden aus. Den tagsüber ist die Karlsbrücke mit ihren Plastiken in jedem Fall die interessantere, auch wenn man sich auf ihr teilweise wie in einem Freizeitpark fühlt. Nachts geht allerdings nichts über dieses Wunderwerk der Beleuchtung namens Kettenbrücke. Ein purer, schlichter, romantischer Traum im Osten Europas. Aber es soll hier nicht nur um die Brücken gehen, immerhin reden wir hier auch von zwei großartigen europäischen Altstädten. Bei Prag denken wir natürlich unweigerlich direkt an die Prager Burg, die über der Stadt thront und die man unbedingt besuchen sollte aber es gibt noch mehr zu sehen, wie zum Beispiel den jüdischen Friedhof, der mit seinen über 10.000 Gräbern wohl der bekannteste in ganz Europa ist und eben in der Altstadt und zwar im jüdischen Viertel Josefov liegt. Hier sei angemerkt, dass man mir, trotz eines Hinweises auf meine Dokumentation über Kunst und Kultur in Europa, das fotografieren untersagte, was mich doch ziemlich enttäuschte. Gerade für Leute, die sich ein eigenes Fotoalbum von Ihrem Urlaub erstellen wollen ist das mehr als ärgerlich. Ansonsten gilt für die Altstadt in Prag, dass man dort hervorragend, sehr lecker und preiswert Essen gehen 04-budapest-kettenbrucke.jpgkann. Und Budapest? Für mich persönlich ist das absolute Highlight der Altstadt die Fischerbastei. Mein Problem ist, ich kann diesen magischen Ort, oberhalb der Stadt mit Blick auf das Parlament, nicht wirklich treffend mit Worten beschreiben, auch wenn ich es immer wieder versuche. Es war, ist und bleibt ein ganz, ganz emotionaler Ort in Europa, an dem ich immer wieder ganz tiefe Gefühle entwickle. Von daher zählt dieser Ort auch unbedingt zu einem der Orte, die man in Europa unbedingt besucht haben sollte. Ansonsten gilt auch hier, dass man gut und preiswert von süß bis herzhaft Essen gehen kann. Man sieht schon, auch der Vergleich der Altstädte geht unentschieden aus, denn man kann beide, mit ihren ureigensten Highlights, nur empfehlen.

Kunst und Kultur

Ganz zum Schluss der wohl entscheidendste Vergleich im Kontext zu diesem Projekt, der natürlich im Bereich der Kunst und Kultur liegt. Richtig, beide europäische Städte verfügen über eine angemessene Anzahl bedeutender Kunstsammlungen in Form verschiedenster Museen, dessen Aufzählung hier definitiv den Rahmen sprengen würde, deshalb widmen wir uns etwas mehr der 05-prag-kunst.jpgKunst, die nicht zwingend soviel dazu beiträgt, wie sich eine Stadt nach außen präsentiert, die aber in der Tiefe zeigt, wie stark der Bezug zur Gegenwartskunst ist. Wenn man dieses Kriterium, weg vom Mainstream, ansetzt, ergeben sich im europäischen Vergleich übrigens ganz neue Rankings in diesem Kontext, in denen dann zum Beispiel auch Städte, wie die slowenische Hauptstadt Ljubljana ganz weit vorne liegen. An dieser Stelle muss ich wohl klar einräumen, dass Prag hier weit vor Budapest liegt. Richtig, auch Prag ist nicht mehr das Eldorado für junge, preiswerte Kunst in Europa, wie es noch vor einigen Jahren der Fall war, man hat sich schon etwas etabliert, was Vorteile aber auch Nachteile mit sich bringt. Ich fand aber auch weiterhin geniale Galerien in Prag, wie zum Beispiel die Galerie La femme, dessen Besuch sich nicht nur für Frauen lohnt. Ein weiteres Highlight war in jedem Fall der Besuch der Galerie Interart Gallery Gor, die mich auch sehr überzeugte. Aber es gab auch Locations die man entspannt besuchen konnte, um einfach bei einem leckeren Glas Wein Kunst und eine Kleinigkeit zum Essen zu genießen, wie das Krasny Ztraty. Genau diese Locations fehlten mir allerdings etwas in Budapest. Natürlich fühlte man auch dort, wie in jeder europäischen Millionenstadt, einen gewissen kulturellen Wuchs von unten her, allerdings präsentierte er sich in dieser Stadt nicht so klar und zugänglich, wie eben in Prag. Dafür gibt es natürlich in Budapest oder besser gesagt etwas vor den Toren der Stadt, den Memento-Park und dieser ist ein Wahnsinnspark kommunistischer Skulpturenkunst. Er beeindruckte mich sowohl aus einem historischen Aspekt heraus sehr massiv, wie natürlich auch 06-budapest-memento-park.jpgkünstlerisch. Dies zeigte sich nicht nur in der Form, dass ich diesem Park einen eigenen Bericht widmete. Hier wird nicht nur Geschichte festgehalten, sondern auch eine ganz eigene Kunstform archiviert. Wie man nun sehr schön sieht, gibt es auch im Bereich der Kunst und Kultur keinen klaren Sieger, im ultimativen Städtevergleich zwischen Prag und Budapest. Ich muss mich jetzt wohl bei all den Menschen entschuldigen, die hier nach einem Entscheidungsgrund gesucht haben aber den gibt es nicht. Beide Städte sind einfach empfehlenswert und wer sich entscheiden muss, sollte in jedem Fall die Stadt, die er nicht als erstes besucht, als zweites in seine Reiseplanung einbauen, denn es lohnen sich beide Städte gleichermaßen.

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Bislang ein Kommentar

  1. 19. Juni 2012

    | 11:10

    [...] bei 7,9 Grad liegt. Die Sommer sind dabei eher mild und die Winter recht kühl. In Prag beträgt die Jahresniederschlagssumme rund 500 [...]

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