Art for Europe

Kontinent der Kunst

Portugal – Kriminell gut!

Nachdem im letzten Teil meiner Reiseberichte über den Besuch in Portugal die Fakten abgearbeitet wurden, die nicht wirklich so rosig waren, beginne ich jetzt damit zu erklären, warum dieses Land so kriminell gut ist. Bleiben wir direkt einmal beim Thema kriminell, denn darum wird es hier im Schwerpunkt gehen. Es geht um Drogen, um Diebinnen und auch um den Tod und dies alles ist bitte mit einem gewissen Augenzwinkern zu verstehen. Kriminell preiswert kann man in Lissabon vor allem auch richtig lecker essen und trinken. Dieser Fakt wurde uns schon bei der ersten Rechnung in einem Cafe klar, wo wir für vier Kaffees etwa soviel bezahlt haben, wie wir in Deutschland für einen bezahlt hätten. Glücklicherweise gab es, genau wie schon ein Jahr zuvor in Budapest, auch hier direkt unterhalb unseres Hotels eine Mischung aus Bistro und Cafe, wo man glücklicherweise auch noch rauchen dürfte. Dies hatte zur Folge, dass wir doch den ein oder anderen Abend hier verbrachten. Rotwein war hier unschlagbar preiswert und ein Brandy war, dem Eichstrich nach zu urteilen, eigentlich ein vierfacher. Aber auf diesem Gebiet hatte die Stadt noch viel mehr zu bieten.

Totes Fleisch

Wer sich meine Rezepte einmal etwas genauer ansieht, wird feststellen, dass ich von zwei Dingen nicht genug bekommen kann. Es ist die Rede von Fleisch und Knoblauch, alles andere würde hier auch wirklich nicht hingehören. So kam es, dass 01-hbg-hrc-cimg0118.jpgwir in einem Restaurant waren, welches sich als ebenfalls kriminell gut oder einfach gesagt genial erweisen sollte. Auch wenn ich ein wenig spanisch spreche, muss ich einräumen, dass ich mit dem portugiesischen, rein sprachlich gesehen, so gar nicht klar kam, was einen Restaurantbesuch gleich wesentlich spannender werden lässt. Eigentlich kommt man in Lissabon, wie fast überall, mit der englischen Sprache durch aber in diesem Restaurant war dem nicht so. Wir bekamen einen Zettel in die Hand gedrückt  auf dem irgendetwas stand und wurden zu unseren Plätzen gebracht. Ein Kellner nahm die Getränkebestellungen auf und zeigte uns den Weg zum Buffet. Das war ganz nett, es gab Pommes Frites, Nudeln und Reis, außerdem gab es Berge an Grünzeug, wie ich Gemüse und Salatbestandteil immer gerne nenne aber es gab dort kein bisschen Fleisch. Hatten wir in diesem Fleisch-und Fischland einen schwerwiegenden Fehler begangen und waren in einem vegetarischen Restaurant gelandet? Nein! Natürlich hatten wir Glück und dem war nicht so aber dies sollten wir erst feststellen, als wir mit den Beilagen auf dem Teller wieder zurück am Tisch waren.

Kaum saßen wir wieder, kam auch schon der erste von vielen netten Herren vorbei, die in der einen Hand ein über ein Meter langes Schwert hielten und in der anderen ein riesiges scharfes Messer. Nun wurde die Schwertspitze auf den Teller gewuchtet und ein wenig Fleisch auf selbigen geschnitten. Dieser Vorgang wiederholte sich ständig, bis man nicht mehr konnte und das alles für unter 10 Euro pro Person. Es sei noch erwähnt, dass man natürlich oftmals auch gar nicht wusste, was man da eigentlich isst, da alles auf den Schwertern vorher, wie man es von einem Dönerspieß her kennt, gebraten bzw. gegrillt wird, hier allerdings über dem offenen Feuer. Also, wenn ihr irgendwo Menschen mit großen Schwertern und scharfen Messern seht, keine Angst, einfach ausprobieren, es lohnt sich in jedem Fall. Gutes Essen ist in dieser Stadt auch 02-diebinnen-6425.jpgwichtig, denn irgendwie geht es hier ständig irgendwelche Hänge rauf oder runter. Dieses Schicksal stand uns auch bevor als wir den Markt der Diebinnen besuchten. Ein traditionell an Samstagen und Dienstagen im Schatten des Panteao Nacional stattfindender Trödelmarkt im Stadtteil Santa Apólonia. Den Namen hat der Trödelmarkt übrigens daher, dass hier wohl in vergangenen Zeiten nur Diebesgut angeboten wurde, mittlerweile ist dieser Anteil aber wohl im erheblichen Maße gesunken. Trotzdem ist es ein genialer Trödelmarkt bei dem man ständig meint das Ende erreicht zu haben, um dann festzustellen, dass er doch noch weitergeht.

Die Drogen und der Tod

Was mir in der Innenstadt Lissabons massiv auffiel aber zum Beispiel auf dem gerade genannten Trödelmarkt gar keine Rolle spielte, waren Drogendealer. Ich weiß nicht wie viele Zehntausende Kilometer ich mittlerweile auf diesem Kontinent hinter mich gebracht habe aber in keiner europäischen Metropole war die Dichte an Drogendealern offensichtlich so massiv wie hier. Alle paar Schritte wurde ich angequatscht, ob ich etwas für meine Bronchien oder die Nase bräuchte und wie gesagt, wir reden hier nicht von klassischen Apothekern. Ich muss aber auch einräumen, dass dies kaum nervend war, denn mit einem einfachen Kopfschütteln oder ähnlichem waren diese Menschen auch schon wieder verschwunden. Am Rande sei noch erwähnt, dass sie sich wirklich durch nichts aus der Ruhe bringen ließen, selbst als wir zufällig auf eine 04-friedhof-lisboa-2-6639.jpgPolizeistreife zu gingen, reichte es noch, um uns gut zwei Meter vorher etwas anzubieten. Auch dies war in jedem Fall eine Erfahrung. Eine Erfahrung der ganz anderen Art war der Friedhof Cemiterio do Sao Joao. Bei diesem Thema sei erwähnt, dass ich mich schon seit ewigen Zeiten, also lange bevor dieses Projekt seinen Lauf nahm, mit Friedhöfen in Europa als Ausdrucksform der jeweiligen Kulturen beschäftigte und so natürlich auch ständig auf der Suche nach interessanten und bedeutenden Friedhöfen bin. Außerdem finde ich hier auch immer wieder Motive für meine Kunst in diesem Kontext, die mit zu meinen erfolgreichsten Bereichen zählt.

Der Cemiterio do Sao Joao ist der größte Friedhof in Lissabon und erstreckt sich gleich über mehrere Stadtteile. Von der Art her war er nichts wirklich Neues für mich, da ich diese Art südeuropäischer Friedhöfe, auf denen es eigentlich kaum Gräber gibt, wie man sie hier in Deutschland kennt, schon öfters besucht hatte aber trotzdem sind es auch hier die spannenden Details, die landesspezifischen Merkmale, die einen Besuch so interessant machten. Glücklicherweise hatte ich bei diesem Shooting, an diesem ganz besonderen Ort, auch noch Glück mit dem Wetter, so dass grandiose Aufnahmen entstanden, die im Moment auch schon bearbeitet werden. Insgesamt entstanden auf dieser Etappe in Lissabon und Umgebung gerade einmal etwas mehr als 1.000 Photographien, was für meine Verhältnisse wirklich wenig ist aber die auf diesem Friedhof entstandenen Photographien zählen mit Sicherheit zu den Highlights dieser Reise. Was auch noch sehr beeindruckend war, war das man 03-friedhof-lisboa-1-6543.jpgin viele der Grüften hineinschauen konnte und dort eine große Anzahl der Särge verwittert waren, was zur Folge hatte, dass man doch etwas genauer hinsah. Aber genau diese Verwitterungsprozesse sind wohl mit einkalkuliert, da die Särge von innen mit Metall ausgeschlagen sind. Dies bedeutet, dass man nicht auf die Überreste der Toten schaute, sondern einen Metallkasten erahnen konnte. Auch wenn es noch andere Highlights, über die ich schon bald schreiben werde, gerade auch im Kontext meiner photographischen Arbeit gab, wo mir das Wetter leider einen Strich durch die Rechnung machte, war ich doch sehr froh, dass an diesem ganz besonderen Ort das Wetter so kriminell gut mitgespielt hatte.

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Bisher 4 Kommetare

  1. 9. März 2010

    | 13:26

    Portugal – Kriminell gut!…

    Viele spannende Highlights beschreibt der Künstler und Wahlkölner Thorsten Hülsberg in diesem Tei…

  2. 21. Juni 2010

    | 14:09

    [...] Portugal oder genauer gesagt die Portugiesische Republik vertritt bei der Fußball-weltmeisterschaft 2010 in Südafrika in dieser Gruppe G den europäischen Kontinent , wo es gegen Brasilien, Nordkorea und die Elfenbeinküste antreten muss. Das Land hat eine Fläche von 92.090 Quadratkilometer inklusive der autonomen Regionen Madeira und Azoren. Die Hauptstadt ist Lissabon und hier leben gut 500.000 der etwas mehr als 10 Millionen Einwohner. Portugal hat nicht nur den westlichsten Punkt der iberischen Halbinsel, sondern gleich auch noch den westlichsten Punkt, wenn man sich auf das europäische Festland bezieht. Das Klima, auf das Kernland bezogen, ist mediterran bzw. atlantisch geprägt und trägt natürlich auch viel dazu bei, dass Portugal neben einem großen Fußballland, natürlich auch ein touristisch sehr beliebtes Ziel ist. Bei der WM 2010 in Südafrika spielen sie in der Vorrunde in Kapstadt, Port Elisabeth und Durban. Artikel bookmarken Hide Sites $$(‘div.d481′).each( function(e) { e.visualEffect(‘slide_up’,{duration:0.5}) }); 21. Juni 2010 Kategorie: Länderinfo, WM 2010 Südafrika Noch nicht angepfiffen [...]

  3. 30. Juni 2010

    | 07:33

    [...] war. Das 1:0, welches auch der Endstand war, passte schon. Man darf nicht vergessen, dass Portugal im Turnier nur ein Highlight mit dem 7:0 gegen Nordkorea zu bieten hatte. Nun ist zwei Tage [...]

  4. 5. Dezember 2011

    | 00:06

    [...] erwischt hatte und die Jungs unter Joachim Löw gegen die Teams aus den Niederlanden, Portugal und Dänemark im nächsten Sommer antreten müssen. Man wurde bei dieser Auslosung oder [...]

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