Art for Europe

Kontinent der Kunst

OHRkunst 2010

Ein neues Jahr hat begonnen aber es ist noch viel mehr, denn wir reden über ein weiteres, neues, spannendes Jahrzehnt. Es ist nun schon das zweite Jahrzehnt in dem ich meiner Berufung als Künstler folge und ich kann nur sagen es fühlt sich noch immer so gut wie am ersten Tag an. Mir macht es vor allem auch riesige Freude zu sehen, wie sich das Leben und vor allem natürlich auch die Kunst immer weiterentwickelt und genau dieser Prozesse wird auch immer wieder durch neue künstlerische Projekte forciert. Über eines dieser Projekte, welches noch kurz vor Toresschluss 2009 seinen Anfang nahm, möchte ich nun hier berichten. Die Idee zu diesem Projekt hatte ich gemeinsam mit der Künstlerin Natascha Sonnenschein während der Präsentation meines letzten großen Kunstprojektes (Das postdemokratische Konjunkturpaket III) im abgelaufenen Jahrzehnt. Auslöser all dessen war mein Ohr. Natürlich geht es bei diesem Projekt aber um weit mehr als nur um mein Ohr.

Das Ohr

Ich habe an meinem linken Ohr eine wuchernde Hautstelle, die wohl gesundheitlich erst einmal unbedenklich ist aber trotzdem operativ entfernt werden muss. Da ich gesundheitlich im letzten Jahr so oder so nicht so ganz auf der Höhe war, war dies natürlich ein weiteres Indiz dafür, wie sehr der Zahn der Zeit auch an mir nagt. Durch 01-ich-1020013.JPGdiese Gedankengänge gelangt man natürlich über Kurz oder Lang auch an das elementare Thema Tod. Dies wiederum ist ein Thema zu dem ich eine ganz eigene Beziehung habe, denn in meiner Welt steht fest, dass der Tag des Ablebens vom Moment der Geburt an punktgenau manifestiert ist und der Mensch auf ihn auch keinerlei Einfluss hat. In meinem Fall könnte dieser Zeitpunkt jetzt sein während ich diese Zeilen tippe, es könnte aber auch erst mit 104 Jahren soweit sein. Dies ist einer der Punkte, die das Leben so spannend machen. Außerdem ist es natürlich auch eine positive Triebfeder jede Minute bestens zu nutzen, denn letztendlich könnte es die letzte sein. Im ersten Augenblick klingt dies alles sehr morbide, dem ist allerdings gar nicht so, denn es geht eigentlich viel mehr um das daraus resultierende, positive Leben, als um den Tod am Ende einer spannenden Reise. Natürlich entsteht hier auf Grund des Themas eine sehr elementare Werkreihe auf die ich mich, genauso wie Natascha Sonnenschein, schon sehr freue.

Während ich mich neben der abstrakten Malerei und der klassischen Photographie auch immer wieder gerne mit digitaler Kunst, die meistens auf von mir gemachten Photographien basiert, beschäftige, arbeitet Natascha Sonnenschein in der Hauptsache mit Scanographien. Diese Technik bietet ihr immer wieder die Möglichkeit ihre 02-ohr-1010912.JPGreal existierende Umwelt in die digitale Welt zu ziehen, um dort ganz neue Welten entstehen zu lassen, in denen Dinge entstehen die plötzlich einen ganz neuen Fokus bieten. Ist dieser Prozess abgeschlossen, gibt sie diese neuen Welten in Form ihrer Kunstwerke wieder in die reale Welt zurück. Dieser wahrlich alchemistisch anmutende Prozess gepaart mit dem gerade beschriebenen Thema bietet natürlich unendlich viele Möglichkeiten. Da ich nicht nur ein begeisterter Fan ihrer Arbeiten bin, sondern wir auch noch andere Interessen, wie zum Beispiel die Kunst von Jonathan Meese, teilen, stand natürlich von beiden Seiten her recht schnell fest, dass dies eine spannende und bestimmt auch fruchtbare Projektbasis bietet. Da ich nun in den nächsten Wochen allerdings mein Ohr operieren lassen möchte, war natürlich ein gewisser Zeitdruck vorhanden, um das `Rohmaterial` festzuhalten. Hierfür unterbrach ich sogar meinen ansonsten heiligen Urlaub zum Jahresende und machte mich auf in den Rheinauhafen, wo man Natascha Sonnenschein im Kunsthaus Rhenania in ihrem wundervollen Turmatelier findet.

Mein Wurmloch

So trafen wir uns also kurz vor Jahresende für eine ausgiebige Session, während der mein Ohr mit den verschiedensten Werkzeugen von Kamera bis Scanner aber auch mit vielen Accessoires festgehalten wurde und 03-ohrnah-1010884.JPGsomit der Weg dafür frei wurde, dass sich nun Ärzte um das Wurmloch, wie es Natascha Sonnenschein liebevoll nennt, kümmern können. Bei der Durchsicht der Ergebnisse wurde schon bald klar, dass hier doch im wahrsten Sinne des Wortes etwas Großes heranwächst. Was dies sein wird? Wie und wann es umgesetzt wird? All dies sind Fragen auf die es wohl noch im Jahr 2010 eine Antwort geben wird. Jeder von uns beiden hat nun dieses Rohmaterial und wird sich damit in seiner ganz eigenen künstlerischen und kreativen Art und Weise auseinandersetzen. Hierbei gibt es natürlich in der Bandbreite dessen, wie man das Thema behandelt aber natürlich auch, wie es jeder für sich umsetzt, keine Grenzen. Das Treffen im Turmatelier im Kunsthaus Rhenania in Köln wird auch mit Sicherheit nicht das letzte dieser Art gewesen sein. Da wir uns auch in der Art des Arbeitens sehr ähnlich sind, gibt es in diesem Augenblick auch noch keinen detaillierten Fahrplan, wann nun der nächste Schritt gegangen wird. Feststeht nur, dass wir beide Werke entstehen lassen werden, die dann irgendwann, irgendwo zwischen New York und Köln gemeinsam präsentiert werden sollen.

Man merkt schon an diesen Zeilen, dass zwei Aspekte bei diesem Projekt sehr wichtig sind, die Ruhe aber auch die Freude und Begeisterung. Natürlich kommt zu alldem auch noch ein gehöriger Schuss Spaß. Spaß hatten wir auch 04-wir-1020049.JPGschon ohne Ende beim ersten Treffen für dieses Projekt aber es war auch sehr schön festzustellen, dass neben der Freude auch die Ernsthaftigkeit, die ein solches Projekt einfach benötigt, vorhanden war. Man muss auch berücksichtigen, dass wir beide niemals zuvor zusammengearbeitet hatten und sich natürlich immer die Frage stellt, ob dies überhaupt funktioniert und man kann schon nachdem ersten Termin sagen, dass es sehr gut funktioniert. Natascha Sonnenschein betrachtete mich während dieser Session als eine Sache, als ein Objekt und dies ist natürlich wichtig, wenn es darum geht `Rohmaterial` für ein solches Projekt zu schaffen, schließlich verschwindet ein Teil meines Körpers nun in der digitalen Welt und wird diese als etwas völlig anderes wieder verlassen. Natürlich ist Emotionalität auch ein wichtiger Punkt in den Arbeiten, die wir beide entstehen lassen werden aber diese entsteht vor allem auch im Kopf des Betrachters, so dass das `Rohmaterial` nicht zwingend über diese verfügen muss. Natürlich werden wir beide in den verschiedensten Arten die Werke auch so gestalten, dass gewisse Emotionen später beim Betrachter freigesetzt werden, denn auch dies ist ein Ziel dieses Projektes. Man sieht allein schon dieses Projekt verspricht viel Spannung für 2010 und natürlich wird Natascha Sonnenschein, wie auch ich, noch auf vielen anderen Wegen künstlerisch aktiv sein.

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