Art for Europe

Kontinent der Kunst

Nächte in der Zelle

Wie in den `Einführenden Worten` bereits beschrieben, ergab sich Schicksalhaftes für mich, als ich in Rosenbach in Österreich, den Zug nach Ljubljana in Slowenien nahm. Kaum hatte ich es mir wieder gemütlich gemacht, in voller Vorfreude noch etwas Ruhe im Zug genießen zu können, stieg eine junge Frau hinzu. Erst Mal war ich etwas genervt von der Situation aber als ich raus hatte, dass die Welt ein Dorf ist, da sie eine Zeitung meiner Heimatstadt dabei hatte, was daran lag, dass sie gerade von dort kam, war alles wieder gut. Denn sie war nicht nur dort geboren, sondern hatte dort, genau wie ich, ihr Abitur gemacht. Wir hatten viel zu erzählen bis wir unser gemeinsames Ziel Ljubljana, die Hauptstadt Sloweniens, erreicht hatten.

Laibach

Man muss dazusagen, dass Inka in Ljubljana studierte und es außerdem die Partnerstadt unser beider Geburtsstadt ist. Dieser glücklichen Fügung des Schicksals verdankte ich nicht nur eines der besten Hostels der Tour, das `Celica`, sondern auch eine abendliche celica-ljubljana.jpgEinführung in die Geheimnisse der Stadt. Das `Celica`, wie der Name verrät, wenn man der Sprache mächtig ist, ist ein Hostel in einem ehemaligen Gefängnis und somit verbrachte ich einige Nächte in der Zelle. Mit Inka verabredete ich mich für einige Tage später, leider fand aber, zu mindestens für diesen Abschnitt der Tour, kein weiteres Treffen mehr statt, da wir uns verpassten. Ich hatte nun gut einen Tag dem Wetter voraus, dies bedeutete ich hatte einen Tag Regen, bevor der Schnee mich wieder eingeholt hatte aber das machte mir nicht wirklich etwas aus, da ich die meiste Zeit in Galerien verbrachte. Den meisten Eindruck hinterließ unter anderem die `Galerija Photon`. Eine Fotogalerie, die photon-ljubljana.jpgetwas versteckt in einem Altbau lag. Hier bekam ich den letzten Ausstellungstag, einer Fotoausstellung über die Band `Laibach` mit. Diese Band, die ich schon seit Mitte der 1980er zu meinen Favoriten zähle, ist fester Bestandteil der `Neuen Slowenischen Kunst`, kurz `NSK`.

Nachdem ich außer den grandiosen Bandfotos bei `Photon`, auch das Gespräch mit dem Inhaber Dejan Slugan sehr genossen hatte, fand ich noch eine weitere Galerie, die ebenfalls einen Schwerpunkt auf der `NSK` hatte. Die `Galerija Skuc`, hier waren unter anderem sehr skurrile Werke mit Legosteinen zu sehen. `NSK` ist halt eine Kunstrichtung, in jeglicher Hinsicht, die man einfach nur hassen oder lieben kann. Wie gesagt, ich liebe sie. Ein definitiv weiteres Highlight dieser Stadt, die ich sehr in mein Herz geschlossen habe, war das `KUD-Preseren`, ein autonomer Kulturtreff, wo man großartige Kleinkunst, aber auch immer wieder wechselnde Ausstellungen genießen kann. Aber auch einfach nur, wie ich es tat, im Galeriekaffee in Ruhe in Mitten schöner Kunst sitzen kann und zum Beispiel sein Reisetagebuch verfassen kann, damit man später eine Grundlage für Berichte, wie diesen hat. Hier drüber hinaus taten mir aber auch, wie so oft auf der Tour, die Abende im Hostel gut, denn man lernt immer wieder nette Menschen kennen, wie in diesem Fall zum Beispiel Amy aus Kalifornien mit ihrem Schweizer Freund, die ich leider einige Monate später in Spanien knapp verpassen sollte.

Axelle aus dem Kosovo

Aber auch die Französin Axelle war so eine Person, die ich gerne wieder getroffen hätte aber irgendwie auch froh bin, ihrer Einladung bis heute nicht gefolgt zu sein. Axelle hatte ebenfalls einen Schweizer Freund und beide arbeiteten für die OECD im Kosovo und luden mich ein. Sie erzählten mir viel Positives von dort, wie schön es dort sei und wie falsch die meisten, der von den Medien verbreiteten, Vorurteile seien aber vor allem blieb bei mir ihre Aussage hängen, dass sie alle paar Wochen dort raus müssten, wegen der ganzen Brutalität und Gewalt. Dies gab mir für meine weitere Reiseplanung ebenso zu denken, wie die Hinweise eines Schulfreundes, der mich vor, der noch immer teilweise akuten Minengefahr, in den ehemaligen Kriegsgebieten in Ex-Jugoslawien, gewarnt hatte. Es war eine tolle Zeit die ich in dieser Stadt hatte und es war auch nicht mein letzter Besuch dort aber ich merkte auch, dass ich auf dem Weg in ein Gebiet war, welches ich nur zum Teil beurteilen konnte. Grundlegend sollte mich mein weiterer Weg über Kroatien gen Griechenland führen, dank der liebenswürdigen Barkeeperin im `Celica`, sollte ich allerdings noch etwas länger in Slowenien bleiben. Denn sie empfahl mir nach Piran zu fahren. Da glücklicherweise einer der ersten Dinge, von denen ich mich bis heute getrennt habe, meine Uhr war, hatte ich Zeit und machte mich auf den Weg, in diesen wundervollen Küstenort in Istrien.

Ich hatte über das `Celica` direkt mein Anschlusshostel vor Ort gebucht und war reichlich froh als ich abends dort ankam. Mein Plan stand direkt fest, noch kurz das wundervolle mediterrane Wetter Istriens genießen und dann ausschlafen. Soweit der Plan. Stattdessen entdeckte ich eine tolle Galerie, wo an diesem Abend die `Zlata Paleta` für die besten slowenischen Amateurkünstler vergeben wurde. Es war eine grandiose Veranstaltung mit einem tollen Tenor, einem wirklich ausgefallen Grillbuffet mit Meeresleckereien aus der Adria und vielen netten Menschen, die mich herzlich aufnahmen. Marin Mahnic, einer dieser Menschen, lud mich direkt zu sich nach Portorose ein. Aber ich lernte auch Sonja mahnic-piran.jpgkennen, die Mitarbeiterin des örtlichen Kunstmuseums, wo ich in der Folge auch Werke von Marin bewundern konnte. Sonja wurde für die nächsten Tage mein Guide für Piran und sie hatte mir vieles über diesen 8.000 Einwohner zählenden Küstenort zu erzählen. Durch die Bekanntschaft zu Marin stand nun fest, dass ich, bevor ich die EU nach Kroatien verlassen würde, noch kurz vor der Grenze bei ihm reinschauen würde aber bis dahin sollte noch einiges passieren.

Bora

Dieser Sturm, der die Region immer wieder heimsucht, kam auf und machte das Leben vor Ort, nennen wir es, etwas spannender. An Weiterkommen war erst mal nicht zu felsen-piran.jpgdenken. Zu allem Überfluss rutsche ich auch noch an den Felsbrocken am Meer ab und prellte mir das Jochbein und zog mir mehrere Schürfwunden zu. Seitdem können die Fische dort immerhin telefonieren. Denn mit diesem Sturz, versenkte ich auch gleich mein Telefon im Meer. Grober Haken, da es noch etwas dauern sollte, bis ich ein Internetcafe gefunden hatte und somit mein Kontakt in die Heimat erst Mal abgebrochen war. Dort machte man sich angesichts der Sturmbilder in den Nachrichten Sorgen, die natürlich durch die Nichterreichbarkeit meines Telefons, noch forciert wurden. Aber auch dies Mal verlief alles glimpflich, ich fand ein Internetcafe und konnte alle per E-Mail informieren, die Prellung und Schürfwunden verheilten schnell und der Sturm ließ nach. Damit stand meiner Weiterreise gen Kroatien nichts mehr im Weg. Dies hieß Abschied nehmen von Sonja, packen und auf gen Portorose um Marin zu besuchen.

Natürlich kam auch hier wieder einiges etwas anders als geplant, warum ich Marin nicht mehr traf und wie ich die EU verließ, erfahrt Ihr beim nächsten Mal.

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Bislang ein Kommentar

  1. 17. Juni 2010

    | 10:38

    [...] und dort leben etwas mehr als 2 Millionen Menschen, wovon etwa 320.000 Menschen in der Hauptstadt Ljubljana oder auch Laibach und ihren Vororten  leben. Auch klimatisch hat dieses Land einiges zu bieten, [...]

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