Art for Europe

Kontinent der Kunst

Nacht der Architektur und Fotografie – H. G. Esch im Carlswerk

In der letzten Woche stand für mich, kurz vor dem Ablauf der offiziellen Laufzeit des Projektes Art for Europe im Oktober diesen Jahres, noch einmal ein wirkliches Highlight auf dem Programm. Im Rahmen `Der Nacht der Architektur und Fotografie` präsentierte H.G. Esch `City and Structure`. Eschs Werke begeisterten mich schon bei einer Ausstellung in der Galerie LUMAS, die ich zu Jahresbeginn besucht hatte. Allerdings sollte diese Präsentation noch einmal etwas ganz besonderes werden. Noch bis zum 31. Oktober 2009 kann man seine Werke nach Vereinbarung im Carlswerk in Köln-Mülheim betrachten und jeder Besucher wird bald feststellen, dass auch der Ausstellungsort gut durchdacht und ausgewählt wurde. Hier im historischen Backsteinbau des Carlswerk, in der Schanzenstraße 6-20 entsteht ein geniales Spannungsfeld zwischen der Architektur dieses gut 150 Jahre alte Industrieareals und den gezeigten Fotografien internationaler Boom Cities. Die über 20 großformatigen Werke, die überwiegend im asiatischen Raum, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA entstanden sind, brillieren durch eine perfekte Kombination von Farbe und Struktur aber auch durch ein hohes Maß an Emotionalität.

Nacht der Architektur und Fotografie

Wie bereits am Anfang erwähnt ist das Carlswerk ein altes Industrieareal, was allerdings nicht bedeutet, dass hier nicht mehr gearbeitet wird. Denn ein Teil des Geländes wird auch bis zum heutigen Tag zur industriellen Produktion genutzt und andere Teil sind grundlegend saniert worden und werden nun als Lofts und ähnliches angeboten. So kann man an diesem Ort Stadtentwicklung live miterleben, womit man auch direkt im Thema ist. Dieses wirklich besondere kulturelle Event, zu dem 01-osaka-01-by-hg-esch.jpgüber 400 Gäste erschienen, war schon ein Juwel, genau wie die ausgewählte Location selbst. Man wurde in einer alten Werkstatt empfangen, die die Größe einer Fabrikhalle hatte. Dieser riesige Raum war komplett leer bis auf das alles überragende Werk `Osaka 01`. Wie wörtlich hier der Begriff `überragend` zu nehmen ist, machen die Abmessungen dieser Fotografie von 650 cm x 400 cm deutlich. Von der Halle aus gelangte man auf eine wunderschöne Dachterrasse, wo mit leckerem Kölsch und Leckereien vom Grill für das leibliche Wohl gesorgt wurde. Hier konnte man noch einige Minuten verweilen und einen schönen, leicht dunstigen Sonnenuntergang über Köln genießen und sich so perfekt auf die kommenden Stunden einstimmen. Nachdem unter anderem Andreas Grosz vom KAP Forum, die auch zum 02-shilbam-01-by-hg-esch.jpgerlesenen Kreis derer gehören, die diese Veranstaltung gefördert haben, die Begrüßung der Gäste vorgenommen hatte, folgten die einführenden Worte. Diese Einführung übernahm Prof. Klaus Honnef, Professor für Theorie der Fotografie aus Bonn. Man muss sagen, das die Worte die er zu der gezeigten Ausstellung fand sehr lebendig und ganz und gar nicht theoretisch waren und einen so wirklich bestens auf das vorbereiteten, was einen später noch erwarten sollte. Ähnlich verhielt es sich übrigens auch mit dem anschließenden Vortrag des renommierten Architekten Christoph Ingenhoven, dessen Worte einem auch noch einmal einen ausreichenden Background zu den gezeigten Städten, die allesamt auch Stätte der heutigen Zeit sind, bot.

City and Structure-Die Ausstellung

Nachdem alles gesagt war, sollte es eine Ebene tiefer gehen, wo einen noch einmal eine ebenso große Fläche erwartete. Hier wurde dann auch die eigentliche Ausstellung `City and Structure` präsentiert. H.G. Esch präsentiert hier noch bis zum 31. 03-molsheim-01-by-hg-esch.jpgOktober 2009 über 20 großformatige Fotografien, dessen Maße zwischen 150 cm x 120 cm bzw. 140 cm x 224 cm liegen. Die Preisspanne für diese Werke ist mit 3.800 Euro bis zu 5.600 Euro für diese Größen und eine streng limitierte Auflage, mehr als angemessen. Man darf nun aber nicht denken es handele sich bei diesen Fotografien, um einfach Schnappschüsse, die in irgendwelchen Metropolen dieser Welt wahllos geschossen wurden. Diese atemberaubenden Werke, die hier präsentiert werden, sind zum einen Aufnahmen von Skylines, die in fast allen Fällen von sehr exponierter Stelle aus fotografiert wurden, die einen ganz besonderen und einzigartigen Blickwinkel erlauben, zum anderen werden aber auch Detailaufnahmen von Fassaden, Dachkonstruktionen und 04-tokyo-01-by-hg-esch.jpgHäuserfronten gezeigt, die einem Einblicke in eine Parallelwelt aus Formen, Strukturen und Mustern aufzeigen. So erkennt man bald schon glasklare Oberflächen, die allerdings keinesfalls oberflächlich erscheinen. Es wird einem aber auch bald klar, dass sich moderne Megastädte, trotz aller regionaler und kultureller Unterschiede, in einem Angleichungsprozess befinden, der von einer globalen Realität erzählt. Auch wenn man es kaum glauben mag, bieten diese Werke ein hohes Maß an Emotionalität, denn es gibt Bilder, die einen vor Kälte erstarren lassen und dann wieder andere, die eine Wärme ausstrahlen als würde man vor dem heimischen Kamin sitzen. Es sind Werke in denen man sich absolut verlieren kann, da man mit jeder Minute der Betrachtung tiefer in das Innere des Werkes gezogen wird, bis man schließlich mittendrin ist, ein Teil dieser globalen, architektonischen Welt, die hier so eindrucksvoll mit der Kamera festgehalten wurde. Dies sollte allerdings bei weitem noch nicht alles für diesen Abend gewesen sein, denn es stand neben dieser grandiosen Ausstellung noch ein weiteres Highlight auf dem Plan.

City and Structure-Das Buch

Wurde einem bis hierhin schon einiges für den Gaumen geboten und natürlich in aller erster Linie etwas für das kunst-bzw. architekturliebende Auge, sollte auch der Geist im ganzen nicht zu kurz kommen. `City and Structure` ist nicht nur das hier behandelte Ausstellungsprojekt, welches man nach telefonischer Terminvereinbarung (0221 / 6307960) bis Ende Oktober 2009 besuchen kann, sondern es ist auch gleichermaßen ein Buchprojekt. Dieses Fotoessay , welches im Hatje Cantz Verlag 05-dubai-04-by-hg-esch.jpgerschienen ist, bietet spannende Texte von Prof. Klaus Honnef und Christopher Dell, sowie eine grandiose Einführung von Kristin Feireiss und Oliver Schwabe. Hier zeigt der Fotokünstler H. G. Esch erstmalig seine frei entstandenen Fotografien von Skylines aber eben auch die bereits angesprochenen, architektonischen Details in einem Fotobuchprojekt. Im ersten Teil des Buches `City` zeigt er Stadtansichten, die beobachtend und präzise davon zeugen, wie fasziniert Esch von den gezeigten, immer schneller wachsenden Wirtschaftsmetropolen, die er immer wieder bereist, ist. Diese Faszination überträgt sich auch umgehend auf den Leser dieses Essays. Der zweite Teil dieses Buches `Structure` beschäftigt sich damit, wie Esch die Oberfläche der Megacities verlässt und in ihr Innerstes abtaucht. Er nimmt einen mit auf eine Reise in die Tiefen von Fassaden, Häuserfronten und Dachkonstruktionen. Obwohl man noch immer am selben Ort ist und nur die Perspektive, den Blickwinkel verändert hat, ist man plötzlich in einer völlig anderen Welt. Die Unruhe der Oberfläche der Megametropolen, deren Strukturen man oftmals nur durch höchste Konzentration klar sieht, ist hier wie weggeblasen. 06-portrait-hgesch.jpgEs herrschen klare Linien und Gliederungen vor, die scheinbar keinerlei Fragen offen lassen. Aber auch hier gilt es wieder mit einem ausreichenden Maß an Konzentration an das Gezeigte heranzugehen und dann wird einem plötzlich klar, wie viel man auch hier noch im Detail entdecken kann. Es ist eine sehr spannende Reise auf die einen der 1964 geborene Fotokünstler hier auf über 250 Seiten mitnimmt und dieses Buch sollte in keinem Bücherregal fehlen.

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