Art for Europe

Kontinent der Kunst

Mit dem Daumen durch Europa Teil 2

Der heutige zweite Teil meiner Specials über das Trampen wird dann nicht mehr ganz so lang, wie noch Teil 1 werden. Ich kann Euch aber trotzdem versprechen, dass er mindestens genauso interessant und spannend wird. Natürlich dient das Projekt Art for Europe in aller erster Linie der Dokumentation von Kunst und Kultur in Europa aber trotzdem finde ich es auch immer wieder wichtig, dass man etwas über die Hintergründe dieser seit 2004 andauernden Reise erfährt. Denn diese Tour besteht nun einmal nicht nur aus den vielen Besuchen bei Künstlern, auf Vernissagen und in Museen. Außerdem sollte man das Trampen auch nicht nur als reine Fortbewegungsart ansehen, sondern auch als eine sehr gute Informationsquelle, denn es ist fast so etwas, wie ein eigener Kommunikationskanal und man erfährt auch immer wieder Spannendes über seine Ziele bzw. Ziele, die es bis dorthin gibt. In diesem Sinne freue ich mich Euch auch diesmal wieder einige wirkliche Highlights zu präsentieren, durch die Ihr erfahrt, was man auf den Strassen Europas so alles erleben kann.

Die meistgefahrene Strecke

Natürlich auch dadurch bedingt, dass ich eine ganze zeitlang mein Atelier in Norddeutschland hatte und dort auch lebte aber auch immer wieder viel im Großraum Köln zu tun hatte, zählt die Verbindung Köln-Hamburg, also die A1, wohl zu den Strecken, die ich während den letzten gut fünf Jahren am meisten getrampt bin und ich muss sagen, es ist wie mit der Bahn zu fahren, nur ein bisschen zuverlässiger. Natürlich gewöhnt man sich über all die Jahre einige Tricks an, um das Trampen zu optimieren. So ist es immer wieder eine etwas komplexere Aufgabe erst einmal auf die Autobahn zu gelangen. Glücklicherweise gibt es im Bergischen Land eine Raststätte, die so nahe an meinen dortigen Zielen liegt, dass mein Vater oder Freunde oft genug so nett waren mich dort abzusetzen bzw. wieder einzusammeln. Der Vorteil ist, dass man einfach wahnsinnig viel Zeit spart, wenn man diese kleine Hürde abgenommen bekommt. 01-trampen-mit-schild.jpgVon dort aus wegzukommen ist dann gar kein Problem mehr, man kann sich sogar meistens den Luxus erlauben und auf LKW verzichten. Auch wenn dies eigentlich eine sehr angenehme Reiseform ist, da man im Regelfall riesig viel Platz hat und so schön erhaben hoch sitzt. Es hat aber eben auch den Nachteil, dass es eine verhältnismäßig langsame Reiseform ist und man natürlich im PKW meist wesentlicher schneller unterwegs ist. In der Regel stellt man sich mit einem Zielschild an die Tankstelle und spricht die Menschen einfach nett an. Natürlich gibt es immer wieder Menschen, die einen nicht mitnehmen und dies ist auch absolut in Ordnung aber wie auch sonst im Leben sind mir hier die Ehrlichen am liebsten. Denn man muss sich leider auch oft genug dumme Ausreden anhören und das nervt manchmal schon etwas, da ist es wirklich angenehmer einfach nur zu hören, dass man keine Tramper mitnimmt, denn wie gesagt, dass ist legitim und vor allem ehrlich.

Hat man nun jemanden gefunden der einen mitnimmt, gibt es drei mögliche Szenarien die passieren können. Erstens ist da der Fall, besser als nichts. Dies bedeutet Menschen fahren nicht durch bis zum Beispiel nach Hamburg, um bei diesem konkreten Beispiel zu bleiben. Dies hat aber immerhin den Vorteil, dass man schon einmal ein, zwei Raststätten weiterkommt und beim Trampen ist es ganz wichtig immer in Bewegung zu bleiben, es ist also ganz wie im restlichen Leben auch, denn Stillstand ist auch hier der Tod. 02-trampen-in-europa.jpgDie zweite Möglichkeit scheint schon fast perfekt zu sein, denn hier findet man Menschen die direkt nach Hamburg fahren und einen somit recht nah ans Ziel bringen. Nun reden wir im speziellen bei Hamburg, von der zweitgrößten Stadt in Deutschland und dies bedeutet nur in der Stadt zu sein, heißt nicht zwingend auch das Ziel erreicht zu haben. Hier hat meine Erfahrung allerdings gezeigt, dass die Menschen in der Regel immer so nett sind einen an irgendwelchen Plätzen abzusetzen, wo Busse oder Bahnen fahren, womit man dann auch meistens das endgültige Ziel problemlos erreicht. Die dritte Möglichkeit, kommt auch häufiger vor als man denkt und ist so etwas wie ein Volltreffer. Denn es gibt genügend nette Menschen da draußen, die einen auch bis vor die Haustüre fahren, auch dies habe ich immer wieder erleben dürfen. Denn so lange das tatsächliche Ziel in relativer Nähe zur Autobahn liegt, die Menschen ein Navigationssystem haben und nicht unter massivem Zeitdruck stehen, sind sie auch oft genug bereit einem an dieser Stelle zu helfen. Das schönste ist, dass ich nie fragen brauchte, sondern der Vorschlag eigentlich immer von den Fahrern selbst kam.

Das Beispiel Slowenien

Warum es manchmal wichtig ist recht nah an das Ziel zu kommen, erlebte ich bei einem meiner Besuche in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana. Ich war an einem Donnerstag mit einer lieben Freundin aus Schweinfurt verabredet und wollte am nächsten Morgen von dort aus starten. Sie war so nett mich noch zu einem großen Autohof zu bringen aber es lief an diesem Tag nicht gut, auch dies kommt vor. Also ließ ich mich wieder von ihr abholen und wir beschlossen das Wochenende gemeinsam in Mainfranken zu verbringen. 03-weingut-hirn.jpgDa mein Termin in der Botschaft in Ljubljana auch erst am folgenden Mittwoch war, stellte dies auch gar kein Problem dar. Nach einem schönen Wochenende, an dem ich auch ein sehr schönes Weingut kennen lernen dürfte, welches ich sonst wohl nie entdeckte hätte, ging es Montagsmorgen erneut los. Es dauerte auch nur einige Minuten bis ich einen griechischen LKW-Fahrer traf der nach Kärnten wollte und mich mitnahm. Er bevorzugte nun allerdings ab Österreich die Landstrassen, um die Maut zu umgehen, was die Reisegeschwindigkeit noch einmal herabsetzte und so endete meine Tour erst kurz vor Mitternacht an einer kleinen Tankstelle mit angeschlossenem Gasthaus gut 40 Kilometer vor Klagenfurt. Da es Dezember war, war es recht frisch, um nicht zu sagen eiskalt. So beschloss ich bis zum nächsten Morgen in diesem Gasthaus zu bleiben und mich meinem Tagebuch und einigen Skizzen zu widmen. Mit dem Sonnenaufgang kam ich dann auch recht schnell zum nächsten Bahnhof und nahm den Zug nach Klagenfurt, um nicht noch mehr Zeit zu verlieren. Dann hatte ich dort noch einmal einige Stunden Aufenthalt, bevor der nächste Zug nach Ljubljana ging und war gegen Mittag in der slowenischen Hauptstadt, wo ich mich mit einer Freundin traf, die ich dort Jahre zuvor kennen gelernt hatte und die mir dort immer alles organisierte.

Nach einer tollen Zeit in Ljubljana, in der ich unter anderem den angesprochenen Botschaftstermin wahrnahm aber natürlich auch wieder viele Galerien besuchte und Photographien für meine Arbeit entstehen ließ, brachte Inka mich eines nachmittags wieder an den Autobahnzubringer. Ich war die ganze Zeit über etwas irritiert, denn diese sonst so ruhige Stadt04-burg-ljubljana.jpg überraschte mich mit einem massiven Polizeiaufgebot an jeder Ecke. Es waren sogar immer einige Polizeihubschrauber zusehen. Ich stand nur kurze Zeit an diesem Zubringer bis Uli anhielt. Ein Deutscher der zwischen den Niederlanden und Kroatien beruflich pendelte und mich mitnahm. Wir kamen allerdings nicht allzu weit, bis kurz vor der Grenze nach Österreich, die Strasse von dunkelmaskierten und schwer bewaffneten Einsatzkräften abgeriegelt wurde. In der Luft standen Polizeihelikopter und an uns schoss eine Kolonne mit Transportern vorbei, bevor der Spuk plötzlich auch schon wieder vorbei war. Erst Tage später sollte ich realisieren, dass es die Zeit war, in der in Slowenien der Euro eingeführt wurde und dieser natürlich unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen ausgeliefert wurde. Die Fahrt mit Uli war schon Klasse und wir kamen so gut voran, dass wir uns im Badehaus am Chiemsee, einem echt traumhaften Cafe bzw. Bistro, noch entspannt ein bisschen Cafe und Kuchen bei einem wundervollem klassischen Konzert geben konnten. Unsere Wege trennten sich dann am späten Abend im Großraum Nürnberg und von dort aus brauchte ich noch bis zum nächsten Morgen, um nach Schweinfurt zurück zu gelangen. Denn was kein Tramper wirklich mag, ist es ständig die Autobahnen wechseln zu müssen. Denn, wenn man da niemanden findet der direkt bis an das endgültige Ziel fährt, kann so etwas schon einmal richtig anstrengend werden, wie in diesem Fall. Wenn ich allerdings die tausenden an Kilometern, die ich so durch Europa gereist bin, zusammennehme, muss ich festhalten, dass es eine sehr komfortable und gute Reisemöglichkeit ist, die ich niemals missen möchte.

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