Art for Europe

Kontinent der Kunst

Laibach in Barcelona-ElectricArt in zwei Akten

Barcelona, die Stadt der Kunst und Kultur. Man darf wohl sagen, dass es außer Ljubljana keinen besseren Platz gibt, um sich ein Konzert von `Laibach` anzusehen, als diese spanische Metropole. Die Location war grandios, ein altes Theater, welches sowohl soundtechnisch, wie auch vom Ambiente her, absolut stimmig war. Dieses Konzert fand am 03.04.2008, also letzten Donnerstag im `Apollo` statt und ich möchte diesen Konzertbericht auch dafür nutzen, allen meinen Lesern ans Herz zu legen, doch morgen Abend, also am 08.04.2008 gegen 20 Uhr in der `Röhre` in Stuttgart am Start zu sein. Denn dort findet das vorerst letzte `Laibach-Konzert` statt und zwar genau wie in Barcelona, im Rahmen der seit 2006 laufenden `Volk-Tour`. Eine Besonderheit des Konzertes, über welches ich hier nun schreibe, war unter anderem die Aufteilung in zwei gänzlich unterschiedliche Teile.

Erster Akt-Volk

Wenn man diesen künstlerischen Auftritt, der wohl bekanntesten und erfolgreichsten slowenischen Band, die schon seit Jahren auch in Deutschland Kultstatus erreicht hat, klassisch betrachtet, gab es zwei Akte. Beide Akte zeichneten sich nicht nur durch die total überzeugende musikalische Leistung aller beteiligten Akteure aus, sondern auch durch ein mehr als schlüssiges Gesamtkonzept. Denn es geht bei `Laibach`, wie ich es schon häufiger beschrieben habe, um mehr als nur das Transportmittel Musik. Es geht um Sprache, Formen und Bilder. Wir sprechen hier von einem Gesamtkunstwerk, wo `Laibach` genauso ein Teil von ist, wie auch der NSK-State. Wir reden bei all dem von einer Kunstrichtung, der `Neue Slowenische Kunst (NSK)`. Dieser Teil des Konzeptes wurde durch grandiose Kunst von grafischen Akzenten bis hin zu, zu den Tracks passenden Kurzfilmen, die die ganze Zeit im Hintergrund über zwei große Videoleinwände präsentiert wurden, dargeboten.

In diesem ersten Akt beschäftigte sich `Laibach` ausschließlich mit ihrem aktuellen, aus laibach-bcn-1.jpgdem Jahr 2006 stammenden Album `Volk`, an dem unter anderem Größen wie `Daniel Miller` beteiligt waren, mit dem schon Bands wie `Depeche Mode` große Erfolge feierten. `Volk` ist ein für `Laibach` etwas ungewöhnliches, wenn auch geniales Machwerk, denn es ist im Ganzen harmonisch, sogar klassisch angehaucht. Dieses Album setzt sich unter anderem mit der Geschichte verschiedenster Nationen dieser Erde, in Anlehnung an zum Beispiel deren Hymnen auseinander. Es wird politische Kritik geübt, wie man sie von `Laibach` gewöhnt ist. Es geht um die Freiheit des Individuums, es werden Systemfehler aufgezeigt, es geht um die teilweise drastischen Fehlentwicklungen verschiedener Länder und dies wird, wie gesagt, nicht nur durch die Musik und die Texte transportiert, sondern eben auch durch die angesprochenen optischen Impulse. Es stellt so etwas wie die Abrechnung mit den heutigen politischen, wirtschaftlichen aber auch gesellschaftlichen Systemen dieser Erde dar. Es geht eben um das Volk.

Zweiter Akt-Laibach

So großartig das aktuelle Werk `Laibachs` auch ist, dürfen natürlich die großen Klassiker der Band, wie zum Beispiel `Tanz mit Laibach` auf keinen Fall fehlen und das tun sie auch laibach-bcn-2.jpgnicht. Denn genau diese Stücke wurden, wie es sich gehört, nach einer kleinen Pause die für Umbauten genutzt wurde, im zweiten Akt präsentiert. Natürlich war dieser zweite Akt wesentlich schneller, härter und lauter als noch zuvor die Tracks vom `Volk-Album`, aber das liegt in der Natur der Sache. Wie oben beschrieben, wurde auch hier natürlich nicht auf eine optische Untermalung des Präsentierten verzichtet. Auch wenn dieser zweite Akt im absoluten Gegensatz, zu mindestens musikalisch, zum ersten stand, machte es das Ganze doch rund und zwar wesentlich runder, als wenn man beides miteinander vermischt hätte. Denn die klare Abgrenzung des Volkkonzeptes vom restlichen war auch ein Teil dessen, was dieses Konzert zu einem ganz außergewöhnlichen Erlebnis machte. Diese Einschätzung galt ganz offensichtlich auch nicht nur für mich, sondern dem Applaus nach zu urteilen, auch für die gut 400 anderen Gäste im Saal.

Es bleibt nur zu sagen, dass `Laibach` wohl zu den ganz großen europäischen Bands zählt und dies muss man nicht immer nur an verkauften Tonträgern oder Besucherzahlen festmachen, man sollte es viel mehr auch an Inhalten und Konzepten, die in der heutigen Musik oft genug gänzlich fehlen, festmachen und wenn man dies als Grundlage nimmt, sollte man diese Band nicht nur durch den oben angesprochenen Besuch des Stuttgarter Konzertes unterstützen, sondern zum Beispiel auch durch einen Beitritt zum NSK-State. Denn so zeigt man, dass Musik und somit letztendlich auch Kunst, auch heute noch viel bewegen kann. Dies ist in einer Zeit, wo gerade auch politisches, wie auch gesellschaftliches Engagement immer mehr zurückgeht, wichtiger denn je.

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Bisher 2 Kommetare

  1. Sunshine
    8. April 2008

    | 08:11

    Wohl wahr – ein Genuss für alle Sinne. Absolut empfehlenswert!

  2. 17. Juni 2010

    | 10:39

    [...] mehr als 2 Millionen Menschen, wovon etwa 320.000 Menschen in der Hauptstadt Ljubljana oder auch Laibach und ihren Vororten  leben. Auch klimatisch hat dieses Land einiges zu bieten, hier reichen die [...]

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