Art for Europe

Kontinent der Kunst

Kein Lob für Baku

Roman Lob war das deutsche Sternchen am diesjährigen Himmel des Eurovision Song Contests. Sein Ziel war eine Platzierung unter den ersten zehn Plätzen, was er mit einem Platz 8 so gerade auch noch schaffte und natürlich boykottierte auch er diese fragliche Veranstaltung nicht. Man muss festhalten, dass dieser Wettbewerb so oder in sich schon merkwürdig ist, scheinen Gewinner doch vorher so gut wie festzustehen und die Stimmabgabe der beteiligten Länder hatte auch am gestrigen Abend nur allzu oft etwas von staatlichen bzw. politischen Freundschaftsgrüßen oder Ablehnungen. In diesem Jahr fand der Wettbewerb in Baku statt, welches die Hauptstadt von Aserbaidschan ist, wo gerade auch Deutschland immer gerne gutes Geld verdient, was sich nicht nur aber auch auf diesen Wettbewerb bezieht. In diesem Land werden die Menschenrechte mit Füßen getreten und auch dies ist nichts Neues, stört aber niemanden, wenn es ums große Geld geht oder vermeintliche Karrieren, irgendwelcher, wahrscheinlich bald verglühter, Sternchen. Nun ist die Kommerzkarawane auch schon wieder so gut wie weg und an den Problemen im Land hat sich nichts geändert und nachhaltige, größere Zeichen, die man immer anspricht, wenn es um das Thema Boykott geht, blieben erwartungsgemäß auch hier wieder aus. So hat die Gier der Beteiligten auch an diesem Ort wieder gesiegt und dies ist ein Fakt, den man so nicht hinnehmen kann.

Thomas D. von der Telekom
Thomas D., den ich eigentlich für seine Musik und Texte immer geschätzt habe, machte dieses menschenunwürdige Spiel auch mit, als wäre es kein Problem, dass zum Beispiel Menschen auf die Straße gesetzt worden sind, damit die Austragungshalle gebaut werden konnte, von den alltäglichen Menschenrechtsverletzungen ganz zu schweigen. Thomas D., der auch schon einmal gerne die Werbetrommel für die Telekom rührt, lässt durch sein Verhalten immer mehr den Verdacht aufkommen, dass er mittlerweile ein etabliertes Rädchen im globalisierten Raubtierkapitalismus ist, was ich persönlich sehr befremdlich finde und mit seiner sonstigen Arbeit auch nicht stimmig auf eine Ebene bekomme. Die ARD, die auch von einer Art Zwangsabgabe, der GEZ-Gebühr, mitfinanziert wird und natürlich auch maßgeblich von diesem Wettbewerb profitierte, muss sich genau, wie eben auch Thomas D. oder die anderen Protagonisten, fragen lassen, was mit Themen der Ethik und Moral ist, wenn man so etwas wie den ESC in Baku inszeniert ohne sich nachhaltig und angemessen, um die Menschen im Land zu kümmern. Wenn man all dies als Teil europäischer Kultur ansieht, was auch noch grundsätzlich fraglich ist, war es ein rabenschwarzer Tag für die Kultur in Europa, denn man hat die Chance, scheinbar vorsätzlich, nicht genutzt, Menschen, die in menschenunwürdigen Zuständen leben, ernsthaft zu unterstützen und dies nur aus reiner Gewinnsucht. Ich werde persönlich meine Konsequenzen ziehen und zwar von Thomas D. bis zur ARD und kann nur hoffen, dass mir möglichst viele Menschen folgen.

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Bisher 4 Kommetare

  1. 12. Juni 2012

    | 10:49

    [...] es übrigens keinerlei Überraschungen beim Thema Protest gegen den Umgang mit dem Thema Menschenrechte in der Ukraine. Es wurde einmal ganz beiläufig, am Rande erwähnt und damit war es dann [...]

  2. 20. Juni 2012

    | 08:31

    [...] Skandal ist, wie ignorant man bei den Spielen in der Ukraine bislang mit der Thematik der Menschenrechtsverletzungen umgegangen ist und diesen Vorwurf an die Akteure und Funktionäre kann man nicht oft genug [...]

  3. 26. Juni 2012

    | 14:33

    [...] 2010 mit dem Europapreis des Europarates für seine herausragenden Bemühungen um den europäischen Integrationsgedanken ausgezeichnet. Die meisten Einwohner sprechen [...]

  4. 1. Juli 2012

    | 08:44

    [...] Man kennt es noch vom Eurovision Song Contest, der in diesem Jahr in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku stattfand, auch hier war die [...]

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