Art for Europe

Kontinent der Kunst

Jonathan Meese und sein Erzstaat Atlantisis

War ich vor einigen Wochen noch in Budapest, wo ich doch einige spannende künstlerische und kulturelle Highlights erfahren dürfte, führte mich meine, seit 2004 andauernde Reise durch Europa, zu letzt nach Österreich. Hier besuchte ich die Steiermark aber auch Kärnten. Nun stehe ich schon wieder kurz vor meiner Abreise nach Sardinien und bevor ich ausführlich über meine tollen Erlebnisse in Österreich schreibe, soll es um die `Diktatur der Kunst` gehen. Ein künstlerisches und kulturelles Highlight, welches ich zwischen Österreich und Italien noch mitnehmen dürfte. Eine Künstlerin und mittlerweile gute Freundin bat mich mit ihr nach Remagen, ins nördliche Rheinland-Pfalz zu fahren und diese Bitte konnte ich nicht ausschlagen, denn es ging um Jonathan Meese und seine Ausstellung oder viel mehr das Projekt `Erzstaat Atlantisis`.

Eine Blaskapelle am Rhein

Erst am Abend zuvor hatte ich die fast 1.000 Kilometer von der Steiermark zurück nach Köln mit dem Auto bewältigt, als es am nächsten Tag 01-meese-blaskapelle.jpgauf nach Remagen gehen sollte. Schon von der gegenüberliegenden Rheinseite aus konnte man die Performance des deutschen Ausnahmekünstlers, den ich persönliche zu den besten, lebenden Künstlern der Republik zähle, hören. Am Arp Museum Bahnhof Rolandseck angelangt, staunte ich nicht schlecht, denn ich habe Meese auf meiner Reise immer wieder an verschiedenen Orten getroffen aber solche Massen zu einer seiner Eröffnungen hatte ich noch nicht erlebt. Seine Performance, in der er ein Mal mehr die `Diktatur der Kunst` beschwor und somit auch den ´Erzstaat Atlantisis` an diesem beeindruckenden Ort ausrief, war großartig und ziemlich abgefahren. So wurde zum Beispiel sein Kampf gegen die Kleingeistigkeit und das Spießertum von einer klassischen Blaskapelle untermalt, ein wundervolles Zeichen dafür, dass in der Kunst alles möglich ist. Er sprach von der Demokratie als Weltkonsens und zeigte immer wieder auf, wie bedeutungslos wir alle, auch gegenüber der Kunst sind. Gerade in Zeiten der aktuellen Weltwirtschaftskrise, empfand ich diese Performance noch ein Mal stärker denn je.

Den `Erzstaat Atlantisis` im Arp Museum Bahnhof Rolandseck kann man noch bis zum 30. August 2009 jeweils Dienstag bis Sonntag und an 02-meese-vorbild.jpgFeiertagen von 11 bis 18 Uhr besuchen und erleben. Um Einlass in diesen Erzstaat zu erhalten braucht man weder einen Pass, noch braucht man ein Visum, das einzige was man benötigt ist Neugierde und Offenheit aber diese sollte man in jedem Fall mitbringen. Jonathan Meese zeigt in dieser wirklich außergewöhnlichen Werkschau nahezu sein gesamtes bildhauerisches Werk. Neben 53, wirklich abgefahrenen Bronzeplastiken, sind aber auch 14 großformatige Ölgemälde von ihm zu sehen. Für mich persönlich war es auch sehr schön endlich ein Mal wieder eine große Anzahl neuer Werke zu sehen, die ich bislang noch nicht kannte. Wenn ich die Entwicklung dieses Geniehaften Künstlers allein nur seit dem Start meines Projektes im Jahr 2004 beschreiben sollte, müsste ich einräumen, dass der Wahn, als außerordentlich positives Element künstlerischer Ausdrucksform, immer größere Ausmaße annimmt. Genau diese Spontaneität, diese Explosionen sind es, die sein Werk so authentisch und brillant machen. Hier wächst ein großer deutscher Künstler heran über den die Kunstwelt noch lange Jahre reden wird.

Eine vulkanische Druckkammer

Das Herzstück der Ausstellung stellt eine vulkanische Druckkammer dar, die Meese in dem 40 Meter hohen Aufzugschacht installiert hat über 03-meese-arp-museum.jpgden man zum Hauptteil der Ausstellung gelangt. Hier werden nostalgische Traditionen derart stark komprimiert, dass sie am oberen Ende als eine Lava des `absolut Neuen` herausgeschleudert werden. Man merkt schon an der Art der Beschreibung, dass das was man hier zu sehen bekommt weit über die Formen klassischer Ausstellungen hinausgeht. Natürlich ist das Arp Museum Bahnhof Rolandseck und gerade auch der Neubau von Richard Meier, wie geschaffen für die Arbeiten von Meese. Es ist vom Eintritt in diesen `Saalstaat` bis hin zu den auf den Außenflächen präsentierten Arbeiten einfach nur fließend und schlüssig. Viele Menschen werden auch hier wieder, gerade auch im Kontext zu seinen Gemälden, das Problem haben, dass sie meinen könnten, hier würde reine Massenware produziert bzw. gezeigt und genau das ist grundlegend falsch. Man muss sich bei diesem Künstler einfach mit einem neuen, schnellen, eben explosionsartigen Malstil auseinandersetzen. Es wäre allerdings grundlegend falsch, von der Geschwindigkeit in der manches Werk entsteht, Rückschlüsse auf die emotionale Tiefe des Werkes zu zulassen. Man muss immer berücksichtigen, hier geht es nicht um einfache, jedem bekannte Formen unserer heutigen Systeme. Es geht nicht um Politik, Wirtschaft oder Religion. Es geht um Kunst in ihrer wohl höchsten Form.

So glücklich und zufrieden ich auch bin die Performance zur Eröffnung des `Erzstaates Atlantisis` miterlebt zu haben, so traurig bin ich auch 04-meese-schiesst-scharf.jpgein weiteres Highlight nicht erleben zu können, da ich mich zu diesem Zeitpunkt schon auf Sardinien aufhalten werde. Am 19. Mai 2009 ab 18 Uhr findet das Rolandsecker Gespräch zwischen Jonathan Meese und dem Kurator der Ausstellung Daniel J. Schreiber statt, nachdem ab 16 Uhr Brigitte Meese Geschichten über Atlantis liest. Ein Highlight, welches man sich nicht entgehen lassen sollte. Für mich persönlich ist es allerdings ein Trost zu wissen, dass ich Meese noch oft genug sehen werde, denn unsere Wege kreuzen sich nun schon seit 2004 immer wieder und es sind immer sehr schöne Begegnungen, auch wenn manchmal, wie hier in Remagen, die Situation ein entspanntes Gespräch nicht zu lässt, was allerdings nicht bedeutet, dass es nicht trotzdem eine riesige Freude ist, diesem tollen Menschen zu begegnen. Es ist ebenso schön zu wissen, dass in Zeiten in denen man förmlich nach Revolution schreien muss und selbst der Bundespräsident eine ökologische Revolution als kulturelle Herausforderung anmahnt, es zu mindestens die Revolution in der Kunst gibt und uns diese in die `Diktatur der Kunst` führen wird und jeder der Meese ein Mal live gesehen hat, weiß wie ernst ihm dieses Anliegen ist und genau diese Ernsthaftigkeit fehlt in der heutigen Zeit leider oftmals in der Kunst.

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Schade, bislang hatte noch keiner eine Meinung

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