Art for Europe

Kontinent der Kunst

Himmlischer Glanz oder teuflische Berechnung?

Kunst und Religion ist natürlich ein ganz eigenes, riesiges Thema, welches sich durch die Jahrtausende zieht aber man kann in diesen Tagen auch sehr schön erleben, wie aktuell dieses Thema auch in unserer heutigen Zeit noch ist. Seit der letzten Woche präsentiert die Staatliche Kunstsammlung Dresden (SKD) die Ausstellung `Himmlischer Glanz-Raffael, Dürer und Grünewald malen die Madonna`. Man muss wohl anmerken, dass dies eine der bedeutendsten Kunstausstellungen in Deutschland seit Jahren, wenn nicht gar seit Jahrzehnten ist. Diese Ausstellung, die noch bis zum 08. Januar 2012 im Florenz des Nordens oder auch Elbflorenz, wie man die sächsische Hauptstadt Dresden auch gerne nennt, was seinen Ursprung in der Würdigung der Kunstsammlungen Dresdens und seiner Architektur findet, zu sehen ist, ist in einer Kooperation mit den Vatikanischen Museen entstanden. Ohne diese Kooperation hätte man das Highlight dieser Ausstellung niemals setzen können und hier kommt dann auch eine maßgebliche Frage in diesem Kontext auf. Da diese überragende Ausstellung im Rahmen des Deutschlandbesuchs von Papst Benedikt XVI. im Herbst diesen Jahres stattfindet, muss man sich fragen, ob man es wirklich, als eine Art Willkommensgeschenk werten kann, dass es zu einer so bedeutenden Leihgabe, wie es hier der Fall war, gekommen ist oder ob es nicht doch vielleicht um riesige PR geht, die gerade auch dieser Papst so nötig hat.

Papst Julius II.
1512 erschuf der große Meister der Renaissance Raffael (1483-1520) die über drei Meter hohe Altartafel `Madonna di Foligno`, noch im gleichen Jahr erhielt er von Papst Julius II. (1443-1513) den Auftrag für die `Sixtinische Madonna`, womit so etwas, wie ein Geschwisterbild für den Renaissancepapst entstand. Man geht in diesem Kontext davon aus, dass beide Meisterwerke vor gut 500 Jahren zusammen in einem Atelier standen und somit ist es nun nach 500 Jahren ein wirkliches Highlight, dass diese Geschwisterbilder erstmalig, seit fast genau 500 Jahren, wieder direkt zusammen präsentiert werden können und wenn man sich diese beiden weltberühmten Werke anschaut, wird einem einiges deutlich. 01-muc-byzanz-1.jpgMan kann an diesen Werken zum Beispiel wirklich erkennen, wie die Zeit der Reformation auch das Arbeiten dieses Malerfürsten beeinflusst hat. Nun ist die Verknüpfung von Religion und in diesem speziellen Fall die Verknüpfung des Christentums und der Kunst bzw. des Kunsthandwerks ganz allgemein, nichts Neues und wenn man, wie ich, durch die Museen Europas reist, trifft man immer wieder in den verschiedensten Formen auf diese Verknüpfung aber trotzdem stellen die hier gezeigten Werke ein ganz besonderes Highlight dar. Denn Papst Julius II. gab nicht nur das hier beschrieben Bild in Auftrag und rief nebenbei noch die Schweizer Garde ins Leben. Unter seiner Herrschaft wurde auch der Grundstein des Petersdom am 18. April 1506 gelegt, an dessen Bau Raffael auch maßgeblich beteiligt war. Man sieht dieser Papst hat auf dieser Ebene einiges in Bewegung gesetzt.

Die Ausstellung in der SKD hat aber noch mehr zu bieten, als die hier besprochenen Werke von Raffael. So sind auch noch Werke von zum Beispiel Albrecht Dürer (1471-1528) zu sehen, so wie Teile des Werkes von Lucas Cranach dem Älteren (1475-1553), aus dessen Werkstatt übrigens insgesamt an die 5.000 Werke gekommen sein sollen. Man merkt aber natürlich auch, dass das Hauptthema die Madonna, Maria, die Mutter Gottes ist, was gerade auch in dieser Epoche ein ganz großes Thema war. 02-ma-kunsthalle-papst.jpgNun ist es auf der einen Seite schon einmal sehr aufregend sich mit diesen Thema allgemein auseinander zusetzen und auf der anderen Seite ist es natürlich auch genial, die verschiedenen Künstler und somit auch verschiedenen Interpretationen in einer Ausstellung zu haben. Auch in der heutigen Zeit spielen christliche Motive noch immer eine Rolle, auch wenn sich der Umgang mit den Motiven ebenso verändert hat, wie alles andere auch. In der heutigen Zeit überwiegt oftmals auch die Kritik und dies ist auch gut so, denn, wie zu Beginn des Berichts beschrieben, bleibt die Frage offen, ob es nicht doch auch ein genialer Schachzug des Vatikans war, diese Ausstellung genau zu diesem Besuch in Dresden stattfinden zu lassen, lenkt man doch so auch von dem nicht unumstrittenen Papst Benedikt XVI. ab und das dieser Meister der PR ist, konnte man zuletzt noch sehr gut erkennen, als man einen zwitschernden Papst sehen dürfte, was an sich schon wieder ausreichend Inspiration für ein Werk über ihn sein könnte.

Papst Benedikt XVI.
Wie gesagt, Kirche und Kunst ist nichts Neues, sondern etwas was es nun schon seit Jahrtausenden gibt, nur die Art des Zusammenspiels hat sich natürlich über diese Zeit massiv verändert. Heute sind Kirchen zum Teil ganz eigene Arten von Kunst, werden selbst zum Kunstraum, wie auch zum Kunstobjekt selbst. 03-ma-kirche.jpgDie Kunst und auch die Kultur ganz allgemein wird aber auch gerne als Teil der PR genutzt, was nicht nur in Bezug auf das Christentum anzumerken ist aber eben auch dort dazugehört. So gibt es auch Künstlertreffen zu denen Papst Benedikt XVI. nach Rom einlädt und auch hier kam schon laut die Frage auf, ob es nicht mehr eine auf PR bezogene Veranstaltung war, als eine die sich wirklich im Schwerpunkt auf Kunst und Kultur bezieht. Gerade auch was die katholische Kirche in Deutschland angeht, sind noch immer die meisten Fragen im Kontext der unvorstellbar grausamen Missbrauchsfälle dort nicht geklärt und man fragt sich natürlich schon, ob ein solches kulturelles Highlight, wie der Vatikan es jetzt hier in Dresden möglich macht, nicht auch ein Teil einer brillanten Ablenkungsstrategie im gerade genannten Kontext ist. Man redet halt lieber über Kunst und Kultur, als über Missbrauch in der katholischen Kirche, was dann natürlich gewissermaßen einen Missbrauch der Kunst und Kultur darstellen würde. Über die Antwort auf diese Frage kann man wohl nur genauso mutmaßend philosophieren, wie darüber, wie wohl die hier beschriebenen Geschwisterbilder von Raffael in seinem Atelier gewirkt haben. Manche Dinge kann man eben nicht ganz klären. All dies sollte aber den kulturellen Wert dieser Ausstellung selbst genauso wenig minimieren, wie die Größe dessen, was man hier an grandioser Kunst geboten bekommt.

Persönlich habe ich diese Ausstellung in Dresden leider noch nicht sehen können und ich bin mir auch noch nicht sicher, ob ich es bis Anfang nächsten Jahres nach Dresden schaffen werde, wobei es einige Punkte gibt, die ganz klar dafür sprechen. Dresden gehört zu den wenigen Städten in Europa, dieses Kalibers, die ich bislang noch nicht besucht habe, somit wäre ein Besuch in dieser so bedeutenden Stadt für Deutschland, weit über die Grenze dieser wichtigen Ausstellung hinaus, schon sehr angebracht. Glücklicherweise werde ich, wie auch alle anderen, die sich für Raffael interessieren, noch eine zweite Möglichkeit bekommen, denn schon im nächsten Sommer, vom 26. Mai bis zum 26. August 2012, gibt es in Dresden die Ausstellung `Die sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500`. 04-das-kreuz-mit-gott.jpgVon daher gibt es erst einmal keinen Grund nervös zu werden, wobei mich beide Ausstellungen natürlich schon reizen, da auch ich mich künstlerisch immer wieder, wie sehr viele meiner Kollegen auch, mit dem Thema Religion beschäftige. Mein Ansatz ist natürlich auch hier ein sehr kritischer aber so lange man bei Ausstellung, wie den hier beschriebenen, auch darüber nachdenken muss, ob sie nicht eben doch teuflische Berechnung sind, halte ich eine gewisse Form der Kritik auch für absolut gerechtfertigt und man muss berücksichtigen, dass es hierbei nicht um inhaltliche Kritik an der Ausstellung geht, denn mit Raffael und seinen Zeitgenossen, sieht man hier in beiden Ausstellungen wirklich die ganz, ganz große Kunst und dies ist für jeden Kunstinteressierten ein wichtiges Highlight, wie natürlich auch für Dresden, die so einmal wieder beweisen können, welche wichtige kulturelle Bedeutung diese Stadt schon immer hatte und auch bis zum heutigen Tage noch hat, denn ein solches Ausstellungshighlight findet man auch im kulturell noch so vielfältigen Deutschland nicht allzu oft.

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