Art for Europe

Kontinent der Kunst

Hat Dali die Welt erschaffen?

Unter anderem mit der in der Überschrift gestellten spannenden Frage beschäftigt sich dieser zweite Teil meiner Reiseberichte über Sardinien. Bevor wir aber dieser Frage nachgehen, möchte ich mit einigen allgemeinen Fakten zu dieser wunderschönen italienischen Mittelmeerinsel beginnen. Sardinien ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel und hat etwas mehr als 1,5 Millionen Einwohner, die sich auf eine Fläche von etwas mehr als 24.000 Quadratkilometer verteilen. Sardinien und seine vorgelagerten Inseln zählen als eine autonome Region in Italien und die Hauptstadt Cagliari liegt ganz im Süden der Insel. Das italienische Festland ist gut 180 Kilometer entfernt und im Süden sind es auch nur etwa 210 Kilometer bis Afrika. Außerdem ist man schon in elf Kilometer in Frankreich, denn soweit ist die französische Mittelmeerinsel Korsika entfernt. Von der Topgraphie, aber auch von der Vegetation her erinnerte es mich zum Teil etwas an die Costa Brava, die ich im Rahmen meiner seit 2004 andauernden Reise zur Dokumentation von Kunst und Kultur, auch schon mehrfach besucht habe. Dies sollte als Kurzinformation zur Insel erst einmal reichen.

Die Natur als Künstler

Wie im letzten Reisebericht beschrieben, hatten wir ein kleines Häuschen direkt am Mittelmeer an der Nordspitze der Insel mit Blick auf Korsika. Nur einige Minuten mit dem Auto von hier entfernt, gelangt man nach Capo Testa, einer nicht sehr großen aber umso genialeren kleinen Halbinsel. Hier ist man so nah an Frankreich, dass sogar mein Handy ins französische Netz wechselte. Zu Capo Testa gibt es zu sagen, 01-capo-testa-bucht-3877.jpgdass es hier zum Beispiel wundervolle Buchten gibt, die man zum Teil ganz für sich alleine hat, allerdings war mein Augenmerk bei meinen Besuchen an diesem wundervollen Ort ganz und gar nicht auf Badevergnügen ausgerichtet. Es gibt hier eine der beeindruckensten Gesteinsformation, die ich bislang in Europa gesehen habe. Die unglaublichen Felsformationen die hier entstanden sind, sind Folge der Tafoniverwitterung, einer besonderen Art von Kernverwitterung. Da es hier aber um die Kunst und Kultur gehen soll und nicht um geologische Fachsimpeleien, muss ich auf die in der Überschrift gestellte Frage zurückkommen. Wenn man sich hier auf Capo Testa bewegt und umsieht, hat man doch immer wieder den Eindruck es handele sich um ein riesiges Kunstwerk von Salvador Dali. Es ist der steingewordene Surrealismus hier draußen. Auch wenn das Gelände nun nicht unendlich groß ist, übt es doch eine unendliche Strahlkraft aus. 02-capo-testa-3910.jpgDenn jeder Schritt, jeder neue Lichteinfall lässt einen die Umgebung völlig anders wahrnehmen, als noch in der Sekunde zuvor. Ich hätte wohl den ganzen Aufenthalt auf Sardinien nur auf diesen kleinen Zipfel im Norden verbringen können und Photographien entstehen lassen können. Immerhin sind während meinen Besuchen dort weit mehr als 600 Photographien entstanden und ich werde auch bald damit beginnen diese aufzuarbeiten. Obwohl es sich um eine Felslandschaft handelt, fühlt es sich hier übrigens sehr sanft und anmutig an, denn die Formen die einem hier begegnen sind einfach nur einladend.

Hier oben ganz im Norden Sardiniens wurde mir einmal mehr klar, welch großer Künstler die Natur doch selbst ist. Hier findet man einfach alles. Fratzen, Tiere, Dinosaurier, es gibt kaum etwas, was man hier nicht entdecken könnte. 03-capo-testa-schwerelos-4002.jpgEs stellte sich auch oftmals die Frage, wie die einzelnen Felsformationen überhaupt halten können, da sie zum Teil scheinbar sogar der Schwerkraft trotzen. Bei alldem darf man natürlich auch nicht vergessen, dass wir uns direkt im Mittelmeer befinden, also all das Beschriebene auch noch in einem überdimensionalen blau bis türkis schimmernden Rahmen eingefasst ist, was es als Gesamtkunstwerk noch einmal abrundet. Natürlich kann ich nicht beurteilen, was sich hier in der Hauptsaison abspielt, nur als wir zuletzt dort waren, war eigentlich kaum etwas los und sobald wir die Hauptwege verlassen hatten und ins Gelände liefen, hatten wir dieses meistens völlig und ganz für uns alleine und wirklich unwegsam ist das Gelände hier nur an einigen wenigen Stellen. Außer dieser beschriebenen großartigen Naturkulisse, gibt es hier aber noch etwas, was einfach in das Gesamtbild passt, denn natürlich verfügt auch die nördlichste Spitze Sardiniens über einen 04-capo-testa-leuchtturm-3678.jpgLeuchtturm und auch der wirkt hier, wie gemalt. Capo Testa ist wieder einmal einer dieser Punkte in Europa, wie zum Beispiel auch der östlichste Punkt der iberischen Halbinsel Cap Creus oder auch der Zusammenfluss der Nord- und Ostsee bei Skagen in Dänemark, der mir als ein großes Highlight in Erinnerung bleiben wird. Auch genau diese Punkte sind es, die mir immer wieder klar machen, wie wichtig und richtig es war mich für diese Reise durch Europa zu entscheiden. Natürlich gibt es noch viel mehr auf Sardinien zu sehen als nur Capo Testa, auch wenn man durch mein Schwärmen schon merkt, dass es wohl mein ganz persönliches Highlight dieser Insel war. Wie zuletzt beschrieben, war unsere Reise ins Inselinnere doch eher etwas enttäuschend aber trotzdem wollten wir uns dadurch nicht davon abbringen lassen, uns noch weitere Bereiche der Insel anzusehen. So ging es auch bald schon mit einer weiteren Tour auf in Richtung Süden, die Westküste hinunter.

Die Laternen von Alghero

Unser Ziel an diesem Tag sollte Alghero sein, eine Stadt an der Westküste mit etwas mehr als 40.000 Einwohner.05-alghero-4252.jpg Sie liegt gut 140 Kilometer südwestlich von Santa Teresa de Gallura entfernt und schon die Fahrt war wesentlich angenehmer, als die Fahrt nach Orgosolo, von der ich zuletzt geschrieben hatte. Nicht nur das die Strassen hier wesentlich zügiger zu befahren waren, fährt man auch weite Strecken direkt am Mittelmeer entlang und passiert zum Beispiel so schöne Städte, wie Porto Torres. Diese am Golf von Asinara gelegene bedeutende Hafenstadt mit ihren über 20.000 Einwohner hatte wirklich Charme. Aber unser Ziel sollte Alghero sein, welches nicht nur für Sprachwissenschaftler interessant ist, denn hier sprachen in den 1990er noch gut 60 Prozent der Einwohner einen katalanischen Dialekt. Richtig ist, dass Barcelona fast direkt gegenüber liegt aber es liegt auch noch ein gewaltiges Stück Mittelmeer dazwischen. 1372, zu dieser Zeit war Alghero von den Katalanen besetzt, kam es hier zu einem Aufstand der Sarden und in Folge dessen wurden sie aus der Stadt vertrieben und diese neu besiedelt und daher der katalanische Einfluss, der in dieser Stadt noch immer zu spüren ist. Sehr interessant war die Stadt für mich aber auch noch aus einem ganz anderen Grund, denn wie viele Leser wissen, dient ein Teil meiner Reise auch dazu, immer wieder Motive für meine Kunst zu sammeln. Sehr beliebte Motive denen ich mich immer wieder in meiner Arbeit widme, sind Straßenlaternen, die für mich das Licht, das Leben und die Energie dieses Kontinents symbolisieren. Ich muss sagen, dass Alghero auch auf diesem Gebiet doch einige Highlights zu bieten hat. Wir kamen in der Stadt an und parkten direkt am schönen Yachthafen der Stadt von dem man in ein paar Minuten zu Fuß in der Stadt06-alghero-gasse-4302.jpg ist und gerade im alten Kern dieser wunderschönen Festungsstadt, hat man eher das Gefühl in einem kleinen Dorf zu sein, als in einer Stadt mit über 40.000 Einwohnern. Alghero hat wunderschöne kleine Gassen, die immer wieder mit schönen Plätzen verbunden sind, die auch einfach dazu einladen, entspannt einen Espresso zu genießen. Denn auch dies war einer der Vorteile auf dieser Reise durch Sardinien, die Ruhe die ich diesmal hatte und so eben neben der Arbeit, auch wirklich einmal die Seele baumeln lassen konnte.

Natürlich entstanden in Alghero, neben den beschriebenen Laternenphotographien, auch wieder einige meiner typischen Architekturphotographien 07-alghero-architektur-4300.jpgwie sie auch an den vielen anderen Orten Europas entstanden, in denen ich in den letzten fast fünf Jahren unterwegs war. Doch Alghero ist auch eine Stadt, die ich jedem der einmal nach Sardinien kommt unbedingt ans Herz legen möchte. Natürlich war auch dieser Teil der Tour ein sehr interessanter, der uns auch bewiesen hat, dass es auf Sardinien wirklich auch richtig angenehme Städte gibt. Nun hatten wir noch einige Tage Zeit, bevor es zurück in meine Wahlheimat nach Köln gehen sollte, diese nutzen wir zum Beispiel auch dafür, stundelange Strandspaziergänge zu machen, die natürlich auch noch einmal unzählige Motive für wunderschöne Arbeiten bot. Genau dies ist im Moment auch mein Haupttätigkeitsfeld, einfach diese Masse an Photographien die in den letzten Monaten entstanden sind, zu sichten und aufzuarbeiten. Als ein erstes Ergebnis gingen vor einigen Tagen meine `ZERbilder-Eine Hommage an Jonathan Meese` ins Netz. Diese Werkreihe entstand auf Grundlage der Photographien, die zuletzt bei meinem Besuch der Performance von Jonathan Meese in Remagen entstanden sind. Außerdem war ich noch einmal kurz in den Niederlanden, genauer gesagt in Venlo08-venlo-architektur-4855.jpg, um auch hier weiteres Material zu sammeln. Venlo hat etwas mehr als 90.000 Einwohner und ist von meiner Kölner Wahlheimat aus innerhalb einer Stunde gut erreichbar, trotzdem war ich seit meiner Schulzeit nicht mehr dort aber dieser spontane Besuch zeigte mir, dass diese Stadt noch immer nichts von ihrer Attraktivität verloren hat. Man sieht es bleibt auch weiterhin spannend und ich viel in Bewegung, denn in der liegt bekanntlich die Kraft und von dieser konnte ich in den letzten Wochen doch ausreichend tanken. Frisch gestärkt geht es also nun in einen Sommer, der in jedem Fall von viel Kreativität geprägt sein wird und hoffentlich auch von mindestens genauso viel Sonne, denn an die hab ich mich auf Sardinien wirklich wieder gewöhnt.

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Schade, bislang hatte noch keiner eine Meinung

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