Art for Europe

Kontinent der Kunst

Gregor Schneider zeigt END

Es war ein Highlight. Es war einer dieser Momente, in denen ich genau weiß, warum es nichts Besseres gibt, als durch Europa zu reisen und Kunst und Kultur zu dokumentieren. Ich habe in den letzten vier Jahren viele Museen, Kunsthallen, Galerien und andere Räume zur Präsentation von Kunst besucht. Enttäuschung gab es eher selten aber solche Glücksmomente, wie zur Eröffnung der Ausstellung `END` von Gregor Schneider in Mönchengladbach, sind auch nicht der Regelfall. Diese Ausstellung, die noch bis August 2009 im Museum Abteiberg in Mönchengladbach zu sehen ist, beeindruckte mich doch sehr nachhaltig. Ich besuchte das Museum gleich zwei Mal in den letzten zwei Monaten und hatte so die Möglichkeit Rita McBride persönlich kennen zu lernen, die gerade ihre Ausstellung `Public Works` bis Februar 2009 verlängert hat, aber auch die Entwicklung von `END` ein wenig mitzuerleben. Somit war die Eröffnung von `END` natürlich ein wichtiger Kunsttermin in diesem Jahr.

Von der Vergangenheit bis in die Gegenwart

Das Museum Abteiberg geht auf einen 1902 gegründeten Museumsverein zurück. Erste Werke präsentierte man dann ab 1904 in einer ausgedienten Volksschule. Von da an wuchs die Sammlung stetig an und wurde im Jahr 1922 durch eine Schenkung des gebürtigen Mönchengladbacher Dr. Walter Kaesbach zu einem zeitgenössischen Kunstmuseum. Da die überlassene Sammlung expressionistischer Werke das Museum schneider-end-2-1768.jpgnatürlich nachhaltig prägte, kann man sich vorstellen, wie einschneidend es das Museum, aber auch die ganze Stadt Mönchengladbach traf, dass der größte Teil der Sammlung 1937 der reichsweiten Jagd auf `entartete Kunst` zum Opfer fiel. Auch wenn man einige expressionistische Kunstwerke über die Jahre zurückkaufte, konnte die damals entstandene Lücke bis zum heutigen Tag nicht gänzlich geschlossen werden. Da das Museum nicht über ein ausreichendes Budget verfügte, um sich eine Sammlung der klassischen Moderne aufzubauen, setzte man die Schwerpunkte auf aktuelle Tendenzen. Wie gut dieser Plan funktioniert hat und bis heute funktioniert, kann man im Museum Abteiberg bewundern. Denn die gesammelten Werke umfassen Highlights, wie zum Beispiel Werke von Joseph Beuys, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Martin Kippenberger bis hin zu Jonathan Meese und natürlich dem berühmten Sohn der Stadt Gregor Schneider.

Gregor Schneider sorgte in den Medien zuletzt vor allem dadurch für Diskussionen, dass er Menschen in einem Museum als Teil der Kunst sterben lassen will. Der durch diese Idee entstandene Medienrummel um ihn, lenkte allerdings etwas von seinem eigentlichen schneider-kaffeezimmer-1774.jpgSchaffen ab, setzte ihn aber natürlich als Künstler auch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Schneider präsentiert in Mönchengladbach seine einzigartigen Rauminstallationen, wie zum Beispiel, dass schon fast legendäre `Kaffeezimmer`. Diese steril wirkenden, kalten Räume wirken teilweise an sich schon sehr unheimlich. Obwohl sie sehr hell, ja schon fast grell sind und mit Utensilien des Alltags bestückt sind, wirken sie beklemmend. Man ist Mitten in der Realität aber doch in einem Kunstwerk und damit in etwas fiktiven. Diese Gradwanderung zwischen Fiktion und Wirklichkeit ist es, was diese Arbeiten so außergewöhnlich und spannend machen. Allein nur diese Räume stellen schon ein eindrucksvolles Stück aktueller Kunst aus Deutschland dar. Aber die hier präsentierten Räume sind nur ein Teil des Gesamtkunstwerkes `END`. Denn `END` ist mehr als die reine Präsentation der gerade beschriebenen Räume.

Ein gigantischer Schlund

Der 1969 in Mönchengladbach geborene Künstler Gregor Schneider, den man durchaus zu den angesagtesten deutschen Künstlern zählen darf, hatte für die Ausstellung `END` eine noch viel weitreichendere Idee und schaffte es letztendlich diese auch mit der schneider-end-1-1757.jpgUnterstützung des Museum Abteiberg umzusetzen. So schuf er einen neuen Eingang für das 1982 eröffnete Museum, welches gerade erst am 04.11.2007 nach Sanierungsarbeiten wieder eröffnet wurde. Dieser (Neben) Eingang ist eine 14 Meter hohe begehbare Skulptur. Ein 60 Meter langer, labyrinthartiger Tunnel der über Feuerleitern Mitten in sein Kunstwerk führt. Dieser so entstanden Schlund lässt existentielles spüren, wenn man ihn durchschreitet. Man gelangt über eine Treppe an den Beginn dieser Skulptur in diesen riesigen Schlund und läuft dann einige Meter ein leichtes Gefälle hinab, bevor sich ein rechter Winkel ergibt. Ab hier gibt es keinerlei Licht mehr. Man ist ganz alleine mit sich, der Dunkelheit und der damit entstehenden Ungewissheit über alles. Langsam arbeitet man sich an die erste Feuerleiter heran und somit geht es immer tiefer in das dunkle Nichts. Man verliert sein Gefühl für Räumlichkeit und Zeit völlig und ganz.

Ab der zweiten Feuerleiter wird es dann ein wenig heller, auch wenn der Begriff Helligkeit an dieser Stelle sehr relativ zu betrachten ist. Man hat, ohne es in diesem Moment wirklich zu wissen, sein Ziel erreicht, man ist in der Ausstellung selbst angelangt. Hier abteiberg-museum-1543.jpgbegegnen einem als erste ganz schwach, punktuell beleuchtete Puppen, Wesen einer anderen Welt die scheinbar vom Licht dahin gerafft wurden und ansonsten herrscht auch hier die absolute Finsternis. Dann öffnet man irgendwann eine Tür zu einer seiner Rauminstallation und fühlt sich fast wie die Puppen. Das plötzliche Licht, diese Grelligkeit nachdem man sich gerade mit der Dunkelheit des Lebens angefreundet hat, wirkt fast schmerzhaft. Verlässt man die, zu Beginn beschriebenen, Räume wieder, ist es gleich wieder noch viel dunkler. Hat man alle Räume aufgesucht und ist so immer wieder von der Helligkeit in die Dunkelheit gesprungen, als würde man Dimensionen wechseln, fährt man irgendwann mit einem Aufzug aus der Unterwelt am Ende des Tunnels, hinauf in das Museum. Große einladende Räume mit großflächigen Kunstwerken begrüßen einen hier und man ist völlig verwirrt und es fällt einem auch erst ein Mal schwer sich auf die, in aller Farbenpracht auf einen einprasselnden, Werke des Museums einzulassen. Ich kann nur jedem empfehlen sich dieses außergewöhnliche Kunstwerk `END` in Mönchengladbach im Museum Abteiberg anzusehen. Es ist ein Erlebnis und ein Besuch in diesem Museum ist so oder so immer eine Reise wert.

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Bislang ein Kommentar

  1. 12. März 2012

    | 00:34

    [...] kam. Der Samstag sollte sich genauso fortsetzen, so schaffte Borussia Mönchengladbach am Niederrhein auch nicht mehr als ein 0:0 gegen den SC Freiburg. Es blieb aber auch noch die Frage offen, was [...]

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