Art for Europe

Kontinent der Kunst

Europas historische Gedächtnisse

Wie bereits erwähnt, war ich gerade erst in Budapest und um eines der Highlights dieser Reise soll es in diesem Bericht gehen. Es geht um den Memento-Park, welcher vor den Toren der Stadt liegt. Es ist ein Platz den man aus verschiedenen Gründen in jedem Fall besuchen sollte, wenn man sich  in der ungarischen Hauptstadt Budapest aufhält. Einer der Gründe ist natürlich die historische Bedeutung der in diesem Skulpturenpark ausgestellten Exponate. Denn hier findet man ein historisches Gedächtnisse, einer ganz bestimmten Epoche der ungarischen Geschichte, mit europaweitem, um nicht zu sagen weltweitem Kontext. Natürlich fließen aus ganz aktuellem Anlass auch die Geschehnisse der letzte Woche in Köln mit in diesen Bericht ein. Denn schließlich wurden hier weite Teile des historischen Gedächtnisse der Stadt und der Region, wie spekuliert wird, dem Bau einer U-Bahn-Trasse geopfert. Wie wichtig der Erhalt solcher historischen Gedächtnisse ist, zeigt eben auch im Detail dieser Bericht aus Ungarn.

Marx und Engels

Der Memento-Park ist ein bedeutsamer geschichtlicher Platz außerhalb der Stadt. In unserem Hostel hatten wir netten Studenten aus Wien kennen gelernt, die uns am Vorabend erklärten, wie wir mit Bus und Bahn in diesen außergewöhnlichen Park gelangen sollten. Also starteten wir am nächsten Morgen, wie immer mit Kaffee in der Kneipe direkt unterhalb unseres Hostels. Dies war auch der Stammplatz der Budapester Taxifahrer, da lag es Nahe mit ihnen einen Preis zu verhandeln, um noch besser in diesen abgelegenen Park zu kommen. Nachdem wir einen 1-marx-und-engels-2572.jpgwirklich guten Kurs ausgehandelt hatten, machten wir uns also auf den Weg und es war wirklich weit außerhalb und wir waren sehr froh dieses Fortbewegungsmittel genutzt zu haben. Unser Fahrer war übrigens so nett und wartete geduldig das ganze Shooting über vor dem Park auf uns, ohne uns dies in Rechnung zu stellen und es entstanden immerhin fast 200 Photographien. Begrüßt wurden wir von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895). Schon bei den ersten Schritten wurde mir klar, wie besonders dieser Platz ist. Der einzige Nachteil, ich hatte die Temperaturen oder viel mehr den Wind unterschätzt. Denn den ganzen Tourabschnitt über hatten wir Minusgrade, was bei den Shootings in der Stadt auch kein Problem darstellte, allerdings hier, durch die offene Lage und den massiven Wind, die Arbeit doch massiv erschwerte. Trotzdem entstanden grandiose Werke.

Das große Glück war aber auch genau diese Wetterlage bzw. die Jahreszeit, denn ich hatte die Motive fast für mich alleine und konnte so doch sehr entspannt meiner Arbeit mit der Kamera nachgehen. In diesem Park stehen unzählige skulpturale Arbeiten, die bis zum Fall des Eisernen Vorhangs auch das Stadtbild der ungarischen Hauptstadt Budapest prägten. Mit der Loslösung Ungarns vom Ostblock, mit der neu gewonnenen Freiheit wollte natürlich so gut wie niemand mehr diese Art politischer Kunst in der Stadt haben. Einige der nun nach hier 2-memento-park-2416.jpgausgelagerten Exponate, konnte ich damals bei meinem ersten Besuch in der Stadt, kurz nachdem Fall des Eisernen Vorhangs, noch im Stadtbild integriert erleben. Dieser Fakt machte mir den krassen Unterschied zwischen den beiden Darstellungsweisen der Objekte noch ein Mal sehr deutlich. Es ist hier draußen mehr der künstlerische Aspekt der Arbeiten der überwiegt, gepaart mit dem geschichtlichen Aufklärungsaspekt. Natürlich wollten und wollen wahrscheinlich bis zum heutigen Tag viele Menschen, dass diese Zeichen eines dunklen Teils der Vergangenheit, am besten auf dem Mond geschossen werden. Um so positiver ist es zu betrachten, dass diese Exponate nun hier zu sehen sind. Denn neben der geschichtlichen Bedeutung, ist es auch künstlerisch sehr spannend, was an diesem Platz alles zu sehen ist.

Das historische Gedächtnisse der Welt

Natürlich muss man Verständnis für die Menschen aufbringen, die Jahrzehnte lang unter dem System gelitten haben, dass sie die Machtzeichen 3-hammer-und-sichel-2441.jpgdieses System vernichtet sehen wollen, genau wie das System selbst vernichtet ist. Allerdings muss man auch in Betracht ziehen, dass letztendlich auch diese dunklen Zeiten, ein Teil der ungarischen und natürlich auch der europäischen Geschichte ist. Es hat den Anschein, als sei der Platz außerhalb der Stadt, weit vor den Toren Budapests, nicht durch Zufall gewählt. Auch die zum größten Teil fehlende Infrastruktur hier draußen, scheint ein Zeichen der Wertschätzung der meisten Menschen für dieses Projekt zu sein. Um so höher ist der Wille und die Tatkraft der Initiatoren dieses ganz besonderen Skulpturenparks einzuschätzen. Denn außer das hier ein Teil des historischen, ungarischen Gedächtnisse geschützt wird, sind diese Arbeiten auch handwerklich und vor allem künstlerisch im hohen Maß wichtig für die Nachwelt. Dies ist also ein außerordentlich positives Zeichen, wie man mit Teilen des historischen Gedächtnisses dieser Welt umgehen kann. Ein eher negatives Zeichen in diesem Kontext, zeigte sich leider in der letzten Woche in meiner Wahlheimat Köln, denn hier wurde ein Zeichen gesetzt, wie es unter gar keinen Umständen laufen darf.

Da war ich gerade ein Mal gut zwei Wochen zurück in meiner deutschen Wahlheimat Köln, als ich miterleben musste, wie in der Innenstadt das historische Stadtarchiv zusammenbrach bzw. auf die Severinstraße kippte. Am 03. März 2009 kollabierte das Stadtarchiv und riss zwei 4-futurepast.jpgbenachbarte Gebäude mit sich. Dieser Fakt ist natürlich in erster Linie eine menschliche Tragödie, da unzählige Menschen alles verloren und wahrscheinlich zwei junge Männer sogar ihr Leben verloren haben. Es ist aber auch eine historische, kulturelle und künstlerische Katastrophe, da hier Dokumente und ähnliches aus über 1.000 Jahren eingelagert waren, deren Relevanz nicht nur Köln, sondern die ganze Region betrifft. Wie viel hier vernichtet wurde ist zur Stunde noch gar nicht absehbar. In den gut 30 Regalkilometern waren Dokumente von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) aber auch von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Heinrich Böll (1917-1985) eingelagert, was das Ausmaß der Katastrophe auch noch ein Mal sehr deutlich macht. Was diese Katastrophe allerdings noch verschlimmert ist der Verdacht, der im Moment durch die Medien kursiert, wonach die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) für diesen Einsturz eine Mitschuld, wenn nicht sogar die Schuld im gesamten tragen. Aber auch das Verhalten der Stadt selbst wird immer mehr in Frage gestellt. Gerade die Stadt hat natürlich die Verantwortung über dieses so wichtige historische, kulturelle und künstlerische Erbe, sollte sie hier tatsächlich versagt haben, stellt sich die Frage, ob sie dieser Aufgabe überhaupt gewachsen ist oder ob man in der Zukunft über andere Lösung nachdenken sollte?

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Bislang ein Kommentar

  1. 23. Juni 2016

    | 05:53

    […] nach dem Anpfiff ging es Schlag auf Schlag. Eine der ersten Aktion war ein Freistoß für Ungarn, dieser wurde abgefälscht und führte so zum erneuten Rückstand für die […]

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