Art for Europe

Kontinent der Kunst

Emotionen von Lockerbie bis Edinburgh

Wie zu letzt schon versprochen, gibt es hier nun den letzten Teil der Berichtreihe über den Aufenthalt in Großbritannien. Wir hatten gerade wieder die Grenze zwischen England und Schottland überschritten und waren nun auf dem Weg nach Lockerbie. Diese kleine aber bedeutende Stadt, hatte ich bei all meinen Besuchen zuvor noch nie aufgesucht. Dies Mal stand ein Besuch allerdings fest, denn gerade emotional und natürlich auch künstlerisch war ich auf diesen Ort, der gerade auch für die jüngere Geschichte des Landes so bedeutsam ist, sehr gespannt. Man merkte langsam aber auch, dass sich dieser Teil, der seit 2004 andauernden Reise durch Europa, dem Ende neigte, denn außer Lockerbie, einem weiteren Besuch in einem wunderschönen Garten in der Nähe der Quelle des Tweed und natürlich Edinburgh, hatten wir alles erreicht und gesehen, was wir uns vorgenommen hatten.

Lockerbie, Moffat und der Weg nach Edinburgh

Lockerbie ging mit trauriger Bekanntheit in die Geschichte Europas ein, da hier weit vor lockerbie-0132.jpgden Anschlägen von New York, Madrid und London ein schrecklicher Terrorakt stattfand. Im Auftrag des libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi wurde am 21.12.1988 eine amerikanische Boing 747 genau über diesem Dorf in die Luft gesprengt und es kamen damals 259 Menschen die an Bord der Maschine waren, aber auch elf Dorfbewohner ums Leben. Mich beschäftigte die Frage, wie wohl fast genau 20 Jahre später das Leben in einer solchen Stadt sein würde. Was würde man merken? Würde man überhaupt noch etwas merken? Ich ging an die Sache so heran, dass ich versuchte so zu tun, als wüsste ich von alldem nichts und ließ die Stadt, wie auch die Menschen einfach auf mich wirken. Es waren sehr starke Gefühle die hier aufkamen, denn es waren viele junge moffat-bb-0140.jpgMenschen dort die zum Zeitpunkt des Terroranschlags noch ganz jung gewesen sein müssen bzw. zum Teil auch noch gar nicht gelebt haben. Vielleicht war auch dies ein Grund dafür, dass man von all dem Terror heute so gut wie nichts mehr in dieser Stadt spürt. Dies stellt natürlich letztendlich eine positive Entwicklung dar. Trotzdem war es ein Besuch der mich gerade auch emotional stark getroffen hat und gerade dadurch auch auf mich als Künstler eine gewisse inspirierende Wirkung hatte. Nach diesem Besuch fuhren wir weiter in Richtung Edinburgh und fanden bald eines der genialsten B&B dieses Tourabschnittes.

Moffat ist ein nettes kleines Städtchen südlich zwischen Glasgow und Edinburgh gelegen. Es war toll was wir hier vorfanden. Wir hatten unser eigenes kleines Häuschen mit Küche, Satelliten-TV und Platz ohne Ende. Das Frühstück wurde uns morgens an die Tür gebracht, so dass wir auch Mal ganz für uns frühstücken konnten. Bei den moffat-friedhof-0256.jpgVoraussetzungen stand ziemlich schnell fest, dass wir zwei Tage bleiben würden, denn auch strategisch war es hier sehr gut für uns. Zum einen kamen wir hier direkt auf die Autobahn gen Glasgow, zum anderen war es aber auch der Startpunkt zur Scenic Route to Edinburgh, einer landschaftlich besonders schönen Landstrasse nach Edinburgh. Moffat selbst verfügt auch noch über einen sehr schönen alten Friedhof, den ich natürlich auch im Rahmen meiner Dokumentation über europäische Friedhöfe besuchte. Denn auch der Tod ist Teil einer jeden Kultur, um nicht zu sagen eine eigene Kultur. Als erstes Ziel an diesem Tag besuchten wir den Dawyck Botanic Garden, dies war dann auch der vorletzte Garten den wir auf unserer Tour durch Schottland besuchten und dieser war, wie die vielen anderen zuvor auch, einen Besuch wert. Leider fing es an zu regnen und im Verlauf way-to-edinburgh-0291.jpgder folgenden Fahrt wurde es so heftig, dass es keinen Sinn mehr machte, da es ausgeschlossen war Landschaftsaufnahmen zu machen. So kehrten wir schon am frühen Nachmittag, nachdem wir noch in einem netten kleinen Cafe einen Kaffee getrunken hatten, zurück. Wir nutzten die Kombination aus Zeit und Platz, um schon ein Mal in Ruhe das Gepäck neu zu sortieren, da uns ein paar Tage Stadt ohne Auto bevorstanden. Am nächsten Tag starteten wir bei besserem Wetter ein weiteres Mal auf die Scenic Route to Edinburgh und ich bekam auch endlich meine gewünschten Photos. Nachdem wir noch kurz die Quelle des Flusses Tweed, wo auch schon Merlin gewesen sein soll, besucht hatten, ging es noch kurz nach Glasgow rein, um dann das vorletzte Highlight im Bereich Castles aufzusuchen.

Edinburgh-Das große Finale

Wir hatten es geschafft Stirling Castle, definitiv ein Ort der auch auf keiner Schottlandreise fehlen darf. Auch wenn wir hier leider wieder von einigen Bauarbeiten undstirling-castle-0399.jpgGerüsten begrüßt wurden, was gerade auch motivtechnisch nicht so optimal war, hatte sich auch dieser wichtige Besuch gelohnt. Auf der Suche nach einer letzten Übernachtungsmöglichkeit vor Edinburgh, wo wir uns im Vorfeld um ein Apartment in der Stadt gekümmert hatten, folgten wir mit dem Coastal Trail einer Straße in Richtung Culross und dies war schon erschreckend. Man sollte es vielleicht eher Industrial Trail nennen, denn die meiste Zeit fährt man vorbei am Firth of Forth auf der gegenüberliegende Seite von Edinburgh und blickt auf die dortigen Raffinerien. Ich kann nur sagen, es gibt romantischere Küstenstrassen in Europa. Die Nacht verbrachten wir im Duffus Park House. Zufälle im Leben gibt es. Denn hier wohnen die Nachfahren genau der Duffus über dessen Castle ich im letzten Bericht aus dieser Reihe geschrieben hatte und dies Mal klappte es auch mit der Statik viel besser. Auf Grund der optimalen Lage vor den Toren Edinburghs, hatten wir auch kein Problem unseren, definitiv nicht lieb gewonnenen, Alfa edinburgh-castle-0699.jpgRomeo am nächsten Morgen am Flughafen, dieser etwas über 400.000 Einwohner zählenden Stadt, abzugeben. Eigentlich lief dies auch problemlos, außer dass der Mitarbeiter von Hertz sich mangels Telefonnummer, nicht in der Lage fühlte uns ein Taxi zu rufen. Nach einem kurzen Wortgefecht und der Einmischung eines Kollegen, der den Tipp gab, doch die Auskunft anzurufen, bekamen wir allerdings doch noch ein Taxi und konnten so bald relativ entspannt Mitten in der Altstadt von Edinburgh, an der Royal Mile, ein paar Meter unter dem ehrwürdigen Edinburgh Castle einchecken.

Edinburgh, was ich bislang auch bei jedem meiner Besuche in diesem Land aufsuchte, zählt für mich zu meinen Lieblingsstädten in Europa. Es hat dieses persönliche Flair, wie ich ihn sonst nur aus meinem so geliebten Ljubljana in Slowenien, wo ich auch immer wieder gerne bin, kenne. Natürlich muss man sich hier kurz umstellen, denn das Leben ledinburgh-garden-0625.jpgäuft in der zweitgrößten Stadt Schottland anders, eben viel ruhiger. Die Geschäfte schließen zwischen 17.30 Uhr und 18.30 Uhr und die Pubs und ähnliches schließen spätestens um 23 Uhr ihre Pforten. Wir besuchten auch hier noch zwei Highlights der Art, wie sie die ganze Tour geprägt hatten. Zum einen natürlich das großartige Edinburgh Castle, welches wunderschön über den Dächern der Stadt thront und zum zweiten den Royal Botanic Garden Edinburgh. Es handelt sich um eine Parkanlage am Rande der Stadt, die zum größten Teil frei zugänglich für jeden ist, da sie so etwas wie der Stadtpark Edinburghs ist. Was natürlich auch nicht fehlen dürfte war ein Besuch im Hard Rock Cafe. Denn es ist über die Jahre der Reise schon so etwas wie gute alte Tradition geworden, diese überall zu besuchen. Auch wenn ich dieses schon kannte, war es trotzdem wieder sehr angenehm dort zu sein. Wir genossen die ganzen edinburgh-crazy-0788.jpgTage über die Ruhe in dieser Stadt. Da wir, wie erwähnt, außerordentlich zentral wohnten und damit ähnliches Glück hatten, wie ich es damals mit meinem Apartment an der Karlsbrücke in Prag hatte, erledigten wir auch alles zu Fuß. Genau dies brachte dann natürlich auch den Vorteil, noch ein Mal viele spannende Werke, in einem urbanen Kontext, entstehen zu lassen. Man muss schon einräumen, dass diese letzten Tage in dieser schönen und manchmal auch etwas verrückten Stadt, ein mehr als gelungenes Finale eines recht großen und wunderbaren Tourabschnitts dieses Projektes darstellten. Nach fast einem Monat in Großbritannien, ging es dann mit etwas Wehmut wieder zurück in die Domstadt nach Köln.

Freude teilen: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • email
  • Facebook
  • Fark
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • LinkedIn
  • Twitter

Bisher 2 Kommetare

  1. 18. April 2012

    | 10:09

    [...] herrscht das Vorurteil deshalb, weil im Vereinigten Königreich die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer relativ gering ist. An rund zwei Drittel [...]

  2. 24. März 2016

    | 09:55

    […] Geografie ist zu sagen, dass Nordirland die Fortsetzung des Landschaftsbildes von Nordengland und Südschottland bietet und dies nach Westen hin. Wie man es überall von den Britischen Inseln gewohnt ist, […]

Auch Deine Meinung zur Kunst ist wichtig