Art for Europe

Kontinent der Kunst

Eine lange und kalte Nacht in Köln

Ich bin jetzt schon seit fast zweieinhalb Jahren Wahlkölner und habe mich mittlerweile auch richtig gut in dieser Stadt am Rhein eingelebt. Allerdings muss ich auch einräumen, dass wenn ich in der Stadt bin, ich mich meistens um das Tagesgeschäft, also um meine journalistischen Tätigkeiten oder aber natürlich vor allem auch um meine Kunst kümmere. Natürlich bin ich auch immer wieder in Galerien unterwegs, treffe mich hier mit Künstlern oder Besuche großartige Events, es wäre aber übertrieben zu behaupten, dass ich jedes Detail über die Kunstszene in Köln kennen. Natürlich gibt es auch in dieser Metropole ausreichende Events, um sich ein noch besseres Bild davon zu verschaffen, was die Kunst und Kultur der Stadt so zu bieten hat. Eines dieser Events ist mit Sicherheit die `Lange Nacht der Kölner Museen`, die jährlich im November in der Stadt stattfindet. Bislang hat es allerdings terminlich für mich nie gepasst, dieses künstlerische und kulturelle Highlight mitzuerleben. In diesem Jahr sollte sich dieser Zustand nun aber endlich ändern.

10. Lange Nacht der Kölner Museen

Die `10. Lange Nacht der Kölner Museen` startete um 19 Uhr, allerdings ging es für mich erst etwas später los, da ich zuvor noch einen Termin im Rahmen von `Das postdemokratische Konjunkturpaket III` hatte, denn es gibt auch nach der Premiere noch immer viele Menschen, die mich in diesem Kontext besuchen. So startete ich erst gegen kurz nach 20 Uhr. 01-ein-arbeitsplatz.jpgAus der Erfahrung heraus, dass ich schon unzählige Veranstaltungen dieser Art in anderen Städten besucht habe, war mir im Vorfeld klar, dass ich egal wann ich starten würde, es niemals schaffen würde alle Locations zu besuchen. Auch wenn ich mich von Zeit zu Zeit gerne etwas treiben lasse, bereitete ich mich diesmal detailliert auf diese Nacht vor, um möglichst viele der Kulturorte aufzusuchen, die mich interessierten. Offiziell wurden in der Zeit von 19 Uhr bis 3 Uhr fünf Touren angeboten, wobei für mich die `City Tour`, wie auch die `Tour Süd` ganz oben auf der Agenda standen. Köln diente für mich schon sehr häufig als traumhafter Lieferant für Motive, die dann natürlich auch immer wieder in meine Arbeiten einflossen, allerdings freute ich mich auch nun einmal die andere Seite der Kunst und Kultur in dieser Stadt so geballt näher kennen zu lernen. Soviel sei an dieser Stelle schon einmal vorab verraten, die Stadt hat wirklich einiges mehr als nur gute Motive zu bieten, dies sollte mir in dieser Nacht auch noch einmal bewusst werden. Ich muss aber auch einräumen, dass mir andere Dinge auch wieder sehr deutlich wurden und somit auch die ein oder andere Enttäuschung dabei war.

Persönliches

In dieser Nacht startete ich also mit der `Tour Süd` und nutzte dazu den extra für diese Nacht eingerichteten Shuttle-Service. Jeder der sich ein bisschen mit dem Thema Bus und Bahn in Köln auskennt, weiß wie kritisch dieses Thema ist, um 03-hm_zweifeldaemon.jpges einmal außerordentlich vorsichtig zu formulieren und dies sollte sich auch in dieser Nacht wieder bewahrheiten. Startete ich noch bei gut 5 Grad Celsius, wurde es erwartungsgemäß mit jeder Stunde die es tiefer in die Nacht ging kälter, da ist es natürlich sehr unangenehm, wenn die Wartezeiten immer länger werden. Man darf sich gar nicht überlegen, wie viel mehr Kunst ich hätte sehen können, wenn ich nicht ständig frierend auf den Shuttle-Bus gewartet hätte. An dieser Stelle muss nachgebessert werden, denn in anderen Städten ist dies wesentlich besser gelöst. Nach einem enttäuschenden Start im `Haus der Architektur`, ging es dann weiter im `Kunsthaus Rhenania` und dies war ein erstes wirkliches Highlight an diesem Abend. Natürlich habe ich zu diesem Kulturort auch einen persönlichen Bezug, da ich dort einige Künstler kennen, die dort ihre Ateliers haben aber auch von diesem persönlichen Bezug abgesehen, war es ein sehr schlüssiger Veranstaltungsort mit einer sehr spannenden Ausstellung in den Kellerräumen, Konzerten auf verschiedenen Ebenen und dem Vorteil, dass einige der dort ansässigen Ateliers geöffnet hatten. Es sollte allerdings direkt noch ein weiteres Highlight folgen. Martin Claßen und `Das Scheitern des Imaginären` im `Forum für Fotografie`. Für mich zeigte diese Ausstellung vor allem den Zerfall des Christentums, was natürlich ein Thema ist, dem ich mich auch sehr verbunden fühle.

Die Klassiker

Bevor die großen Klassiker der `City Tour` auf dem Programm stehen sollten, stand mit dem `Neuen Kunstforum` noch eine große Enttäuschung auf dem Plan und auch die `Köln International School of Design` konnte mich nicht wirklich überzeugen. Es wirkte mehr wie eine große Uni-Party, bei der nebenbei auch ein wenig Design gezeigt wurde. Als Abschluss dieser Tour stand dann noch ein weiteres Highlight auf dem Plan. Das `Alte Pfandhaus` ist nicht nur eine sehr schöne Location, auch die hier gezeigte Rauminstallation von Gaby Ludwig mit dem Titel `A-THEOS` überzeugte außerordentlich. 02-futurepast-domkunst.jpgNachdem ich leider auch nach diesem tollen Erlebnis, bei dem es auch wieder um das Thema Religion und Glauben ging, viel zu lange in der Kälte stand, ging es zurück zum Hauptpunkt der Tour, dem Kölner Neumarkt, wo alle Touren starteten und endeten. Nun ging es mit der `City Tour` weiter und da es mittlerweile schon weit nach 1 Uhr war, wurde mir klar, dass ich von den vielen Klassikern auch nur noch einige, wenige sehen würde. Aus diesem Grund sparte ich mir auch die Locations im Kontext zum Kölner Dom und startete hier mit dem `Museum für Angewandte Kunst`. Erwartungsgemäß war dies natürlich ein Klassiker, wie auch ein absolutes Highlight der Tour, welches mich so schnell auch nicht mehr loslassen sollte. Von hieraus hatte ich dann gerade noch Zeit in eines der bekanntesten Museen der Stadt zu kommen und so endete diese `10. Lange Nacht der Kölner Museen` für mich im `Museum Ludwig`, wo auch die Abschlussparty dieser Nacht stattfinden sollte. Allerdings sollte auch dieses letzte Highlight eine kleine Enttäuschung mit sich bringen.

Alles in allem

So schön diese lange Nacht der Museen auch war, muss ich einräumen, dass ich sie im Vergleich zu anderen Veranstaltungen dieser Art eher im unteren Teil des Rankings einordnen muss. Natürlich ist der November nicht gerade der Topmonat für eine Veranstaltungen bei der man immer wieder draußen steht und vor allem nicht wenn die Taktung 04-hbg-muc-04.jpgder Busse einen für mich nicht zu ergründenden Rhythmus folgen. Wenn man dann an verschiedenen Orten immer wieder das Gefühl bekommt, schon lange vor dem offiziellen Ende der Veranstaltung herausgekehrt zu werden, ist dies auch ein eher unbefriedigender Zustand, gerade auch in einer Nacht in der jede Minute zählt. Dies war übrigens auch das Problem im `Museum Ludwig`, wo man mir doch eine ganze Zeit vor 3 Uhr schon den Zugang zur Kunst verweigerte. Aber auch Engpässe bei Getränken oder ähnliches, sollten eigentlich nach 10 Jahren nicht mehr auftreten, sondern mit ausreichender Routine abgearbeitet werden. Natürlich habe ich auch in dieser Nacht wundervolle Kunst sehen dürfen, wahnsinnig viele nette Künstler treffen können und letztendlich muss man auch einräumen, dass der Preis für die gebotene Vielfalt gerechtfertigt ist. Allerdings und dies muss man auch berücksichtigen, gibt es noch Defizite in den Details und dies darf in meinen Augen nach 10 Jahren einfach nicht mehr passieren. Ob ich mir dies im nächsten Jahr noch einmal antun werde, kann ich am heutigen Tage noch nicht abschließen beantworten, bin aber doch eher geneigt zu pausieren und die tolle Kunst und Kultur in dieser Stadt auf anderen Wegen zu genießen.

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