Art for Europe

Kontinent der Kunst

Die Sahara des Nordens

In diesem Teil meiner Reiseberichte geht es um ein weiteres, großes Highlight meiner seit 2004 andauernden Tour durch Europa. Die Rede ist von der Sahara des Nordens oder viel mehr von der wundervollen, kleinen niederländischen Insel Vlieland. Hiermit klärt sich nun auch auf, warum ich immer wieder Harlingen besuchte, wie ich zuletzt erwähnte. Denn um nach Vlieland zu gelangen, muss man die  Fähre benutzen und diese sticht eben von Harlingen aus in See. Bislang besuchte ich diese traumhafte Insel drei Mal. Ein Mal als Jugendlicher, während eines Segeltörns und dann auch schon zwei Mal für das Projekt Art for Europe. Diese durchaus überschaubare Insel inspiriert mich auch immer wieder künstlerisch, wahrscheinlich ist auch dies einer der Gründe dafür, dass ich weiß, dass ich immer wieder hierher zurückkehren werde. Unabhängig von der Kunst und Kultur ist diese Insel aber jedem zu empfehlen, der wie ich auch Wind, Wetter und Meer liebt.

Wenn die Kampfjets grüßen

Bei meinem ersten Besuch, während dieser Tour, auf der Insel hatte ich ein kleines Häuschen in der Nähe des Ortskerns. Hier zu sei erklärt, dass es auf dieser Insel auch nur einen Ort gibt. Es gibt zwar an der gegenüberliegenden Westküste noch eine Ansammlung von Ferienhäusern etc. aber der eigentlich 01-vlieland-city.jpgOrt liegt direkt am Hafen. Es gibt auf dieser Insel auch nur einen Arzt, der somit 365 Tage im Jahr 24 Stunden Dienst hat. Hier ist eben alles etwas anders. Es gibt zwar einige Autos auf dieser Insel aber dieses Privileg ist den Einwohner vorbehalten, denn Autos dürfen ansonsten nicht auf die Insel. Dies ist aber auch alles kein Problem, da man hier alles zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad erreichen kann. Und Fahrräder bekommt man hier natürlich in allen Ausführungen, an jeder Ecke. Kaum von der Fähre aus an Land gegangen, wird einem auch schon das Gepäck abgenommen und auf einen Hänger verladen. Man wird gefragt, wo man wohnt und bevor man es selber gefunden hat, ist auch schon das Gepäck geliefert. Ich hatte bislang immer das Glück außerhalb der Ferienzeit hier zu sein und ich möchte auch nicht wissen, wie es auf dieser wirklich idyllischen Insel zu geht, wenn sie in Ferienzeiten von Touristen überrannt wird. Das es in einigen der Läden der Insel die Möglichkeit gibt eine Nummer zu ziehen, lässt allerdings nichts Gutes erahnen. Aber damit hatte ich nie ein Problem und so konnte ich die Strände, die wirklich unendlich weit sind, eigentlich fast immer alleine genießen. 02-vlieland-strand.jpgHier entstand übrigens auch meine Photokunstwerkreihe StrandGut, denn Strandgut hat auf dieser Insel eine ganz besondere Bedeutung. Dies stellte auch ich fest, als ich mich mit dem Fahrrad auf den Weg in die Sahara der Nordens machte. Hierbei sprechen wir immerhin mit 25 Quadratkilometern von der größten zusammenhängenden Sandfläche in ganz Nordeuropa. Ich radelte also entspannt an den Rand dieser riesigen Sandfläche, die fast die Hälfte der Insel ausmacht und ging den Rest zu Fuß, da der Sand mit dem Rad nicht zu bewältigen war. Plötzlich sah ich etwas interessantes am Horizont.

Nein, es waren nicht die Kampfjets, die ich von hier schon immer gewohnt war, denn dies ist auch der einzige Bereich in Europa, wo die NATO mit Kampfjets und scharfer Munition übt. Es waren Panzerwracks, die mich natürlich als Motiv reizten. Da ich zu diesem Zeitpunkt davon ausging, dass hier mittlerweile nicht mehr scharf geschossen würde, kümmerte ich mich auch nicht sonderlich um die Warnschilder. 03-vlieland-man.jpgDies änderte sich, als ich ziemlich nah das Bordfeuer eines Kampfjets hörte und sah wie sich vom Horizont aus ein Militärfahrzeug auf den Weg machte. Ich beschloss das Gebiet schleunigst wieder zu verlassen. Ich wusste aber das es eine Möglichkeit gab in die Sahara des Nordens zu gelangen, also lief ich längst der Absperrung entlang in Richtung Meer. Irgendwann traf ich auf Maarten und seinen riesigen MAN-Truck. Wir kamen ins Gespräch und er erklärte mir, dass er Führung durch die Sahara des Nordens mit seinem Truck machen würde. So verabredeten wir uns für den Folgetag und ich nahm für diesen Tag Abschied von der Sahara des Nordens. Am nächsten Tag sollte es dann los gehen. Maarten erklärte mir, dass er selber bei der niederländischen Armee war und deshalb gute Kontakte zum Militär hätte, was diese Touren ermöglichen würde. Denn er steht über Funk mit dem Tower in Verbindung, so dass die Kampfjets,04-vlieland-rettungshaus.jpgwährend er durch die Sahara des Nordens fährt, auf der anderen Seite bomben. Es ist schon ein krasses Gefühl mit diesem riesigen Truck dadurch zu fahren und zu sehen, wie auf der anderen Seite der Insel die Bomben explodieren. Umso spaßiger ist es dann, wenn die Kampfjets im Tiefflug auf einen zu fliegen und freundlich grüßen, in dem sie mit den Flügeln wackeln. Hauptziel dieser Tour, durch diese berauschende Sandlandschaft, war das alte Rettungshaus. Ein Stelzenhaus Mitten im Nichts umgeben von merkwürdigen Skulpturen. Dieses Haus diente früher als Rettung für die Menschen, die dort festsaßen, wenn das Wasser kam. Denn diese gesamte Sandfläche steht einen Teil des Jahres unter Wasser und bei den Distanzen würde man dann wirklich ein Problem bekommen. Ich hatte hier draußen gar kein Problem, sondern genoss einfach nur die Weite und das Nichts in vollen Zügen.

Strandgutjäger

An dieser Insel werden jährlich Tonnen von Strandgut angespült und dies erklärte auch die Skulpturen. Denn alles was halbwegs handlich ist, sammelt Maarten und verstaut es in dem eben erwähnten Rettungshaus, was es zu so etwas wie einem 05-vlieland-strandgut.jpgStrandgutmuseum macht aber natürlich gibt es auch viele größere Teile und aus diesen bastelt Maarten dann hier draußen diese interessanten Strandgutskulpturen. Ich war von all dem doch sehr beeindruckt und inspiriert. Zu Maartens Truck sei noch erwähnt, dass er eine ganz besondere Bereifung hat und die ist ein echtes kulturelles Highlight. Ein Mal im Jahr findet ein Gedichtswettbewerb statt und das Siegergedicht wird dann als Profil für den Reifen genutzt und so die gesamte Saison über tausendfach in de Sand der Insel geschrieben. Man muss nun aber nicht meinen das es hier nur Sand, Strand und spannende Fundsachen geht. Die Insel hat natürlich noch viel mehr zu bieten. So ist sie zum Beispiel in ihrer Mitte ziemlich grün, was natürlich zu ausgiebigen Spaziergängen einlädt. So ist es immer wieder wundervoll vom Ort aus durch den Wald auf die andere Seite an die Westküste zu spazieren. Das Dorf selbst verfügt über alles was man braucht, es gibt die nötigsten Geschäfte und auch wirklich nette Restaurants und Bars, so dass einem auch Abends nicht langweilig wird. Verständlicherweise ist hier draußen alles ein klein wenig teurer, da alles mit dem Schiff geliefert werden muss aber wer ein Mal hier war, weiß das es sich lohnt, dies in Kauf zu nehmen. 06-vlieland-leuchtturm.jpgWenn man so durch den Ort schlendert, kann man sich wirklich kaum vorstellen, wie es hier wohl ist, wenn hier plötzlich bis zu 10.000 Touristen sind. Am Ende des Ortes, ganz in der Nähe des romantischen Leuchtturms, fand ich dann auch noch ein Highlight für mich, denn hier findet man den Friedhof der Insel. Dieser ist so verwunschen, dass man glatt glauben könnte hier würde es spuken und die Geister alter Seefahrer würden einem begegnen. Ein weiterer sehr besonderer Platz auf diesem Eiland, den ich natürlich auch für meine Sammlung europäischer Friedhöfe festhielt.

Aber wie zu Beginn erwähnt, war ich während meiner Tour schon zwei Mal dort. Bei meinem zweiten Besuch auf der Insel begleitete mich zum ersten Mal auf dieser Tour auch mein Vater, weil auch er ein Stück dieses Projektes miterleben wollte, was diesen Abschnitt natürlich auch ein noch Mal besonders machte. Ich war von der Gemeindeverwaltung eingeladen worden, da ich mir Gedanken über ein großes Kunstprojekt draußen in der Sahara des Nordens gemacht hatte und man von Seiten der Gemeinde Vlieland an meinen Ideen interessiert war. Mein Plan war es, inspiriert von 07-vlieland-strandgutskulpturen.jpgMaartens Skulpturen, dort draußen einen Skulpturengarten mit Arbeiten von mir entstehen zu lassen. Ich wollte eine große Anzahl von Engeln aus Strandgut entstehen lassen. Man kann sich natürlich vorstellen, dass dieser Besuch doch sehr arbeitsintensiv war, da es natürlich in dieser Zeit viele Meetings mit den verschiedenen Gemeindevertretern etc. gab. Aber trotzdem, dort zu arbeiten hat einen ganz besonderen Flair und ist natürlich nicht mit irgendwelchen Meetings in Hotels in den Metropolen Europas zu vergleichen. Meine Gesprächspartner waren von meinem Konzept angetan und wir kamen auch sehr gut mit der Planung voran und konnten verschiedenen, für die Insel wichtige Aspekte mit einbinden. Material stellte natürlich gar kein Problem dar, da es täglich in rauen Massen angespült wird. Allerdings muss man natürlich bei einem solchen Projekt hier draußen, wo das Klima doch auch schon Mal ziemlich extrem sein kann, einiges bedenken, was die Festigkeit und die Haltbarkeit dieser Werke angeht. Genau an diesem Punkt entstanden dann natürlich noch ein Mal erhebliche Kosten und wie es so häufig in der Kunst und der Kultur ist, wird es an diesen Punkten oftmals kompliziert. 08-vlieland-landschaft.jpgIm Fall meines Skulpturenparks bedeutete dies leider, dass wir uns bis heute nicht einig werden konnten und es mittlerweile auch so aussieht, dass ich dieses Projekt, auf dieser Insel erst ein Mal nicht realisieren werde. Allerdings bin ich noch jung und die Insel trotzt schon seit Jahrhunderten Wind und Wetter, also werde ich abwarten und schauen wie sich die Dinge entwickeln. Unabhängig von diesem künstlerischen Aspekt, werde ich allerdings, wie zu Beginn schon beschrieben, noch öfters hierher zurückkehren, da es wirklich ein wundervolles Fleckchen Europa ist.

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Bislang ein Kommentar

  1. 15. Februar 2012

    | 17:30

    [...] Hauptstadt der Niederlande ist die Hafenstadt Amsterdam, die jährlich Millionen von Touristen anzieht. Dabei fasziniert [...]

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