Art for Europe

Kontinent der Kunst

Die Leere vom Teufelsmoor bis hinter Stockholm

Damit jetzt nicht der falsche Eindruck entsteht, ich hätte mich in meiner Zeit in Norddeutschland nur meiner Kunst bzw. der von Jonathan Meese gewidmet, sei erklärt, dass ich auch in dieser Zeit ordentlich in Europa unterwegs war. Wie bereits beschrieben war ich im französisch-spanisch Grenzgebiet unterwegs aber natürlich auch im Norden Europas. Denn was ist nahe liegender als Skandinavien, wenn man sich in Norddeutschland aufhält. Zu dieser Zeit in Norddeutschland hatte ich die Unterstützung einer Freundin namens Bine. Ein großer Vorteil der sich so ergab war, dass wir diesen Teil der Tour mit einem VW-Bus bestreiten konnten, mit dem wir uns gut 3.000 Kilometer durch Dänemark und Schweden bewegten und in diesem natürlich auch die meiste Zeit wohnten. Einen Grund dafür, dass ich den Norden so liebe, ist seine Leere. Niedersachsen ist schon ziemlich dünn besiedelt, was einem vor allem auffällt, wenn man mit Nordrhein-Westfalen aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland stammt. Aber desto nördlicher es ging, desto leerer wurde es. Natürlich war es nicht nur die Leere, die mich dort im Norden dieses Kontinentes so faszinierte.

Louisiana das dänische Highlight

Eines Morgens ging es vom Teufelsmoor aus los und wir fuhren an Hamburg vorbei, kurz über den Fehmarn Belt und ehe wir uns versahen, waren wir auch schon in Dänemark. Ich muss an dieser Stelle allerdings einräumen, dass ich zu diesem schweden-kaffee.jpgZeitpunkt noch ziemlich enttäuscht von diesem Land war, um es ein Mal ganz vorsichtig zu formulieren. Dieser Zustand sollte sich auch erst bei einer späteren Reise ändern. Wir fuhren über die Autobahn Richtung Kopenhagen und da war es, das große Nichts, soweit das Auge blicken konnte und man konnte dort verdammt weit blicken. Das mit der Leere galt allerdings nicht für die Autobahn, auf der reichlich viel los war. Kopenhagen ließen wir zu diesem Zeitpunkt erst ein Mal links (in Wirklichkeit war es, glaube ich eher rechts) liegen, denn kurz dahinter stand unser erstes Highlight auf dem Programm. Das Louisiana, meiner Meinung nach eines der genialsten Kunstmuseen mit Skulpturengarten in ganz Europa. Ein befreundeter Künstler, Lutz Motzer, hatte mir immer von diesem Museum vorgeschwärmt, da er selbst völlig davon louisiana-baselitz.jpgangetan war. Motzer, der aus Wien stammt und selbst schon mit Künstlern wie Friedensreich Hundertwasser ausgestellt hatte, ist eine Person der ich gerade auch in Kunstfragen blind vertraue und der Besuch im kleinen Dorf Humlebaek, direkt hinter Kopenhagen, zeigte mir ein Mal mehr, dass ich dies auch kann. Dieses Museum, welches über 3.000 Kunstwerke zu bieten hat, ist schlicht und ergreifend grandios. Egal ob Georg Baselitz, Robert Rauschenberg, der große Andy Warhol oder auch Anselm Kiefer, hier findet sich alles, was das Künstlerherz begehrt. Umrahmt ist all dies von wundervoller, schlichter, offener Architektur, die das Gesamtbild abrundet.

Der Skulpturengarten ist das nächste Highlight, nicht nur das auch hier große Namen vertreten sind, hat man auch einen wundervollen Ausblick über den Öresund. Das ist es wohl was dieses Museum, welches zu den bedeutendsten in ganz Skandinavien gehört, ausmacht, dieses Zusammenspiel von louisiana-oeresund.jpgNatur, Architektur und eben ganz großartiger Kunst. Nachdem wir wesentlich mehr Zeit als eigentlich geplant an diesem wundervollen Ort der Kunst verbracht hatten, ging es dann weiter nach Schweden. In Schweden selbst fiel mir vor allem eines auf, hier wirkte die Leere wesentlich angenehmer, als noch zuvor in Dänemark. Dänemark, wohlgemerkt ohne Grönland und die Färöer Inseln, hat eine Fläche von gut 43.000 qkm bei einer Einwohnerzahl von etwa 5,5 Millionen. Schweden hingegen hat zwar etwas über 9 Millionen Einwohner, allerdings verteilen diese sich auf etwa die 10-fache Fläche, also auf gut 450.000 qkm. Wie man sieht ist Schweden noch leerer als Dänemark. Ein grandioser Pluspunkt Schwedens ist es außerdem, dass man so gut wie überall campen kann. Man sucht sich einfach einen schönen See, ein passendes Plätzchen und schon kann es losgehen. Vielfach schwedischer-nachthimmel.jpgsind die Parkplätze an den Seen auch mit Duschen und Toiletten ausgestattet, was das ganze dann noch luxuriöser macht. Es gibt eigentlich nur eine ganz einfacher Regel die man zu befolgen hat, hinterlassen den Platz so, wie du ihn vorgefunden hast und das ist eigentlich immer absolut sauber. Im Gegensatz zu dem eben beschriebene Stück Dänemark, ist die Landschaft hier allerdings auch grandioser. Es gibt tolle Schluchten, grandiose Wasserfälle, einfach ein sehr abwechslungsreiches Programm neben der Kunst.

Auf nach Stockholm

Da diese Reise, wie ansonsten eher unüblich für mich, mit einem ausreichenden Zeitfenster versehen war, konnten wir die Landschaft und das Leben in ihr ausgiebig genießen und es entstanden faszinierende Photoreihen, während wir uns ganz schweden-klosterruine.jpglangsam entlang des Väddernsees bewegten, wo man neben wundervollen Klosterruinen und verwunschenen Friedhöfen auch immer wieder einfach nur Ruhe fand. Wir bewegten uns langsam aber sicher immer weiter in Richtung Nordost, denn natürlich wollten wir auch noch Stockholm besuchen. Noch weit vor Stockholm wurde mir, überwältigt von soviel schöner Natur, klar, dass die Kapazität meiner Kamerachips niemals für diesen Teil der Reise ausreichen würde. Allerdings machte ich mir auch keine allzu großen Gedanken da für mich feststand, dass ich in Stockholm ein Internetcafe finden würde, um meine Photos auf CD zu brennen. Kamerachips in Schweden zu kaufen, ist ein eher nicht so kluger Einfall, da sie dort wesentlich teurer sind als in Deutschland. Außerhalb von Stockholm gönnten wir uns dann doch ein Mal den Luxus eines Hauses für eine Nacht. Hier tankten wir noch ein Mal richtig Energie für den Besuch Stockholms auf. Am nächsten Morgen ging es dann auf in einer der skandinavischen Metropolen. In dieser Stadt gibt es natürlich so bedeutende Kunstmuseen, wie das Schwedische Nationalmuseum mit gut 16.000 Kunstwerken, die gerade auch den Freunden klassischer Größen der Kunst Freude bereiten dürften aber es gibt auch das Magasin 3, wie sich stockholm-1.jpgdie 1987 gegründete Kunsthalle der Stadt nennt. Hier findet man sehr interessante Exponate der Gegenwartskunst. Architektonische hat Stockholm natürlich, wie eigentlich jede Großstadt, einiges für meine Photokunst zu bieten. Aber diese Stadt hat auch zwei gravierende Nachteile. Sie war mir wesentlich zu unruhig, es war viel zu viel Gewusel und das bei gerade ein Mal knapp 800.000 Einwohnern. Außerdem war die Möglichkeit meine Photos vom Chip zu brennen so gut versteckt, dass ich sie nicht fand.

Wir liefen einige Stunden durch die Stadt, diese Zeit nutzte ich vor allem dafür meine Architekturphotos zu machen. Um die Mittagszeit ging ich einem meiner wenigen Hobbys nach und wir suchten das Hard Rock Cafe. hrc-stockholm.jpgEine Leidenschaft von mir. Ich muss allerdings einräumen, dass dies in meinen Augen eines der schlechteren war und ich habe schon eine ganze Menge Hard Rock Cafes besucht. Vor allem aber ließ der Service zu wünschen über. Frisch gestärkt machten wir uns auf eine weitere Runde durch die Stadt, um in die Gamla stan zu gelangen, so nennt sich hier die Altstadt. Zur Altstadt muss ich sagen, dass diese wunderschön war, viele liebevolle kleine Gassen mit netten Geschäften, Straßencafes und traumhaften Brücken. Doch, diesen Teil der Stadt kann man wirklich empfehlen. Bei einem entspannten Cafe beschlossen wir nicht in der Stadt zu übernachten, sondern uns wieder auf in die schwedische Einsamkeit zu machen, denn noch ein Tag im stockholm-2.jpgVenedig des Nordens, wie man Stockholm auch gerne nennt, musste nicht sein. Da sich der Tag dem Ende zu neigte und wir durch die vielen Eindrücke der Metropole auch ziemlich erschöpft waren, gönnten wir uns den Luxus eines Campingplatzes etwas außerhalb von Stockholm. Soweit war der Plan auch in Ordnung aber vielleicht hätte uns der nette Campingplatzwächter George nicht erst am nächsten Morgen sagen sollen, dass dieser Campingplatz bis vor kurzem noch ein Kartoffelacker war. Dieses Detail war uns am Abend zuvor in der Dunkelheit entgangen. Die Folge war, wir kamen nicht mehr weg. Die Räder unseres Busses gruben sich im nu in den Schlamm ein. George war so nett und wollte uns mit seinem Lada Niva rausziehen. Putzige Idee. Andere versuchten uns danach mit einem schweren Nissan Geländewagen zu befreien, allerdings scheiterten sie ebenfalls am völlig verschlammten Boden. So blieb nur die klassische Methode, Räder freischaufeln, Holzbretter unterlegen und schon, nach fast zwei Stunden, konnten wir diesen Acker endlich verlassen und machten uns auf in Richtung Uppsala, eine Stadt die sehr viel Temperatur hat aber die Geschichte gibt es beim nächsten Mal.

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Bislang ein Kommentar

  1. 15. Oktober 2012

    | 16:38

    [...] Philipp Lahm wird nach der Gelbsperre gegen Schweden wieder mit von der Partie sein. Ansonsten hat der DFB-Coach die Qual der Wahl. Selten war die [...]

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