Art for Europe

Kontinent der Kunst

Die hohe Kunst der Dokumentation – Hilla und Bernd Becher

Ermöglicht durch: hÜlsberg-Die Sache mit dem Ü! Das mir Schwarzweiß-fotografie sehr besonders am Herzen liegt, zeigt sich nicht nur in meinen eigenen Arbeiten, die gerade auch im aktuellen Kunstkalender zu sehen sind, sondern auch, wenn es um großartige Fotografen geht, die sich seit Jahrzehnten einen großen Namen gemacht haben.
Ein sehr gutes Beispiel dafür, was ich damit meine, ist die aktuelle Ausstellung `Hochofenwerke`, die im Moment in der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur in Köln in Zusammenarbeit mit Hilla Becher zu sehen ist.
Hilla Becher ist die Witwe von Bernd Becher und gemeinsam schafften sie es, unter anderem Hochofenanlagen zu so etwas wie Modells werden zu lassen. Über all die Jahrzehnte dokumentierten sie diese gigantischen Industrieanlagen in einer Herangehensweise, wie man sie ansonsten eher von Biologen und ihren Forschungsobjekten kennt.
Es sind diese Aufnahmen, die bestmöglich veranschaulichen, was hinter dem vielzitierten Ideal von `Form folgt Funktion` steckt. Natürlich sind die Betreiber solcher Anlagen weniger von ästhetischen Ansprüchen getrieben, als dass sie vielmehr die spezifischen Standortbedingungen berücksichtigen und sich von Überlegungen technischer und wirtschaftlicher Optimierung leiten lassen.
Die Art mit der sie diesen ganz speziellen, immer mehr aussterbenden Teil der Industrie mit ihrer Großformatkamera dokumentierten, ist über die Jahrzehnt zu einem ganz eigenen Stil in der Fotokunst gewachsen.
Das Novum dieser Ausstellung, die am letzten Donnerstag im Kölner Mediapark eröffnet wurde, ist, dass die höchst umfangreich erarbeiteten Bildreihen unterschiedlicher Hochofenwerke im nahen Vergleich betrachtet werden können.
Diese Werkreihen, die das Künstlerpaar auf vielen Reisen in Deutschland, Belgien, Luxemburg, Frankreich und in den USA über Jahrzehnte festgehalten hat, werden nun in dieser außergewöhnlichen Ausstellung mit etwa 250 Werken, welche seit den 1960er als Schwarzweißaufnahmen von über 45 Hochofenwerken entstanden sind, bis zum 26. Januar 2014 gezeigt.
Es sind diese Reihen aber auch großformatige Einzelphotographien, die für die Photographische Sammlung der SK Stiftung Kultur von Hilla Becher zusammengestellt wurden, wobei hier auch einige auf Grundlage des originalen Negativs neu abgezogen wurden, die einen einfach nur faszinieren.
Einige der in diesen Aufnahmen gezeigten Hochofenwerke sind inzwischen abgebrochen worden oder wurden zu Industriedenkmälern ernannt, während wieder andere auch jetzt noch der Produktion dienen. Es sind diese Riesen der Industrie, die nicht nur Landschaftsbilder einer Region prägen können, sondern auch unendlich viel über die Geschichte eines Ortes oder gar Landes, mit denen man sie verbindet, aussagen. Dies spürt man natürlich vor allem in den großformatig umgesetzten Landschaftsbildern von Hilla und Bernd Becher.
Hier werden ganz neue Dimensionen spürbar, denn es werden nicht nur die großflächigen Industrieanlagen, ihre förmlich bis zum Himmel ragenden Bauten und Kamine gezeigt, sondern eben auch das Leben im Umfeld. Man erkennt die Verkehrsanbindung, Brachen und Felder aber auch angrenzenden Gärten und Wohnbauten.
Die Anordnung dieser Ausstellung hat wieder einmal etwas von einer ganz großen, sehr gelungenen Komposition. Diese wurde von Hilla und Bernd Becher gemeinsam geschaffen und wird glücklicherweise nach dem Tod von Bernd Becher im Jahr 2007 von seiner Partnerin weiter fortgesetzt. In seinen Augen ist es wohl eine unvollendete Komposition, da er vor seinem Tod so etwas andeutete, woraufhin seine Frau ihm versuchte zu verdeutlichen, was sie in all den Jahrzehnten schon geschaffen bzw. erschaffen hatte. Genau dies ist es auch, was dieses Künstlerpaar so sehr auszeichnet und auch in dieser grandiosen Ausstellung wieder einmal hervorragend präsentiert wird.

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