Art for Europe

Kontinent der Kunst

Der Weg und die Worte des Amor Ben Hamidas

Heute möchte ich einen weiteren Kulturschaffenden aus der schönen Schweiz vorstellen, er ist Autor und sein Name ist Amor Ben Hamida. Er wurde am 10. oder 15. April 1958 in Medenine, einer Gegend in Südtunesien geboren, wo man die Geburt eines Kindes nicht sofort und automatisch meldet, daher könnte er auch fünf Tag jünger sein, als es in seinem Pass ausgewiesen wird.
Im zarten Alter von fünf Jahren verstarb sein Vater und seine Mutter brachte die Familie fortan ohne Rente, Einkommen und Ausbildung durch. Bis zum heutigen Tage bewundert und ehrt er diese Frau, wie niemanden sonst auf der Welt. Ihre Selbstlosigkeit ging so weit, dass sie den in Essen eingebrachten Lohn unter den Kindern aufteilte und ihnen sagte, sie hätte schon gegessen. Erst sehr viel später als Erwachsener erfuhr er, dass das Essen nicht für alle reichte und die Mutter deshalb regelmäßig darauf verzichtete.
Seinen Vater bewundert er ebenso und dies ganz besonders für eine Eigenschaft. Wenn ein Bettler an die Tür klopfte, wenn er sich an seinen kleinen runden Tisch setzte und essen wollte, dann gab er dem Bettler das Essen und sah ihm zu und wenn die Mutter ihm etwas anderes machen wollte, und sei es auch nur ein Spiegelei, antwortete er stets: `Wenn ich mein Essen geben und Ersatz bekommen kann, wo ist da der Sinn? Wenn ich nicht hungrig ins Bett gehe, wie soll Gott mir meine Tat belohnen?`
Mit zehn Jahren kam der Schriftsteller mit seinen beiden Brüdern in ein Kinderdorf in Südtunesien und kein Jahr später wurde er für die Reise in die Schweiz ausgesucht und kam dort ins Kinderdorf Pestalozzi in Trogen. Die Zeit dort hat ihn geprägt und dies gilt für die schönen, wie auch für die schmerzhaften Erinnerungen an diese Zeit. Dies erklärt auch, warum das Multikulturelle und natürlich vor allem auch die Toleranz eine so große Rolle in seinem Leben spielt.
Im Jahr 1975 ging er dann nach Neuchâtel und absolvierte dort eine vierjährige Handelsschule. Danach begann er im Verkauf, Marketing und Product Management zu arbeiten.
1982 kam sein erster Sohn, Joël-Sami, auf die Welt und 1989 wurde Julien-Zakaria geboren.
Vor gut zehn Jahren stieg er in die Informatikbranche ein und dies zunächst als Kursleiter und Trainer bei IBM, dann als Supporter bei UBS und später als Business Analyst für die Swiss Re, wo er bis Ende 2011 arbeitete.
Schon im Alter von 14 Jahren packte ihn die Begeisterung fürs Schreiben. Damals schrieb er noch  ellenlange Gedichte und später wurden es eben so lange Aufsätze. Es gab eine Zeit, da waren seine privaten Briefe selten kürzer als zehn Seiten.
Etwa um 1985 schrieb er nach eigenen Angaben ein schönes Theaterstück, in welchem es um die Entwurzelung eines jungen Mannes ging, seine Ausreise in ein Exil, welches zwar schöner war als seine Heimat, ihn aber nicht glücklich machte. Natürlich, wie es sich für einen Autor gehört, hat dieses erste schöne Werk nicht überlebt und wurde Opfer der Papiersammlung.
Ab dem Jahr  2001 begann er dann ganz ernsthaft darüber nachzudenken, ob er seine Beobachtungen bezüglich transkultureller Beziehungen nicht einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen sollte. Genau dies sollte dann mit seinem ersten Buch `Tunesier sucht Europäerin – zwecks Heirat` auch geschehen. Trotz dieses provokanten Titels geht es darin um die Zerrissenheit, die Zweifel und die Hoffnungen eines jungen Tunesiers, der in Europa das gelobte Land sieht, bis er in Zürich landet und die Realität entdeckt.
Aktuell kann man in `Aufgetaucht – Zum Paradies via Lampedusa` den Gedanken des in Zürich arbeitenden und lebenden Autors sehr gut folgen und gleich auch sehr viel über die Begebenheiten der Menschen in Nordafrika lernen, die längst die Schlagzeilen in Europa wieder verlassen haben.

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