Art for Europe

Kontinent der Kunst

Der Norden und das Kreuz mit Gott

Wie bereits erwähnt, verbrachte ich einen gewissen Teil meiner Projektzeit in Norddeutschland. Zum großen Teil hielt ich mich in Vollersode, genauer gesagt in Wallhöfen im Teufelsmoor in der Nähe von Bremen auf, bevor es mich dann noch für einige Zeit nach Hamburg verschlug. Die Zeit in dieser Gegend Deutschlands prägte mich nicht nur privat, sondern in jedem Fall auch künstlerisch, was sich nicht nur dadurch zeigte, dass ich in dieser Zeit sehr erfolgreiche Ausstellungen hatte, die meinen Weg bis heute beeinflussen sollten. Zu dieser Zeit baute sich allerdings auch mein Kontakt zu Jonathan Meese immer weiter aus und ich dürfte noch unzählige seiner Werke kennen lernen. Darüber hinaus lernte ich aber auch viel über die Kunst im Norden des Landes. Aber natürlich verbrachte ich auch wieder viel Zeit unterwegs in Europa.

Vom Süden Frankreichs bis nach Worpswede

So reiste ich noch ein Mal in den Teil Frankreichs, den ich zuvor so sehr in mein Herz geschlossen hatte und besuchte auch noch ein Mal meinen Freund Paul Leberger. Allerdings muss ich sagen, es war wieder einer dieser merkwürdigen hoetger-worpswede.jpgAbschnitte meiner Reise durch Europa. Es war Anfang April und wir hatten in Deutschland schon teilweise über 20 Grad Celsius aber desto näher ich der französisch-spanischen Grenze kam, desto kälter und ungemütlicher wurde es. Eigentlich wollte ich vor Ort nicht nur einige noch fehlende Photographien nachholen, sondern auch noch ein wenig andere Orte kennen lernen. Allerdings schaffte ich es mich innerhalb von zwei Tagen so sehr zu erkälten, dass es keinen Sinn machte in diesem nasskalten Wetter weiter zu verharren. So trampte ich also schon kurze Zeit später wieder zurück ins Teufelsmoor, wo das Wetter doch wesentlich angenehmer war. Natürlich verbrachte ich, wie so oft zu meiner Zeit in Norddeutschland, immer wieder viel Zeit in einem der bedeutendsten Künstlerdörfer die es in Deutschland gibt. Worpswede. Hier war ich in meinen Kinderjahren schon mit meinen Eltern gewesen und dürfte den Hauch der Expressionisten von Paula Modersohn-Becker (1876-1907) bis Bernhard Hoetger (1874-1949) einatmen. Es ist ein Ort der mich bis heute immer wieder kreativ beeinflusst und den ich jedem Kunstbegeisterten nur ans Herz legen kann.

In dieser Zeit kehrte ich allerdings auch noch ein Mal nach Mannheim zurück, da ich durch die 1966 in Braunschweig geborene Künstlerin Ana Laibach zur Langen Nachte der Museen eingeladen wurde. Diese erstreckt sich ein Mal im Jahr ein-grosser-akt.jpgüber die Städte Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich in dieser Nacht nur Locations in Heidelberg und Mannheim besuchte. Die Werke von Jonathan Meese, die ich noch einige Zeit zuvor in Mannheim gesehen hatte, waren zu diesem Event leider nicht mehr zu sehen. Dafür lernte ich, was ein wirklicher ´großer Akt` ist. Man muss sagen, dass auch dieser Besuch der Kunsthalle Mannheim in dieser Nacht ein Genuss war, wie die restlichen Locations auch. Deshalb ist auch dies ein Kulturtipp, den ich mit ruhigem Gewissen abgeben kann. Wie bereits erwähnt, war meine Zeit in Norddeutschland auch eine sehr kreative Zeit und es kam eine Aufgabe auf mich zu, die mir auf Anhieb doch erst ein Mal Kopfschmerzen bereitete. Ich sollte im Rahmen der Landesgartenschau, die zu dieser Zeit in meiner Geburtsstadt Leverkusen stattfand, ein Werk unter dem Motto `Mein Bild von Gott und mir` schaffen. Hier durch ergaben sich zwei spannende Aufgaben, die es zu lösen galt. Zum einen, dass ich mit dieser Stadt eigentlich künstlerisch gebrochen habe, zum anderen aber auch, dass ich eine sehr differenzierte Meinung zum christlichen Glauben und zur Religion im allgemeinen habe. Der erste Punkt war relativ einfach, denn ich besuchte diese Ausstellung nicht. Mein Vater bot sich an sich von der Auslieferung bis zum Aufbau um alles zu kümmern. Ein Kompromiss mit dem ich sehr gut leben konnte. Im zweiten Punkt beschloss ich einfach meinem künstlerischen Geist, wie auch meiner Sicht des Glaubens, freien Lauf zu lassen und war von den Reaktionen sehr positiv überrascht.

Das Kreuz mit Gott und Jonathan Meese in Hamburg

Ich erstellte ein Holzkreuz, welches jeweils vier Meter maß und auf dem einen Zahlencode aus von mir erstellten Photographien zu sehen war und was nicht nur durch den Titel `Das Kreuz mit Gott`, meinen differenzierten Blick auf das-kreuz-mit-gott.jpgdieses Thema zeigte. Dieses Werk kam sowohl beim Publikum, wie auch bei dem Veranstalter so gut an, dass es weit über die eigentlich geplante Ausstellungsdauer, bis zum Ende der Landesgartenschau, auf dieser zu sehen war. Wo sich das Werk heute befindet ist mir nicht bekannt, denn ich spendete es nach dem Ende der Ausstellung dem Veranstalter, damit er es an eine angemessene Stelle weitergeben konnte. Leider haben Nachfragen bis heute nicht ergeben, wo es sich befindet. Allerdings bin ich mir sehr sicher, dass es an einem passenden Ort sein wird. Wenn wir nun von Installationen reden, sind wir natürlich auch wieder ganz schnell bei Jonathan Meese und wie bereits erwähnt, sollten sich unsere Wege noch häufiger kreuzen. So hatte er seine größte Retrospektive unter dem Titel `Mama Johnny` Seinerzeit in den Deichtorhallen in Hamburg, übrigens eine meiner absoluten Lieblingslocations in Sachen Kunst in Deutschland. Hier wurde die geballte Macht seiner Kunst auf gut 2.500 qm gezeigt. Es war schlicht und ergreifend grandios. Es bewies sich ein Mal mehr die Genialität die in diesem Künstler steckt, natürlich zeigte sich auch wieder der Wahnsinn. Letztendlich war es ein Mal mehr ein wundervoller Beweis dafür, wie nah Genie und Wahnsinn oftmals bei einander stehen. Natürlich waren hier auch wieder Exponate aus der Reihe `Die Peitsche der Erinnerung` zu sehen.

Was mich am meisten begeisterte kann ich eigentlich bis heute nicht klar definieren. Vielleicht war es `Mor`, was übersetzt soviel wie Mutter heißt. Eine riesige rosa Burg, die in Zusammenarbeit mit Tal R entstand. Tal R, der  1967 in mor-meese-tal-r.jpgIsrael geborene Künstler, ist auch einer der Menschen mit denen Meese immer wieder gerne zusammen arbeitet. Neben `Mor`, war ein absolutes Highlight dieser Ausstellung, die grandiose Drehbühne die Meese extra für den Klassiker `Kokain` von Frank Castorf entstehen ließ. Dieses Stück wurde im Rahmen der Ausstellung auch mehrfach durch die Volksbühne Berlin inszeniert. Leider ließ mein, wie so oft, sehr enger Zeitplan es nicht zu, der Einladung der Deichtorhallen zu folgen und mir dieses großartige Stück in Hamburg anzusehen. Diese epochale Ausstellung mit gut 150 Werken machte Meese in Deutschland noch bekannter. Er schaffte es sogar, von dem Boulevardblatt mit den vier großen Buchstaben, mit Joseph Beuys (1921-1986) verglichen zu werden. Wie zulässig dieser Vergleich wirklich ist, wird sich natürlich erst über die Jahre zeigen, da wir natürlich auch über völlig unterschiedliche Zeitfenster reden. Allerdings haben beide Künstler es gemein, dass sie in ihrer Zeit für großes Aufsehen sorgten bzw. sorgen. Wobei man durchaus auch heute schon sagen kann, dass auch Jonathan Meeses Einfluss auf die Kunstgeschichte, ein sehr nachhaltiger sein wird. Denn das was er tut geht über reine Provokation weit hinaus. Es ist tief durchdacht und im Gesamtkontext auch absolut schlüssig, womit sich natürlich eine weitere Parallele zu Joseph Beuys ergibt. Wie Ihr seht, war ich auch an dieser Stelle ein Mal mehr vom Werk Meeses sehr angetan, allerdings war ich nicht minder von der Kunststadt Hamburg angetan und meine Zeit im Norden sollte noch andauern. Wie es für mich im Norden weiterging, kann man dann demnächst hier nachlesen.

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Bislang ein Kommentar

  1. 5. August 2010

    | 09:03

    [...] ich es schon irgendwie gönnen, schließlich habe auch ich ein halbes Jahr in der Hansestadt gelebt. Trotz alle dem was sich in meiner Geburtsstadt abspielte, schlägt mein Herz [...]

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