Art for Europe

Kontinent der Kunst

Das Schlaraffenland des Whiskys

Wie im letzten Bericht beschrieben, waren wir im beschaulichen Städtchen Huntly abgestiegen und dies mit dem Hintergrund, dass es hier doch sehr vieles zu sehen gab. Die Gegend um Huntly ist bei Whiskykenner sehr wohl bekannt, denn hier verläuft der legendäre Malt Whisky Trail. Jetzt dürfte allen auch klar sein, dass dieser Bericht aus der Schottlandreihe ein ganz besonderer ist, denn es handelt sich um das schon länger angekündigte Whisky Special. Es sei kurz erklärt, dass Whisky genauso eine Philosophie für sich ist, wie gutes Essen oder leckerer Wein. Dies beginnt schon mit der Schreibweise. In Schottland und weiten Teilen Irlands schreibt man es Whisky. In den USA zum Beispiel schreibt man es aber Whiskey. Dieser Bericht setzt sich mit Single Malt Whiskys auseinander und zwar mit denen aus Schottland. Wie ich meine, die Königsklasse dieses so genannten Wasser des Lebens.

Der Dank an die Engel

Single Malt Whiskys zeichnen sich dadurch aus, dass sie roh, urig, einzigartig sind. Dies bedeutet im Gegensatz zu den handelsüblichen Whisk(e)ys, die die meisten kennen dürften, werden hier nicht verschiedene Sorten vermengt (blended), sondern nur die Produkte einer Brennerei verwendet. Whisky entsteht durch das mälzen und den glenfiddich-destillerie-9352.jpgGärungsprozess von Getreide. Im Falle von schottischen Single Malts reden wir von Gerste. Nachdem Gärungsprozess geht es mit der Destillation weiter. Das eigentliche Ergebnis ist eine sehr hochprozentige klare Flüssigkeit, die man so kaum genießen könnte. Deshalb wartet man bis sich der Alkoholgehalt des Destillats bei 65 bis 70 Prozent eingependelt hat und lässt so das Lebenswasser entstehen. Diese hochprozentige Flüssigkeit wird nun in Fässer abgefüllt und hier kommen wir zur nächsten Besonderheit. Die Fässer sind gebraucht. Dies bedeutet es wurde vorher Bourbon, Portwein, Sherry oder ähnliches darin gelagert und genau dies führt dann, wie auch die unterschiedlichen Holzarten einzelner Fässer, zu den differenten, besonderen Noten der verschiedenen Whiskys. In der Regel reifen diese dann 10 bis 18 Jahre in den Fässern.

Durch den langjährigen Lagerungsprozess verdunstet Jahr für Jahr ein gewisser Teil des Alkohols, diesen Anteil nennt man angels` share, es ist der Anteil für die Engel. Und so erhält der Whisky nach und nach immer mehr seine besondere geschmackliche Note und die typische Färbung. Nach der Lagerungszeit wird er dann auf die üblichen Prozentsätze, die bei knapp über 40 Prozent liegen, verdünnt. Allerdings bekommt man in den Brennereien auch immer wieder Fassabfüllungen in Fassstärke zu kaufen, diese ganz besonderen Highlights liegen dann bei 50 bis 60 Prozent, da sie unverdünnt direkt aus single-malt-pur-7095.jpgdem Fass abgefüllt werden. Der Whisky einer jeden einzelnen Brennerei hat seine ganz bestimmte Note, diese hängt unter anderem von der Lage der Brennerei, aber auch dem jeweiligen Herstellungsprozess ab. Eben weil es sich um so etwas Besonderes handelt, darf man einen Single Malt niemals mit anderen Dingen, wie zum Beispiel irgendwelchen koffeinhaltigen Softdrinks oder ähnlichem, vermengen. Man muss ihn pur genießen. Man darf ihn auch nicht auf Eis servieren, denn das würde ihn an der Entfaltung hintern. Was man allerdings machen darf, ist ihn mit ein wenig Wasser verdünnen bzw. etwas dazu trinken, was gerade auch bei den Single Malts mit Fassstärke etwas die Wucht des Alkohols nimmt und hilft das sich der Geschmack noch besser entfalten kann.

Das Gehirn des Whiskys

Nachdem nun klar ist wovon wir hier reden, kommen wir zu einigen legendären Brennereien, von denen es in Schottland um die 90 Stück gibt. Die wohl bekannteste unterglen-grant-9382.jpg ihnen ist Glenfiddich. Bis heute muss ich sagen, dass deren Whisky definitiv nicht zu meinen Lieblingen gehört, was wie so vieles im Leben natürlich Geschmackssache ist. Aber die Brennerei gehört bei jedem meiner Schottlandbesuche zum Pflichtprogramm. Denn hier gibt es meiner Meinung nach die fachkundigste Führung. Wobei man bei einem Besuch auch bedenken muss, dass durch den Bekanntheitsgrad dieser Brennerei, hier etwa so viel los ist, wie in deutschen Freizeitparks. Aber es lohnt sich, der Eintritt ist frei und wie in den meisten Brennereien kann man das Lebenswasser hier natürlich auch probieren. An dem besagten Malt Whisky Trail den wir besuchten, ist auf engstem Gebiet die größte Ansammlung an Brennereien des Landes zu finden und somit besuchten wir natürlich auch noch andere, wie zum Beispiel Glen Grant. Ein Single Malt Whisky der recht günstig ist aber trotzdem durchaus trinkbar.

Auch wenn ich jedem der Schottland besucht diese besondere schottische Attraktion ans Herz legen möchte, kommen meine persönlichen Lieblingswhiskys allesamt von der Westküste Schottlands, wo es auch noch einige weitere Brennereien gibt. Wie beschrieben, besuchten wir zum Beispiel die Destillerie von Oban, die Mitten in der Stadt liegt aber oban-6229.jpgeben auch eine meiner Lieblingsdestillerien auf Skye. Denn Talisker ist einer meiner absoluten Favoriten und ich freue mich auch darauf zu einem besonderen Anlass, dass hier erworbene Schätzchen zu genießen. Ein definitiv weiteres Highlight findet man hinter der weltbekannten Residenz der englischen Royals Balmoral. Es handelt sich um die Brennerei Royal Lochnagar. Eine sehr kleine aber auch sehr feine Brennerei und auch hier lohnte sich die Führung, denn beim abschließenden tasting, wie man die Verkostung des Whiskys auch nennt, erfuhren wir, dass hier die wichtigsten schottischen Single Malt Whiskys mit jeweils einem Fass eingelagert sind, damit falls eine der bedeutenden Brennereien zerstört wird, so etwas wie ein Backup bereit steht. Ich habe lange verhandelt aber niemand wollte mir den Schlüssel zu diesem Lagerraum geben, was mich bis heute natürlich etwas in Wehmut schwelgen lässt und bevor sich diese ausbreitet, verabschiede ich mich und verrate nur schon ein Mal, dass es auch nach Huntly spannend weiterging.

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Bisher 3 Kommetare

  1. 26. Mai 2012

    | 13:07

    [...] nach wie vor von der königlichen Familie, die ihren Sitz in London hat. Im Gegensatz zu Schottland, Wales oder Nordirland hat England weder ein Landesparlament, noch eine Landesregierung. Deren [...]

  2. 30. April 2013

    | 07:11

    [...] und erfolgreich gemacht hatten. Die Gebrüder Ballmann hatten die `Kreiseltechnik` aus Schottland bei den Gelsenkirchenern eingeführt. Dabei ging es um Flachpassspiel, Dribbling, [...]

  3. 7. September 2014

    | 11:09

    […] die ersten Punkte in der Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich eingefahren werden. Schottland ist auch kein Gegner, gegen den man verlieren sollte. Es zählt nun tatsächlich wieder nur […]

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