Art for Europe

Kontinent der Kunst

Collioure, Matisse, Derain und Karavan

Wie zuletzt beschrieben, hatten wir es nach gut 1.100 nasskalten Kilometern geschafft und hatten Collioure erreicht. Ein malerischer Ort der Kunst in der südfranzösischen Provinz Languedoc-Roussillon an der Grenze zu Spanien. Da es schon etwas später abends war, nahmen wir das erstbeste Hostel, welches wir Mitten im Zentrum fanden. Allerdings sollte sich dieses als wahnsinnig überteuert herausstellen. Sigi, meine Begleiterin für diesen Teil der Tour, war völlig erschöpft und blieb im Hostel. Ich wiederum startete noch ein Mal durch, um mich in den vielen kleinen Galerien dieses Ortes umzusehen und es sollte ein sehr erlebnisreicher Abend werden, der den Beginn einer wirklich tollen Zeit markieren sollte.

Von der Vergangenheit bis in die Gegenwart

Warum ist Collioure so bedeutsam für die Kunst? Auf diese Frage gibt es verschiedenen Antworten. Da sind zum einen Künstler, wie der am 31. Dezember 1869 geborene Henri Emile Benoit Matisse, den wir heute alle schlicht als Henri Matisse kennen. Begann der Mitbegründer des Fauvismus, noch mit einer starken impressionistischen Arbeitsweise, war er eben durch die Mitbegründung, der eben genannten Kunstrichtung, auch mit an der ersten großen Kunstrevolution des 20. Jahrhunderts beteiligt. Vor seinem Tod am 03. November 1954 arbeitete er aber auch immer wieder mit dem, am 10. Juni 1880 geborenen, Künstler André Derain zusammen. Auch der, am 08. September 1954 verstorbene, Derain war an der Begründung des Fauvismus beteiligt. Beide Künstler sowohl Matisse, wie auch Derain ließen sich immer wieder von diesen unbeschreiblich schönen, kleinen, farbenfrohen Gassen inspirieren. Man könnte also fast behaupten, Collioure wäre die Wiege des Fauvismus.

Während manche Orte der Kunst ihren Glanz über die Jahrzehnte und Jahrhunderte verlieren, kann man dies von diesem Ort, wo selbst der Blick von der Uferpromenade auf die alte Wehrkirche zur Kunst wird, nicht sagen. An besagtem Abend wurde ich von einer Galeristin in ein thailändisches Restaurant eingeladen, in dem an diesem Abend die collioure-uferkunst.jpgörtlichen Künstler einige ihrer Werke für die Opfer des Tsunamis, der einige Wochen zuvor hunderttausende Opfer gefordert hatte, versteigerten. So lernte ich natürlich gleich einen großen Teil der örtlichen Kunstszene von Collioure kennen und diese ist hier wirklich breit gefächert. Es gibt überzeugende Maler, wie zum Beispiel Johannes Baudrie. Aber es gibt genauso Künstler, dessen tiefe innere Revolte, sich auch in den Werken ausdrückt. Genau dies war bei den Werken von Barry Blend der Fall, dessen Arbeiten mich ziemlich überzeugten. Da, wie schon vielfach erwähnt, nicht nur Collioure ein Dorf ist, sondern eben die ganze Welt, war es irgendwie abzusehen, dass ich auch hier jemand treffen sollte, der aus dem Nachbarort meines Geburtsortes stammt und nun schon seit einigen Jahrzehnten hier unten lebt. Diese Begegnung sollte diesen wundervollen Abend dann auch abschließen.

Von Dali und Karavan

Tief in der Nacht kehrte ich dann auch in das Hostel zurück und nach einer reichlich kurzen Nacht für mich, beschlossen wir am nächsten morgen weiter die Küste runter zu trampen und uns ein preiswerteres Hostel in der Gegend zu suchen. Einige Kilometer port-vendres-swan-galerie.jpgweiter, in dem kleinen Fischerdorf Port Vendres gelang uns dies auch. Wir lernten Paul Leberger kennen, der dort mit `Le Swan` eine Mischung aus einem Hostel und einer Galerie betreibt. Als Mensch überzeugte Paul mich völlig und ich freue mich immer wieder, wenn ich bei ihm bin. Seine Kunst überzeugte mich aber nicht wirklich. Da dies aber bekanntermaßen Geschmackssache ist, kann sich jeder vor Ort sein eigenes Bild machen. Mit diesem tollen, außergewöhnlichen und vor allem auch sehr preiswerten Hostel, hatten wir eine perfekte Basis, um natürlich auch noch ein Mal nach Collioure zurückzukehren, aber auch um schon ein Mal ein bisschen in Richtung Costa Brava zu schnuppern, wo es auf dem Weg nach Barcelona, als nächstes hingehen sollte. Der einzige kleine Rückschlag den es dort gab war, dass ich mir ziemlich schwer die Wirbelsäule an einem Stahlträger geprellt hatte und dies sollte noch fatale Folgen haben. Erst Mal genossen wir aber die Zeit und es entstanden auch hier einige Photographien, die später in meiner Ausstellung `Europa`, im Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen zu sehen sein sollten.

Wie beschrieben, trieb es uns von Paul aus auch immer Mal wieder weiter südlich an bzw. über die spanische Grenze und die Cote Vermeille ist ein Traum. Schließlich war es Mittencosta-brava-ruine.jpgim Winter und wir hatten tagsüber trotzdem teilweise an die 20 Grad, was den Aufenthalt natürlich noch ein Mal sehr versüßte. So hatten wir zum Beispiel auch die Möglichkeit in Pauls Hostel draußen zu frühstücken. Um an unser nächstes Etappenziel, die Dali-Stadt Figueras in Spanien zu gelangen, mussten wir Frankreich dann aber endgültig den Rücken kehren. Aber bevor wir mit Figueras, die Stadt erreichten in der am 11. Mai 1904 Salvador Felip Domènech Dali i Cusi, den wir heute alle als Salvador Dali kennen, geboren wurde, stand noch ein weiteres spannendes Highlight auf dem Programm. Dani Karavan, der am 07. Dezember 1930 in Tel Aviv geborene Bildhauer, der übrigens noch bis zum 01. Juni 2008 im Martin Gropius Bau in Berlin ausstellt, hat in dem kleinen spanischen Grenzort Port Bou ein Monument für Walter Benjamin entstehen lassen. Was es damit auf sich hat und wie daraus eine über 70-teilige Werkreihe von mir entstand, erfahrt ihr beim nächsten Mal.

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