Art for Europe

Kontinent der Kunst

Budapest-Eine Stadt im Wandel

Es war Anfang der 1990er, als ich mit einem Freund zusammen die erste große Tramptour durch Europa startete, unser Ziel war damals Budapest. Mittlerweile bin ich durch halb Europa getrampt, habe unzählige Metropolen und andere Highlights dieses Kontinents besuchen dürfen und trotzdem stand fest, dass ich Budapest auch im Rahmen des Projektes Art for Europe noch ein Mal besuchen würde. Vor einigen Tagen war es dann soweit und ich machte mich, wie immer in letzter Zeit zusammen mit Britta, auf den Weg. Allerdings bevorzugten wir es dies Mal, nicht nur auf Grund der Jahreszeit, den Flieger zu nutzen. Diese Reisemöglichkeit ist zwar nicht im Ansatz so spannend, wie zu trampen, bietet aber den Vorteil, dass man sein Ziel wesentlich schneller erreicht. Budapest liegt, wie auch meine Kölner Wahlheimat, an einem großen europäischen Strom und zwar an der Donau. Verglichen wird es aber häufiger mit Prag, eine Stadt die ich für Art for Europe auch schon vor einiger Zeit besucht hatte. Natürlich ist Budapest auch die Hauptstadt Ungarns. Bei meinem letzten Besuch hatte sich der Eiserne Vorhang gerade erst geöffnet, in sofern war es natürlich auch spannend sich mit der Entwicklung in dieser Stadt auseinanderzusetzen.

Buda und Pest

Budapest besteht eigentlich aus zwei Hauptteilen die durch die Donau getrennt werden. Zum einen ist da Buda, der alte Teil der Stadt, mit dem Burgberg und so wundervollen Orten, wie zum Beispiel die Fischerbastei. Auf der anderen Seite liegt der neuere Teil der Stadt, Pest. Hier findet man zum Beispiel die wunderschöne alte Markthalle aber auch das donau-parlament-2218.jpgParlament, welches eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Ist die Stadt nun durch die Donau geteilt wird sie durch sieben Brücken wieder vereint. Die wohl bekanntest ist die Kettenbrücke, die natürlich auch ein, wenn nicht gar das Wahrzeichen der Stadt ist. Wir hatten unsere Unterkunft in Pest in unmittelbarer Nähe zum Parlament. Das Origo war ein nettes Hostel mit vier Zimmern, zwei Bädern und einer Küche, also war alles was das Herz begehrte vorhanden. Wie schon im letzten Bericht erwähnt, ist es immer wichtig ein gut funktionierendes Netzwerk zu haben, um zum Beispiel auch den ein oder anderen guten Tipp im Vorfeld zu erhalten. Dies Mal erhielten wir gleich eine ganze Liste an guten Tipps aus Düsseldorf. Leider konnten wir nur einigen nachgehen. Es gab unter anderem die Empfehlung eines der traditionellen Badehäuser aufzusuchen. Denn Budapest ist auch als eine Stadt der Badehäuser bekannt. Allerdings, so reizvoll es gerade auch bei den vorhandenen Minusgraden war, richtete sich der Fokus doch soweit auf die Kultur und Architektur der Stadt, das wir auf das Badevergnügen verzichten mussten.

Einem anderen Tipp gingen wir allerdings sehr wohl nach und besuchten somit das Cafe Ruszwurm. Man muss einräumen das Budapest auch eine Hochburg der Kaffeekultur ist, dies gilt sowohl für die Vielzahl an verschiedenen Kaffeehäusern, wie auch für den Kaffee und die dazu gereichten Leckereien. Um noch ein Mal ein persönliches Geheimnis zu verraten, ich bin nicht so zwingend für Süßkram zu haben aber glücklicherweise hatte ich mit Britta auch eine Expertin für diesen Bereich an meiner Seite und ihrem Urteil nach war die Torte im Ruszwurm unschlagbar und einzigartig. Persönlich genoss ich dort oben im Burgviertel  am meisten die Fischerbastei. Ein Ort der es mir schon beim ersten Besuch in dieser Stadt völlig angetan hatte. Es ist nicht nur der wundervolle Ausblick, den man hier oben über die gesamte Stadt hat, dieser Ort lampe-budapest-2216.jpghat auch immer wieder etwas Magisches. Hier oben in Buda findet man dann auch die altehrwürdige ungarische Nationalgalerie die mittlerweile über fast 70.000 Werke verfügt, da ich allerdings schon so viele klassische Nationalmuseen auf meiner Tour besucht habe, sparten wir uns diesen Besuch. Ich widmete mich dann wieder der der Architektur und den Einflüssen der verschiedensten Epochen auf das Stadtbild. Natürlich sammelte ich auch wieder fleißig Motive in Form verschiedenster Straßenlaternen, was nun auch schon seit einigen Jahren zu meinen großen künstlerischen Leidenschaften zählt.

Ein Platz für Helden

Befand sich unser Hostel fast direkt am Freiheitsplatz, mussten wir doch ein ganzes Stück laufen, um an den wohl klassischsten Platz der Stadt zu gelangen. Hier am Heldenplatz befinden sich auch die Kunsthalle und das Museum der bildenden Künste. Persönlich hätte mich wohl eher die Kunsthalle gereizt, allerdings hätte mich die Retrospektive mit Werken von Thomas Ruff an dieser Stelle zu sehr in meiner künstlerischen Arbeit abgelenkt, eine Situation die es so auf neu-und-alt-budapest-2269.jpgder Tour auch noch nicht gab. Denn gerade auch die Prachtstraße, die von der Innenstadt aus direkt auf den Heldenplatz führt, war für mich photographisch gesehen eine Goldgrube, die ich unbeeinflusst genießen wollte. An dieser Prachtstraße, in der man leider auch den Wandeln sehr deutlich spüren kann und merkt wie die Pracht mehr und mehr vergeht, liegt auch das House of terror, welches man in jedem Fall besuchen sollte, wenn man in der Stadt ist. Zum gerade bereits erwähnten Wandel in der Stadt ist anzumerken, dass mir einiges fehlte und ich über einige Dinge auch etwas irritiert war. Wenn wir von Budapest reden, reden wir von einer Stadt mit gut 1,7 Millionen Einwohnern und wie man bis hier her diesem Bericht auch schon entnehmen konnte, gibt es hier doch eine große Anzahl wichtiger kultureller Einrichtungen, wie zum Beispiel die genannten Museen. Was mir allerdings völlig fehlte, war eine lebendige junge Kunst-und Kulturszene, wie ich sie unter anderem aus Städten, wie zum Beispiel Ljubljana oder Prag gewohnt bin. Denn in diesen Städten springt einem dieser künstlerische und kulturelle Flair  über all entgegen. Genau dies vermisste ich in Budapest doch sehr.

Zum Straßenleben oder eben zur Kultur der Straße ist zu sagen, dass diese wohl völlig und ganz dem Systemwandel zum Opfer gefallen ist. Bei meinem letzten Besuch fand man noch überall fliegende Händler und kleine Märkte und ähnliches. So etwas konnten wir dies Mal nicht finden. Die Innenstadt, die nicht gerade zum shoppen einlädt, weil einfach doch einiges an Geschäften fehlt, ist herausgeputzt worden, wenn auch nicht immer gelungen. Verlässt man diesen Bereich allerdings, stellt sich einem bald schon die Frage, was man hier in den letzten Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnten getan hat. Wie bereits erwähnt, hat man ganz offensichtlich die Prachtstraße einfach verkommen lassen und das bei einer wundervollen prachtstr-budapest-verfall-2606.jpgBausubstanz, von der manch andere europäische Stadt nur träumen kann. Es ist außerordentlich schade so etwas zu sehen. Man hatte zum Teil so oder so das Gefühl, dass an den touristisch wichtigen Punkten einiges getan wurde, allerdings der Rest der Stadt seinem Schicksal überlassen wurde. Natürlich muss man auch berücksichtigen, dass auch Ungarn sehr Nahe am Staatsbankrott ist und auch hier hatte man das Gefühl es oftmals zu spüren, denn die Menschen mit denen man zu tun hatte, waren alle gewohnt freundlich und entgegenkommend aber ein glückliches Lächeln suchte man leider meist vergeblich. Ein weiteres Highlight der Stadt liegt eigentlich außerhalb der Stadt und ich glaube heute schon sagen zu können, dass es wohl mein persönliches Highlight war. Es geht um den Memento-Park, der mich so sehr beeindruckte, dass ich ihm demnächst einen eigenen Bericht widmen werde.

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Bisher 2 Kommetare

  1. 10. März 2016

    | 08:10

    […] durchaus sehen lassen, rangiert Bukarest mit fast 2 Millionen Einwohnern noch knapp vor Wien und Budapest an sechster Stelle in der EU. Die bereits erwähnten Karpaten, von denen sich fast die gesamte […]

  2. 2. Mai 2016

    | 07:42

    […] Slowenien, was zu einer Gesamtgrenzlänge von 2.009 Kilometern führt. In der Hauptstadt Budapest leben über 1,7 Millionen Menschen und die Gegend ist vom Pilisgebirge und natürlich von […]

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