Art for Europe

Kontinent der Kunst

Anselm Kiefer – Hier wächst so schnell kein Gras drüber

Ermöglicht durch: Ihr Name / Firmenname. Anselm Kiefer gehört zu den bedeutendsten und bekanntesten deutschen Gegenwartskünstlern und ist für seine tiefgründigen und großartigen Arbeiten bekannt. Kiefer wurde 1945 im Luftschutzkeller eines Krankenhauses in Donaueschingen geboren. Danach wuchs er ab 1951 in Rastatt auf und begann 1965 ein Studium der Rechtswissenschaften, Romanistik und Literatur in Freiburg. Schon während dieser Zeit im Breisgau widmete er sich auch der Bildenden Kunst und studierte von 1966 bis 1968, ebenfalls in Freiburg, Malerei. Dieses Studium schloss er dann 1969 in Karlsruhe ab. Nimmt man nur schon diesen Ausschnitt seines Lebensweges, kann man sich vorstellen, wozu die immer wieder gerne von ihm verwendete Aussage: `Meine Biographie ist die Biographie Deutschlands` führt. Kiefers Werk ist geprägt von der deutschen Geschichte, ihren Geistesgrößen und ihren Mythen, dies merkt man natürlich auch, wenn man sich näher mit seinen Arbeiten beschäftigt. Dies bedeutet für eine große Zeit seines Künstlerlebens, dass die Werke eine gewisse tiefe Dunkelheit ausstrahlen, was natürlich auch mit dem großen Thema der deutschen Vergangenheitsbewältigung zusammenhängt.

Over your cities grass will grow
Die britische Filmemacherin Sophie Fiennes ließ einen großartigen und äußerst bildmächtigen Dokumentarfilm entstehen, der in der Phase des Lebens von Anselm Kiefer ansetzt, als das große Thema der Vergangenheitsbewältigung in Bezug auf Deutschland bedingt abgearbeitet war und er das Land gen Frankreich verlassen hatte. `Over your cities grass will grow`, wie dieser ganz besondere Film heißt, führt ganz schnell auch zur Überschrift dieses Beitrags zu diesem außergewöhnlichen cineastischen Erlebnis. In dieser Dokumentation geht es um das Schaffen von Anselm Kiefer ab 1993 auf einem Gelände von über 35 Hektar. Mit `La Ribaute` entstand ein ganz eigener mystischer Kosmos aus Natur und Kunst, in welchem man 105 Minuten lang eintauchen oder vielmehr abtauchen kann. 1993, der Umzug nach Frankreich stellt, wie bereits erwähnt, eine gewisse Zäsur in seinem Künstlerleben dar, welches man auch in diesem Film erspüren kann, wenn man sich sein Schaffen vor 1993 vor Augen hält. Mit seinem Umzug nach Frankreich löste er sich in der angesprochenen Art und Weise von der deutschen Vergangenheitsbewältigung, als großes Lebensthema. Seine Arbeiten wurden lichter und seine Themen weiteten sich ins Kosmische aus. Er nutzte neue Materialien und neue Werkzeuge, angefangen bei Spitzhacke, Axt und Flammenwerfer bis hin zu richtig schweren Baumaschinen. All diese Größe, ganz ohne Größenwahn, kommt in diesem ganz besonderen Kunstfilm auch sehr gut zur Geltung.

Ein Abenteuerspielplatz der ganz großen Kunst
`La Ribaute`, diese ehemalige Seidenspinnerei mit ihrer hügeligen Landschaft, den Industriegebäuden und Studioräumen in Frankreich ist allgemein schon beeindruckend, was Anselm Kiefer dort dann schuf, ist ein Meisterwerk für sich. Mit schwerem Gerät ließ er ein eigenes Labyrinth aus Tunneln entstehen und die Oberfläche wurde unter anderem durch monumentale Turmbauten grundlegend verändert. Dies wirkt, wie die urbanen Fantasiewelten, die Kinder mit Bauklötzen entstehen lassen, nur in wesentlich größerem Format, um es ganz vorsichtig zu formulieren. Kunstwelt bekommt hier eine ganz neue Bedeutung, wobei es eigentlich schon ein ganzer Kunstkosmos ist, der dort entstanden ist. Dieser Film ist langsam, fast meditativ, zieht den Zuschauer völlig in seinen Bann, um dann aber auch wieder ein großes Maß an Energie zu versprühen, welche allein schon durch die Dimensionen, die einem dort begegnen, freigesetzt wird. Allein in dieser Größe zu denken und all diese Gedanken dann auch noch so präzise umzusetzen, ist einfach nur meisterlich. Was hier an Inhalten, Kunst, Infrastruktur und Natur miteinander verschmilzt, zum Teil gar verschmolzen wird, erklärt sehr deutlich, warum Anselm Kiefer ein solch angesehener Künstler ist. Ein Lob geht aber natürlich auch ganz klar an die Macherin dieser Dokumentation, denn es ist bewundernswert, welche Eindrücke Sophie Fiennes hier eingefangen hat und wie all dies komponiert wurde.

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