Art for Europe

Kontinent der Kunst

25 Jahre genialer Horror und die heutige Realität

Ermöglicht durch: Ihr Name / Firmenname. Wie versprochen, gibt es nun ein erstes cineastisches Jubiläum in diesem Jahr und es wird nicht das letzte gewesen sein. Ich habe mich immer schon gefragt, wie es ist, älter zu werden. Woran macht sich so ein Prozess in der Umwelt bemerkbar? Ein Punkt ist es wohl, wenn die Lieblingsfilme, wie in diesem Fall ein großartiger Horrorfilm, ein Vierteljahrhundert alt werden. Dies hat aber auch seinen Vorteil, wie ich feststellen konnte. Ein Beispiel ist der Adrian Lyne Film `Jacob´s Ladder – In der Gewalt des Jenseits`. Dieser geniale Film aus dem Jahr 1990, welcher mich bis zum heutigen Tage fasziniert, geht über 108 Minuten, die es tatsächlich bis zur letzten Minute in sich haben. Wer nun extrem viel Blut und klassische Horrorfilmsequenzen sucht, sollte die Finger von diesem Film lassen. Es ist mehr die Psychoschiene, die diesen Streifen ausmacht. Auf den ersten Blick ist die Handlung gar nicht allzu komplex, es geht um den geschiedenen Postboten Jacob Singer, ein Veteran aus dem Vietnamkrieg. Während seinem alltäglichen Leben in New York City plagen ihn immer wieder Visionen, wie er im Dschungel getötet wird. Bald schon verzweigt sich dieser Film allerdings auf verschiedene Ebenen, was es allerdings nicht über die Maßen komplex macht, sondern einfach nur wahnsinnig spannend, da sich immer mehr die Frage stellt, wie sich diese Ebenen wohl am Ende auflösen werden bzw. einen klaren Sinn ergeben. Wie dies geschieht, werde ich hier natürlich nicht verraten, es sei nur so viel gesagt, eigentlich wird alles auf den Kopf gestellt, was einfach nur genial ist, da es alle bis dahin im eigenen Kopf entstandenen Bilder vernichtet.

Längst von der Fiktion eingeholt
Ich hatte diesen Film mindestens 20 Jahre lang nicht mehr gesehen gehabt, auch wenn ich mich stets an ihn erinnerte und deshalb auch feststand, dass er in diese kleine aber feine Reihe über cineastische Highlights kommen würde. Ich muss auch sagen, dass ich von diesem Film nach 25 Jahren noch genauso fasziniert bin, wie beim ersten Mal. Es hat sich allerdings auch etwas verändert, was mich beeindruckt, denn es betrifft natürlich weniger diesen großartigen Film, als vielmehr mich selbst. Damals war meine Welt noch wesentlich friedlicher. Direkte Gewalt, wie sie gut ein Jahrzehnt später durch 911 und die Folgen aufkommen sollte, gab es in der Form noch nicht, selbst der Jugoslawienkrieg hatte noch nicht begonnen. Deshalb hat mich die Gewalt, welche dieser Film im Kontext des Vietnamkriegs vermittelt, schon mitgenommen und ziemlich schockiert. Heute, ein Vierteljahrhundert später, wo Kriege und Gewalt auch in Europa längst wieder zum blutigen Alltag geworden sind und sich natürlich auch durch das Internet die gesamte Medienwelt völlig verändert hat, schockiert mich dieser Film kein Stück mehr, was ihn natürlich nicht zu einem schlechteren Film macht. Es stimmt mich nur ein wenig nachdenklich und wirft die Frage auf, was es in diesen Tagen brauchen würde, um diese Gefühl hervorzurufen. Ich frage mich natürlich auch, ob dies ein normaler, alltagsbedingter Prozess ist oder ob es vielleicht auch etwas mit meiner Generation speziell zu tun hat, die eigentlich in einem, wenn auch vom Kalten Krieg geprägten aber ansonsten sehr friedlichen Europa aufgewachsen ist und längst auf einem Kontinent lebt, welcher lange nicht mehr so friedlich ist, sondern immer kriegerischer wird.

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Schade, bislang hatte noch keiner eine Meinung

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